Musik vertreibt Melancholie

Nach vier Tagen Non-Stop-Programm durch Bühlertann ist die polnische Delegation am Samstag wieder abgereist. Ein Besuch mit Wirkung: Verschiedene Bühlertanner wollen bei der nächsten Reise dabei sein.

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Premiere für den polnischen Bürgermeister Mieczyslaw Barton. Nach drei Schlägen sitzt der Zapfhahn im Bierfass; rechts Amtskollege Michael Dambacher. Foto: ars

Der volkstümlich-bayrische Abend des Musikvereins am Samstag war der letzte Programmpunkt der polnischen Delegation in Bühlertann. Zehn Minuten wartete Dirigent Richard Beißer, dann eröffnete er mit dem Tiroler Schützenmarsch - ohne die Ehrengäste. Die packten ihre Koffer. Denn vom Konzert aus gings direkt zurück nach Skierbieszów.

Aber sie trafen doch noch ein. Sonst hätte Klarinettist Oliver Häckh seine in polnische Begrüßung umsonst gelernt. "Szanowni Panstwo", begann er - "sehr geehrte Damen und Herren." Bürgermeister Mieczyslaw Barton freute sich. Eifriges Kopfnicken signalisierte Verständnis. Und er verstand, dass er ein 50-Liter-Bierfass anstechen sollte. Das hat er zwar noch nie getan, aber er war auch noch nie in Bühlertann. In seiner Heimat, der Provinz Lublin, sei der Anstichbrauch nicht verbreitet. Bier schon, da sind die Polen den Deutschen ganz ähnlich. Die großen Brauerein liegen aber im Süden Polens in der Provinz Schlesien.

Amtskollege Michael Dambacher zeigt wie man den Zapfhahn halten muss und mit dem Hammer zuschlagen. Barton atmet tief durch und schlägt zu. Eins, zwei, drei, dann sitzt der Hahn schon ganz manierlich und das Bier fließt. Wolfgang Rieder füllt die Bierkrüge und Richard Beißer verkündet "Freibier für alle"

Selbst auf der Bühne in der kleinen Bühlertalhalle wurde aufgestuhlt. Schnell spielt der Musikverein das Publikum in Fahrt. Es wird geschunkelt und geklatscht. Die Weißwürste vor Bürgermeister Barton werden kalt. "Schmeckt trotzdem", sagt er lachend und zuzzelt das Brät geschickt aus der Haut. Darin hat er Erfahrung: "In Polen gehört die Weißwurst auf den Ostertisch."

Und Volksmusik? Gibt es auch. Es ist Bartons favorisierte Musikrichtung. Dafür hole er manchmal über Satellit die deutschen Sender auf seinen Fernsehschirm: "Aber live, hier, ist noch viel besser." Als Jugendlicher hat er Akkordeon gelernt. Heute spiele er nur noch Mundharmonika. "Ich spiele, wenn ich traurig bin", sagt er und lacht.

Der Abschied naht. Als Schlagzeuger Volker Kaiser, Trompeter Robert Schirle und Flügelhornist Roland Schmid einen Baumstamm samt Säge und Axt durch den Saal tragen um die Polka "Die lustigen Holzhackerbuam" auch optisch zu untermalen, hält Barton nichts mehr auf seinem Stuhl. Er steht auf und klatscht in die Hände. Beim letzten Marsch, den "Alten Kameraden", gibt Beißer sein Dirigentenamt an die beiden Bürgermeister ab. Und die dirigieren Arm in Arm - wie ein Ehepaar. Dabei ist die Hochzeit erst zwei Tage her. Nicht nur die Bürgermeister sind sich näher gekommen, auch die Bevölkerung. Familie Zipperer von der Tannenburg hat bereits angemeldet, die nächste Reise nach Skierbieszów begleiten zu wollen.

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