Nachruf: Großes Herz für Blumen und d'Leut

Ob als umtriebiger Florist und Gärtner, als Motor des Seniorenkreises oder als Sänger im Verein: Ernst Trumpp war kocherauf- und -abwärts bekannt. Am Montag ist der Enslinger im Alter von 85 Jahren gestorben.

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Wo es grünt und blüht, wie hier bei seinen Blumen im Gewächshaus, war Ernst Trumpp am liebsten. Archivfoto: Corinna Janßen

Blumentöpfe vor dem Haus, üppiges Grün an den Fenstern, im Garten blühen Astern - bei Ernst Trumpp im Blumenweg in Enslingen haben Pflanzen schon immer eine wichtige Rolle gespielt. Landauf landab war er als leidenschaftlicher Gärtner bekannt - ein Original im Kochertal. Wann immer es ging, schaffte er im Garten. Aber es fiel ihm in letzter Zeit immer schwerer. Im Sommer sei es ihm sehr schlecht gegangen, erzählt seine Frau Elfriede. Aber Ernst Trumpp konnte sich ein wenig erholen, er wollte wieder in seinen Garten, dort an Stauden schneiden, Wege zwischen den Beeten sauber machen - auch wenn er sich nicht mehr bücken konnte. Im Garten gibts immer etwas zu tun, Trumpp hat das verinnerlicht. Auch am Montagnachmittag schaffte er wieder in seinem geliebten Garten - es war das letzte Mal. "Sein Wunsch war es immer, im Garten zu sterben", erzählt Elfriede Trumpp traurig. Dieser Wunsch hat sich ihm erfüllt.

So rege Ernst Trumpp in seinem Garten war, so umtriebig war er auch als Haller Geschäftsmann, als Sänger und zeitweise Vorsitzender des Enslinger Gesangvereins oder als langjähriger Leiter des Seniorenkreises Untermünkheim - eine echte Persönlichkeit, sagt Bürgermeister Christoph Maschke. Ernst Trumpp wurde am 7. März 1929 in Enslingen geboren. Schon als Kind habe er sich für Blumen begeistern können, erzählte er. In Hall erlernte das Gärtnerhandwerk. Sein Traum sei einst gewesen, einmal nach Holland zu gehen - aber nach dem Krieg bekam er keine Erlaubnis dafür. Während der Lehre arbeitete er bei der Gärtnerei Haux, später wechselte er in den Betrieb des Grafen von Westerholt. Die Kundschaft auf dem Haller Wochenmarkte ermutigte ihn schließlich, ein eigenes Geschäft zu eröffnen. 1952 war es soweit: Trumpp eröffnete einen eigenen Laden in der Gelbinger Gasse. Sechsmal ist er mit dem Geschäft umgezogen, zuletzt hatte er im Kornhaus seinen festen Platz. 47 Jahre lang waren die Kunden im Trumppschen Blumenladen ein- und ausgegangen. Alte, Junge, Prominente, Normalos, Einheimische und Fremde - Trumpp war stets aufgeschlossen und hat sie freundlich bedient. Und er hat allerhand mit seinen geschätzten Kunden erlebt. Einmal erzählte er, wie ihm kurz vor Weihnachten im Geschäft bei einem herzhaften Biss in ein Nussplätzchen ein Stiftzahn abbrach und sich zwischen Blumen und Tannenreisig verlor. Gleich danach erschien eine Zahnärztin im Laden, die nach einigem Suchen den Zahn fand und ihn provisorisch wieder anklebte - Weihnachten war gerettet.

Ernst Trumpp hatte viele nette Anekdoten auf Lager. Von 1999 an war der Enslinger im Ruhestand, kümmerte sich fortan vor allem um den heimischen Garten. Aber immer wieder hat er auch ein wehmütig an seinen Laden zurückgedacht, vom "Heimweh nach der Kundschaft" gesprochen, "der Kontakt zu den Menschen fehlt mir".

Doch als umtriebiger Vereinsmensch wurde dem Vater von drei Söhnen und zweifachen Großvater auch nie langweilig: "Vereine waren mir immer wichtig, das war meine Freizeit", sagte Ernst Trumpp Sehr am Herzen lag ihm der Gesangverein, 60 Jahre lang hat er mitgesungen. Zeitweise war Trumpp in 20 Vereinen Mitglied - vom Verein Alt Hall über verschiedene Sportvereine bis zu den Kleintierzüchtern und dem Modellflugclub Untermünkheim. Urkunden und Auszeichnungen an der Wohnzimmerwand waren Zeugen seines unermüdlichen Engagements. 1992 ist er vom Land Baden-Württemberg mit der Landesehrennadel ausgezeichnet worden.

Wenn sich der Gesamtseniorenkreis Untermünkheim-Enslingen auf große Fahrt begab, war meist Ernst Trumpp federführend. Bis Anfang 2013 leitete er mit großem Einsatz den Seniorenkreis. Mit Hartnäckigkeit und charmanter Schlitzohrigkeit hat er manchen Sponsor für seine Aktionen aufgetan. Er plante die regelmäßigen Treffs, organisierte ungezählte Ausflüge und Besichtigungen: Spielkasino in Baden-Baden, Landtag in Stuttgart, Lüneburger Heide, Schapbachhof, Walldürn oder Österreich waren nur einige Ziele. Die Senioren sind mit Trumpp weit herumgekommen: "Ich habs immer sehr gern gemacht - auch wenn ich mich manchmal halbtot geärgert habe", erzählte er schmunzelnd und spielte auf Situationen an, als das Organisieren auch mal Mühle machte. Und über Pannen - zum Beispiel als er selbst fast auf der Fraueninsel im Chiemsee vergessen wurde - konnte er herzlich lachen.

"Er hat sich enorm reingehängt und viele Gedanken gemacht", erinnert sich Bürgermeister Maschke an das zugewandte und zupackendes Wesen des Enslingers. Früher sei Trumpp die geplanten Touren vorher abgefahren - "er wollte vorbereitet sein". Und dem Seniorenkreis-Chef sei es immer wichtig gewesen, ein rundes Programm mit Unterhaltung und Referenten anzubieten. Natürlich hatte sich Trumpp viele Jahre bei der Weihnachtsfeier der Senioren um den Blumenschmuck gekümmert. Noch mit über 80 Jahren habe er die Glückwunschsträuße für die Enslinger Jubilarinnen gebunden, berichtet Maschke. Ihm habe sich Trumpps besondere Art eingeprägt, "ganz unbefangen auf die Leute zuzugehen". Im Frühjahr ist Trumpp von der Gemeinde für sein besonderes ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet worden. Das Kochertal ist nun um ein liebenswertes Original ärmer geworden.

Info Die Beerdigung mit anschließender Trauerfeier für Ernst Trumpp beginnt morgen, Freitag, um 13 Uhr auf dem Friedhof in Enslingen.

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