Neue Ideen sind jetzt gefragt

Der Gesangverein von gestern ist tot. Manche haben es nur noch nicht gemerkt! Neue Ideen sind gefragt, um Menschen zusammenzubringen, die singen. Die Chorregion hat sich auf den Weg gemacht.

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Die Hauptversammlung der Sängerregion in Honhardt hat es an den Tag gebracht: "Schon der Name ,Sänger-Gau lässt Erinnerungen an längst vergangene Zeiten aufkommen", ist sich Verbandsvorsitzender Gerhard Hauf mit seinem Stellvertreter Alfred Schmidt einig.

Mit der Namensänderung vor einiger Zeit ist nun auch in Honhardt frischer Wind in die Verbandsführung eingezogen. Der neue Verbandschorleiter Hermann-Josef Beyer hat als früherer Chef der Musikschule in Niederstetten einen Profi-Hintergrund. Diese Professionalität sei auch nötig, so Hauf, um die Regionalgruppe mit ihren 2000 Aktiven in knapp 80 Vereinen voranzubringen - "auf dass es nicht noch weniger werden."

Mehrere traditionelle Gesangvereine haben nämlich bereits schlapp gemacht und den Betrieb eingestellt oder sich - wie in Kirchberg - gar aufgelöst. "Eine ausgesprochen ungute Entwicklung", weiß Alfred Schmidt. Dabei sei der Wert des Singens unbestritten: "Viele Frauen und Männer singen, wenn sie zusammenkommen. Das muss man nur kanalisieren." Doch leichter gesagt als getan.

Der Altersdurchschnitt in den heimischen Gesangvereinen schnellt in die Höhe. Das oftmals alt hergebrachte Liedgut verprellt dazuhin den einen oder anderen Interessenten. Andererseits besteht Hoffnung: "Viele Vereine gehen inzwischen mit der Zeit", sagt Schmidt. "Es gibt junge, ansprechende Chorformen - womöglich nicht gleich im Verein, sondern als Projekt. Und auch neue Stilrichtungen sind möglich."

Wenn man etwa darüber nachdenke, sich Gospels, Barbershopsongs oder Shanties zuzuwenden, so Hauf, sei häufig der Einwand zu hören, dass es für derlei Musik keine vierstimmigen Sätze gibt. "Ein klassisches, aber abwegiges Argument", sagt Hauf. "Als Einstieg ist so was immer denkbar. Wir müssen doch offen sein für alle Richtungen, auch für moderne Literatur. Was spricht denn gegen Pop- oder Rock-Songs, nur weil sie einstimmig daherkommen?" Der Qualität tue das keinen Abbruch, spricht er Klartext - selbst wenn er sich damit womöglich quer stellt zu anderen Überzeugungen.

"Es hängt immer an den Personen", ist Alfred Schmidt überzeugt. In diesem Fall an den Chormeistern, sprich: den Dirigenten. "Die bestimmen die Richtung - nur in den wenigsten Vereinen gibt es einen Ausschuss, der über die Literatur mitbestimmt." Allerdings habe es in einigen Vereinen einen Umbruch gegeben - Interessengruppen, die anderes aufgreifen und singen. Die mit ihrem Vortrag zu begeistern wissen. "Viele Clubs haben inzwischen mehrere Chöre", bestätigt Gerhard Hauf.

Noch etwas zu den Dirigenten: Aktive Vereine hätten Einnahmen, beschreibt Gerhard Hauf die Situation. Das bedeutet, dass sie auch in der Lage sein müssten, gute Dirigenten zu zahlen. "Dass das schon der Lehrer macht wie früher, das kann man sich weitgehend abschminken", sagt er. "Dabei gibt es genügend junge und qualifizierte Chorleiter, wie viele Beispiele in der Region belegen", ergänzt Hauf und führt zum Beweis die in den Verbandsvorstand aufgerückten Michael Pratz, Nikolai Ott, Eduard Wacker, Bert Ruf oder Erwin Bach an. Hauf: "Da wächst was nach, da herrscht Aufbruchstimmung."

Die Verbandsspitze ist sich einig, dass eine Menge Arbeit auf sie wartet. "Ein Gesangverein hat eben oft auch eine gesellschaftliche Rolle wahrzunehmen und eine ziemliche Bandbreite abzudecken", erinnert Hauf. Schließlich stütze Singen in vielen Lebenssituationen, "es begleitet den Menschen von der Geburt über ein langes Leben bis hin zum Tod." Das eröffne den Vereinen die Chance, aus langer Tradition heraus zu einem festen, neuen Bestandteil der Jetztzeit zu werden. Sicherlich nicht ohne ehrenamtliches Engagement, doch solche positiven Entwicklungen zu stärken, auch darin sieht der Chorverband Hohenloher Gau seine Aufgabe. Also doch: Es geht voran!

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