Musik ist sein Lebenselixier

Karl Müller ist nicht nur ein profunder Kenner der Michelbacher Ortsgeschichte, wie seine Vortragsreihe belegt, sondern auch ein leidenschaftlicher Musiker, der vielen Menschen den Zugang zur Musik eröffnet hat.

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  • Karl Müller hat viel bewegt in seinem Leben. Sein Herzblut gehört bis heute der Musik. Zudem ist er ein leidenschaftlicher Jäger. Foto: Hartmut Volk 1/2
    Karl Müller hat viel bewegt in seinem Leben. Sein Herzblut gehört bis heute der Musik. Zudem ist er ein leidenschaftlicher Jäger. Foto: Hartmut Volk
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Der Besuch bei seiner Tante in Honhardt vor 70 Jahren sollte weichenstellend für den weiteren Lebensweg des ehemaligen Michelbacher Bürgermeisters werden: Sie besaß ein Harmonium, das sie nie benutzte und das sie dem 14-jährigen Karl schenken wollte, wenn er das Spiel darauf erlernen würde. Fortan nahm Karl Müller Klavierstunden und Orgelunterricht in der Kirchberger Stadtkirche, so dass er schon im Frühjahr 1946 den Organistendienst in seinem Heimatdorf Hornberg antreten konnte. Im selben Jahr gründete er als 17-jähriger Landwirtschaftslehrling den Hornberger Frauenchor, den er bis März 1949 leitete, und trat als Tenorhornbläser in den Kirchberger Posaunenchor ein. Bald wurde sein Talent vom Landesposaunenwart Mühleisen entdeckt, der ihn als Trompeter in den Schwäbischen Posaunendienst berief, das Rundfunkensemble des württembergischen Posaunendiensts.

Karl Müllers musikalische Ambitionen und Talente waren in der Region bekannt und gefragt: Sei es als Organist, zunächst in Kirchberg, später in Gaggstatt und in Hengstfeld, oder vor allem als Chorleiter der Gesangvereine in Kirchberg, Hengstfeld, Wallhausen und Michelbach/Gailroth. Einmal im Monat versammelte er seine vier Chöre zu einer gemeinsamen Probe für Konzertauftritte, die die "Müller-Chöre" weit über die heimatlichen Grenzen hinaus bekannt machten. "Die Leitung der Chorgemeinschaft war der Höhepunkt meines Schaffens", berichtet der rüstige 84-Jährige. 140 Sängerinnen und Sänger nebst einem kleinen Begleitorchester hat er bis 1993 dirigiert, war mit ihnen zu Konzerten in ganz Deutschland eingeladen. Ihre Musik war in Rundfunk- und Plattenaufnahmen zu hören.

"Musik hat mir überall die Türen geöffnet", erzählt der Agraringenieur und Bürgermeister im Unruhestand. Auch die zum Michelbacher Rathaus: "Eines Tages standen ein paar Gemeinderäte bei mir auf dem Hof und fragten an, ob ich mich nicht als Bürgermeister bewerben wolle." Karl Müller sagte zu und wurde am 1. März 1966 zum Schultes der Landwehrgemeinde gewählt. Da es keine Vollzeitstelle war, blieb genug Zeit für die Musik, und neben seinen Chordiensten gründete Karl Müller 1970 den Jugendmusikverein Michelbach/Hengstfeld, den er bis zu seinem Ruhestand 1993 als Dirigent und Musiklehrer leitete. Bis zu 240 Musikschüler hat er zeitweise unterrichtet. Zuvor nahm er selbst auf Wochenendlehrgängen am Trossinger Hohner-Konservatorium Akkordeonunterricht, um seine Kenntnisse an seine über 100 Akkordeonschüler, verteilt auf drei Orchester, weitergeben zu können. 1986 gründete er überdies den Michelbacher Kinderchor.

Karl Müller ist ein musikalisches Ausnahmetalent. 15 Instrumente kann er spielen - eigentlich alle Tasten-, Holz- und Blechblasinstrumente. Die Musik war sein tägliches Metier während seiner Bürgermeister- und Ortsvorsteher-Tätigkeit in Michelbach: "Vormittags war ich im Rathaus, nachmittags habe ich Musikschüler unterrichtet und abends meine Chöre dirigiert", schildert Müller seinen Tagesablauf. In den frühen Morgenstunden nahm er sich zudem Zeit für seine zweite Leidenschaft, die Jagd. Die Wände in seinem Michelbacher Haus zeugen davon mit einer Fülle an Trophäen und Präparaten von Wildtieren, die er viele Jahre auch pädagogisch eingesetzt hat: Sein Angebot "Mit dem Jäger unterwegs" beim Kirchberger Sommerferienprogramm war jahrelang bei den Kleinen sehr beliebt.

Ein liebgewordenes "Kind" des Musikers ist auch die Blaskapelle Kirchberg. 1978 hat er den Verein aus dem Jugendmusikverein heraus gegründet, bis 1993 hat er ihn dirigiert, bevor er den Taktstock an seinen Schüler und Nachfolger Thomas Blumenstock weitergab. Als Saxofonist hält Müller dem Verein bis heute die Treue.

Nach seinem Eintritt in den Ruhestand gab er auch seine 45 Jahre währende Chorleitertätigkeit auf. Bald darauf gründete er die Michelbacher Musikschule und unterrichtete dort bis 2000. Auch die Leitung des Michelbacher Männerdoppelquartetts hat er bis heute inne. "Solange ich lebe, muss ich Musik machen", sagt der fünffache Urgroßvater, den es freut, dass seine beiden Kinder und acht Enkel allesamt auch musikalisch aktiv sind.

In den letzten Jahren hat sich Karl Müllers Engagement vor allem auf die Heimatforschung gerichtet. Als Bürgermeister und Ortsvorsteher hat er viele historische Dokumente über die Michelbacher Ortsgeschichte gesammelt, die er im vergangenen Jahr in einer fünfbändigen Chronik der Öffentlichkeit vorstellte. Neben seinen vielen Foto- und Filmaufnahmen, die das Geschehen im Dorf festhielten, bildet sie das Herzstück des Ortsarchivs im neuen Michelbacher Bürgerhaus. Auch mit der Geschichte der Michelbacher Juden hat sich der ehemalige Bürgermeister, der sich für den Erhalt der Synagoge stark machte, intensiv beschäftigt und steht bis heute für Führungen zur Verfügung.

Info Morgen um 19 Uhr stellt Karl Müller im Bürgersaal im Michelbacher Bürgerhaus "Sitte und Brauchtum um 1900 in Michelbach" vor. Am Donnerstag, 18. April, zeigt er "Michelbach von einst bis jetzt in Bildern". Der Eintritt ist frei, Getränke werden angeboten.

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