Neue Naturschutz-Gutachten bremsen ein größeres Gewerbegebiet aus

Davon träumen Kommunen: Ein Gewerbegebiet direkt neben der Autobahnausfahrt. In Neustädtlein entwickelt sich der Traum aber zum Albtraum. Das Gebiet soll erweitert werden, doch es gibt viele Hürden.

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Das Gewerbegebiet in Neustädtlein liegt verkehrsgünstig an der Ausfahrt der Autobahn 7 und idyllisch inmitten der Natur. Letzteres verzögert die Erweiterungspläne der Gemeinde Fichtenau für das Areal. Foto: Christine Hofmann

Der Schwerlastverkehr rund um die Anschlussstelle der Autobahn 7 in Neustädtlein ist beachtlich. Doch die meisten Lkws, die hier die Autobahn verlassen, fahren weiter in Richtung Crailsheim oder Dinkelsbühl. Dabei wäre die Gemeinde Fichtenau gern selbst Zielort des Lieferverkehrs. Die Kommune möchte weitere Firmen ansiedeln, doch im Gewerbegebiet gibt es keinen Platz mehr. Die geplante Erweiterung hängt schon seit Jahren in der Warteschleife.

Gutachten kann bis zu 10.000 Euro kosten

Mehrfach hat sich der Fichtenauer Gemeinderat mit dem Thema beschäftigt. Drei mögliche Erweiterungsflächen wurden ausgewählt, eine bereits wieder verworfen. Im Rennen sind noch zwei Areale, die direkt gegenüber (Variante B) beziehungsweise neben dem bestehenden Gewerbegebiet liegen (Variante C). Die Gemeinderäte bevorzugen für die gewerbliche Entwicklung die Fläche C. Vorsichtshalber wurde die artenschutzrechtliche Relevanzprüfung sowie die sogenannte FFH-Vorprüfung, die beurteilen soll, ob eine Bebauung der bislang landwirtschaftlich genutzten Flächen Auswirkungen auf Tiere und Pflanzenarten im angrenzenden Naturschutzgebiet haben könnte, für beide Varianten durchgeführt. Das Ergebnis der Gutachten wurde der unteren Naturschutzbehörde vorgelegt. Das Landratsamt fordert nun eine detailliertere Untersuchung des Gebietes mit einer FFH-Verträglichkeitsprüfung. Das bedeutet für die Gemeinde Fichtenau weitere Ausgaben (ein solches Gutachten kostet zwischen 6000 und 10.000 Euro) sowie eine weitere Verzögerung von rund sechs Monaten.

Sollte das umfassendere Gutachten ergeben, dass keine naturschutzrechtlichen Bedenken vorliegen - und das ist noch keineswegs sicher - muss der Regionalverband Heilbronn-Franken die Fläche in den Regionalplan aufnehmen. Erst dann kann mit der Erstellung eines Bebauungsplanes begonnen werden, was wieder einige Monate Zeit kosten wird. "Es ist noch ein langer Weg, und wir müssen noch viel tun und auch Geld in die Hand nehmen", informierte Bürgermeister Martin Piott seine Gemeinderäte. Es sei äußerst unerfreulich, dass es immer nur stückweise vorangeht und man überhaupt noch nicht sagen könne, wie es am Ende aussehe. Ratlosigkeit und Bedauern über das schleppende Verfahren spiegelten die Diskussionsbeiträge der Gemeinderäte wider. "Ich bin beeindruckt, was die Naturschützer alle finden. Ich wusste gar nicht, dass es bei uns sogar Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläulinge gibt. Wer hätte das gedacht?", wunderte sich Gemeinderat Dieter Kranz. Es sei nicht nachvollziehbar, warum in anderen Gemeinden, wie etwa im benachbarten Dinkelsbühl, wesentlich schneller grünes Licht für gewerbliche Flächennutzung möglich sei. "Ich verstehe gar nicht, wo die ganzen seltenen Viecher gefunden wurden. Leben die auf dem Acker? Denn momentan ist die Fläche, über die wir reden, ja Ackerland", sagte Gemeinderat Gerald Ilg und er fügte resigniert hinzu: "Am Ende muss man die Natur noch vor dem Naturschutz schützen."

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