Naturparadies wird noch attraktiver für die Bewohner

Das rekultivierte Gelände der früheren Tongrube in Reubach gehört jetzt dem Land. Für die vielfältige Tierwelt werden künftig noch weitere Oasen geschaffen.

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  • Auch rare Wasservogel-Arten haben an einem See in der früheren Tongrube in Reubach eine Heimstatt gefunden. Die Biotop-Qualität des derzeit noch recht karg erscheinenden Geländes soll mit Bepflanzungen und tierfreundlicher Gestaltung erhöht werden.  1/2
    Auch rare Wasservogel-Arten haben an einem See in der früheren Tongrube in Reubach eine Heimstatt gefunden. Die Biotop-Qualität des derzeit noch recht karg erscheinenden Geländes soll mit Bepflanzungen und tierfreundlicher Gestaltung erhöht werden. Foto: 
  • Bestimmte Areale am Seeufer in Reubach sollten mit Rücksicht auf die Tiere gemieden werden. 2/2
    Bestimmte Areale am Seeufer in Reubach sollten mit Rücksicht auf die Tiere gemieden werden. Foto: 
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Über einem Naturparadies am Ortsrand von Reubach schwebt jetzt eine schützende Hand: Das Land Baden-Württemberg hat das rund sechs Hektar große Gelände einer ehemaligen Tongrube mit finanzieller Hilfe der Stiftung Naturschutzfonds (siehe Info) erworben.

Damit ist endgültig gesichert, dass ein See, der sich im Laufe der Jahre zu einem überaus wertvollen Biotop nicht nur für seltene Wasservögel und Insekten entwickelt hat, dauerhaft erhalten bleibt und mit menschlicher Hilfe sogar noch an zusätzlicher Anziehungskraft für Vögel, Insekten und Reptilien gewinnt.

Auf dem schon seit Jahren nicht mehr genutzten Gelände wurde seit 1870 der Rohstoff für die in direkter Nachbarschaft liegende Ziegelei der Firma Schaffert und Unbehauen abgebaut.

Eine Grube am Rande des Areals füllte sich nach und nach mit Grundwasser und bildete die Basis für einen inzwischen knapp zwei Hektar großen See, der im Laufe der Zeit allerhand Getier schier magisch anzog.

Iris Mühlberger von der Ortsgruppe Rot am See des Naturschutzbundes (Nabu) hat dort neben zahllosen Insekten wie Libellen und seltenen Grubenhummeln über 90 Vogelarten gezählt, die sich dauerhaft oder als durchziehender Gast in der Oase bei Reubach niederlassen – darunter Raritäten wie Haubentaucher und Rohrammern.

Vor drei Jahren zogen aber dunkle Wolken über der Idylle auf: Schon 2001 erhielt die Baufirma Leonhard Weiss nach einem Pachtvertrag mit dem Grundstücksbesitzer Erich Unbehauen die naturschutzrechtliche Genehmigung, das durchlöcherte Gelände mit Erdaushub zu rekultivieren. Rein rechtlich hätte die Firma auch den kompletten See verfüllen können – was wiederum die Naturschützer auf den Plan rief.

Statt Konfrontation gab es aber nach etlichen Verhandlungsrunden einen Kompromiss, dem neben allen Beteiligten letztlich auch das Landratsamt als Untere Naturschutzbehörde zustimmte: Der See bleibt völlig unangetastet, die Firma Weiss transportiert statt 230.000 nur 160.000 Kubikmeter Erde auf das Gelände, dessen Niveau sich im Gegenzug auf bis zu vier Meter erhöht.

Bis zum Herbst 2017 sollen die letzten 5000 Kubikmeter Erdmaterial ausgebracht werden. Dann kann umgesetzt werden, was das Büro Südwestplan aus Fichtenberg im Auftrag des Landratsamtes zur Hebung der Biotop-Qualität  vorgesehen hat: Heimische Hecken, Sträucher und Bäume auf einer Streuobstwiese sollen das Areal einsäumen, für die gefiederten Tierarten gibt es eine Vogel­insel nebst Brutflößen und Wildbienen können sich auf einer Wiesenweide laben.

Von einer Plattform auf einem Hügel kann künftig das pralle Leben im See beobachtet werden, das den Besuchern auch auf Infotafeln vorgestellt wird. Das Gelände wird nicht eingezäunt. Der Naturschutzbund bittet aber darum, die Seebewohner möglichst wenig zu stören, vor allem die speziell ausgewiesenen Brutplätze im hinteren Bereich des Sees zu meiden und auf ein Bad von Mensch oder Hund zu verzichten.

Seit 1976 gibt es in Baden-Württemberg den Naturschutzfonds – eine Stiftung des öffentlichen Rechts, deren Ziel es ist, „neue innovative Wege im Naturschutz anzustoßen und zu fördern sowie Projekte mit Modellcharakter zu unterstützen“, wie es auf der Webseite der Institution heißt. Vorsitzender der Stiftung ist der jeweilige Umweltminister, dem ein bis zu 42 Mitglieder zählender Stiftungsrat zur Seite steht. Diesem Gremium gehört auch der Landtagsabgeordnete Dr. Friedrich Bullinger an, der das Tongruben-Projekt in seinem Wohnort ebenfalls unterstützt hat. Das Vermögen der Stiftung wird unter anderem aus Zuschüssen des Landes und aus Ausgleichszahlungen für bauliche Eingriffe in die Natur und Landschaft gespeist. haz

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