Nachruf: Xaver Egetemeyr aus Bühlertann ist im Alter von 68 Jahren gestorben

Er hat für seine Pferde gelebt. Und sie haben ihn auf seinem letzten Weg begleitet: Xaver Egetemeyr. Der Bühlertanner Holzrücker, Fuhrmann und Pferdezüchter ist am 26. Oktober im Alter von 68 Jahren gestorben.

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  • So kannte man ihn in Gaildorf: Das Bild aus dem Jahr 2009 zeigt Xaver Egetemeyr mit seinem prächtigen Sechsspänner Noriker. Der Fuhrmann aus dem Bühlertal zog mit viel Geschick und Ruhe einen Wagen mit Langholz. In der Prämierung für "Wagen und Gruppen" brachte ihm das den zweiten Platz ein. Archivfoto: Peter Lindau 1/2
    So kannte man ihn in Gaildorf: Das Bild aus dem Jahr 2009 zeigt Xaver Egetemeyr mit seinem prächtigen Sechsspänner Noriker. Der Fuhrmann aus dem Bühlertal zog mit viel Geschick und Ruhe einen Wagen mit Langholz. In der Prämierung für "Wagen und Gruppen" brachte ihm das den zweiten Platz ein. Archivfoto: Peter Lindau
  • Seine Pferde waren das Leben von Xaver Egetemeyr. Archivfoto: Cornelia Kaufhold 2/2
    Seine Pferde waren das Leben von Xaver Egetemeyr. Archivfoto: Cornelia Kaufhold
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"Wie eine Säule, ein Fels in der Brandung, durch nichts zu erschüttern" - so beschreibt Dr. Hagen Nowottny das Bild, das sich ihm tief eingeprägt hat: Xaver Egetemeyr mit seinem Sechserzug Norikerpferde vorm Langholzwagen beim Gaildorfer Pferdemarkt - "stehend darauf Xaver mit der Peitsche schnalzend". Der Freund habe sich nicht festhalten müssen, ein Mann wie Baum, ein bodenständiger Kerl, erinnert sich der Eschacher Tierarzt voll Trauer. Der umtriebige Nowottny ist untrennbar mit dem Gaildorfer Pferdemarkt verbunden - genau wie Xaver Egetemeyr es war. 2012 gab es zum ersten Mal einen Anstecker zum Pferdemarkt - mit dem Konterfei Nowottnys. Im Jahr darauf zierte Egetemeyr samt eines Noriker-Kaltbluts den Button - eine Ehre und ein Zeichen der hohen Wertschätzung für den Bühlertanner. Ob beim Fuhrmannstag oder beim Umzug - Xaver Egetemeyr war immer eine prägende Persönlichkeit des Gaildorfer Pferdemarkts und dessen Symbol. Und nicht nur dort. Egetemeyr war seit vielen Jahren ehrenamtlicher Mitarbeiter im Hohenloher Freilandmuseum Wackershofen, wo man nun um den "Museumsfuhrmann" trauert. Er hat Gäste im Planwagen übers Gelände chauffiert und war von Anfang an beim Pferdetag mit dabei, hat ihn mit aufgezogen, seine Pferde vor Gabelwender und römische Kampfwagen gespannt.

Geboren wurde Xaver Egetemeyr am 14. August 1946 in Bühlertann, er war das älteste von fünf Kindern. In Bühlertann ging er zur Schule, absolvierte danach eine Lehre zum Landwirt. Von seinem 18. Lebensjahr an arbeitete er im Wald, meist mit seinen Pferden: "Im März 1959 hab ich mein erstes Holz gerückt, mit meinem Vater", erzählte er einst - damals mit Württemberger Warmblut.

Wenn Egetemeyr nach seinen Pferden gefragt wurde, leuchteten seine Augen. Er hat die Noriker aus Österreich ins Hällische geholt. 1984 begann er mit der Zucht aus der Nero-Linie. Längst sind die Tiere aus Egetemeyrs Stall bei vielen Turnieren am Start und bei vielen Veranstaltungen zwischen Brandenburg und Bad Tölz zu bewundern. Sein Neffe Michael gehört zu den besten Fahrern im Land. Von kleinauf ging er mit dem Onkel zum Holzrücken - und er hat von ihm die Liebe zu den Norikern gelernt.

1975 hat Xaver Egetemeyr geheiratet, seine Frau starb, als sie 44 Jahre alt war. Seine Tochter Sandra hat zwei Enkelkinder. Seit 17 Jahren stand dem Bühlertanner auch seine Lebensgefährtin Hannelore Riexinger zur Seite.

"Xaver lebte für seine Pferde, er lebte, um mit Pferden arbeiten zu können", sagt Hagen Nowottny und erinnert sich, wie er noch im Mai mit Egetemeyr den Pferdetag in Wackershofen erlebte. Der Bühlertanner war für Pferdezüchter und Fuhrleute ein Vorbild.

Das prächtige Zaumzeug aus speziell gegerbtem Rindsleder fertigte Egetemeyr für seine Pferde selbst. Er hatte es nie gelernt, entwickelte aber im Laufe der Zeit die Fingerfertigkeit eines Sattlers. Die besonders schönen Geschirre für die Blutritte seien ihm fast heilig gewesen, berichtet seine Lebensgefährtin Hannelore Riexinger. Wo Kaltblutpferde waren, fühlte sich Egetemeyr zuhause, erzählt Nowottny: Rosstag in Bartholomä, Kinderzeche in Dinkelsbühl, Volksfest in Crailsheim, Bietigheimer Pferdemarkt oder landwirtschaftliches Fest in Seifertshofen. Die Noriker des Bühlertanners sind auch beim Film gefragt - sei es beim Streifen über Margarete Steiff, in der Hesse-Verfilmung "Die Heimkehr" oder im Film über Carl und Berta Benz. Egetemeyrs Pferde bringen die für Dreharbeiten nötige Ruhe mit, und sie hören aufs Wort.

Nun ist die Stimme, die ihnen so vertraut war, für immer verstummt. "Das Laub, das jetzt fällt, das nimmt mich mit", habe Egetemeyr kurze Zeit vor seinem Tod gesagt, erzählt Hannelore Riexinger. Dabei hatte er im Frühjahr und Sommer nach einer Leukämie-Diagnose so tapfer gekämpft - zunächst erfolgreich. Doch der besiegt geglaubte Blutkrebs kehrte nach zweieinhalb Monaten aggressiv zurück. Egetemeyr spürte, dass es zu Ende geht, wollte die letzten Dinge regeln, und wünschte sich, von seinem Neffen Michael mit dem Vierspänner, dem Leichenwagen und zwei Standarten zum Friedhof gefahren zu werden.

So zog sich am Donnerstag ein würdevolles Trauergeleit durch Bühlertann. Die letzte Ehre für einen "Pferdemann von altem Schrot und Korn", sagt Hagen Nowottny. Xaver Egetemeyr wurde auch auf seinem letzten Weg von seinen geliebten Pferden begleitet.

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