Muswiesen-Einblicke (4): Uralter Turm beim Festplatz kommt zu neuen Ehren

Dem historischen Verein "Bebenburger" aus Rot am See ist es zu verdanken, dass ein uralter Begleiter der Muswiese nicht vor die Hunde geht: der Rohrturm bei Musdorf, einst Zollstation der Rothenburger.

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  • Ein Zeichen der Rothenburger Macht: Der Rohrturm bei Musdorf diente als Zollstation und wurde am Kriegsende 1945 fast völlig zerstört. Privatfoto 1/3
    Ein Zeichen der Rothenburger Macht: Der Rohrturm bei Musdorf diente als Zollstation und wurde am Kriegsende 1945 fast völlig zerstört. Privatfoto
  • Vor dem Turmstumpf: Helmut Heberlein (links) und Horst Herzig, Vorsitzender der "Bebenburger". Archivfoto 2/3
    Vor dem Turmstumpf: Helmut Heberlein (links) und Horst Herzig, Vorsitzender der "Bebenburger". Archivfoto
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Die Muswiese steckt voller Geschichten und Geschichte. Schon anno 1434 taucht der höchstwahrscheinlich noch sehr viel ältere Jahrmarkt erstmals schriftlich auf einer Urkunde aus dem Nebel der Geschichte auf.

Und nur ein Jahr später errichtet der Stadtstaat Rothenburg als Zeichen seiner Macht nur ein paar Steinwürfe von Musdorf entfernt den Rohrturm - weithin sichtbare Zoll- und Grenzstation an der Landhege, die ab 1430 das Rothenburger Gebiet mit Wall und Graben vor Strauchdieben und beutegierigen Raubrittern sicherte und hier bei Musdorf ihren westlichsten Punkt erreichte.

Aber nicht nur die Rothenburger hielten einst rings um das lukrative Musdorf die Hand auf, wenn die Händler auf den Markt zogen: An fünf weiteren Zollstationen (am Breitlohsee, an der "Schwarzen Mühle", beim damals noch existierenden Roter See und bei Limbach) kassierten die jeweiligen Landesherren die aus allen Himmelsrichtungen anreisenden Marketender und Handwerker kräftig ab.

Der Rohrturm blieb als einziger steinerner Zeuge übrig und hat auch alle Stürme der Zeit heil überstanden - bis auf den Zweiten Weltkrieg: Am 18. April 1945 schossen Panzer der US-Armee den dreigeschossigen Fachwerk-Turm in Klumpen. Die kläglichen Reste zerstörte dann im Februar 1946 kurz vor dem geplanten Wiederaufbau der monsunartige Regen eines Unwetters - fortan fiel der um zwei Stockwerke gekappte Turmstumpf in einen Dornröschenschlaf und diente nur noch als Heimstatt für das Borstenvieh des benachbarten Bauernhofes.

Fast 70 Jahre lang führte der Rohrturm ein weithin unbekanntes Dasein im Schatten der Muswiese, bis der historische Verein "Bebenburger" aus Rot am See das uralte Kulturdenkmal unter seine Fittiche nahm: Zum symbolischen Preis von einem Euro verkaufte im Mai 2014 der Landwirt Helmut Heberlein den noch mit originalen Rothenburger Wappen versehenen Turm an den Verein.

Die "Bebenburger" wollen das marode Mauerwerk sowie das Dach sanieren und in dem historischen Kleinod ein kleines Museum zur Geschichte der Rothenburger Landhege und natürlich zur Muswiese einrichten. Das Landesdenkmalamt in Stuttgart hat das Vorhaben der "Bebenburger" mittlerweile genehmigt.

Und wer heuer ein wenig Ruhe vor dem Rummel auf der Muswiese sucht, dem sei ein kurzer Spaziergang zum altehrwürdigen Rohrturm empfohlen, der gleich hinter dem Kiesplatz an der Straße nach Hilgartshausen steht.

Info-Hefte im Gewerbezelt

Banner informieren am Rohrturm über die Aktivitäten des historischen Vereins "Bebenburger", der mittlerweile 130 Mitglieder in seinen Reihen hat. Bisher sind drei Info-Hefte erschienen, die am Gemeindestand im Gewerbezelt erhältlich sind.

HT

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