Museums- und Kulturverein eröffnet Ausstellung "Unser Kamerun" in Kirchberg

Masken, Waffen, Musikinstrumente, Kult- und Alltagsgegenstände aus dem kolonialen Kamerun werden im Sandelschen Museum gezeigt: "Unser Kamerun" heißt die neue Sonderausstellung in Kirchberg.

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Ausstellungseröffnung im Sandelschen Museum in Kirchberg: Jürgen Jakob umrahmt die Vernissage mit Liedern und Klängen von traditionellen westafrikanischen Instrumenten.  Foto: 

"Wir möchten keine territorialen Ansprüche auf einen zentralafrikanischen Staat richten", stellte Bürgermeister Stefan Ohr in Anspielung auf den Ausstellungstitel scherzhaft klar. Die Besitzansprüche stammen vom Ende des 19. Jahrhunderts, als Kaiser Wilhelm II. für das Reich auch "einen Platz an der Sonne" forderte. In der Phase des Hochimperialismus gelangte Kamerun 1884 unter deutsche "Schutzherrschaft", die sich durch viele Eroberungs- und Unterwerfungsfeldzüge vom Äquator bis in die Sahel-Zone ausdehnte.

1909 trat ein Hornberger Offizier in die Schutztruppe für Kamerun ein, der sich zuvor bereits als Haudegen gegen den "Boxer-Aufstand" in China, sowie gegen die Völkerfamilie der Khoi Khoi in "Deutsch-Südwest" einen Namen gemacht hatte: Baron Kurt von Crailsheim-Rügland, der 1955 in Hornberg verstarb. Seine Sammlungen an Jagdtrophäen, Waffen, Reitgeschirren und Alltagsgegenständen aus dem kolonialen Nordkamerun hat seine Witwe Isa dem Kirchberger Museum vermacht. Ein Teil davon ist in der Dauerausstellung im Stiftungszimmer des Museums zu sehen. Vieles lagerte im Depot und wird jetzt erstmals der Öffentlichkeit gezeigt.

Ein Vorgänger Baron Kurts im Amt des Residenten von Adamaua war Kurt Strümpell. Dieser verbrachte seine letzten Lebensjahre auf Einladung des Barons ebenfalls in Hornberg, wo er 1947 auch beigesetzt wurde. Im Nordkameruner Hochland hat Strümpell mit seinen Truppen nicht nur die "Heidenstämme" unterworfen, sondern auch deren Geschichte und Alltagskultur erforscht und darüber publiziert. Seine "Geschichte Adamauas nach mündlichen Überlieferungen" von 1912 gilt in der Fachliteratur bis heute als Standardwerk. Überdies hat er verschiedene deutsche Völkerkundemuseen mit Sammlungen bedacht.

Bei der Ausstellungseröffnung in Kirchberg begrüßte Friedrich König, Vorsitzender des Museums- und Kulturvereins, auch zwei Enkel von Kurt Strümpell, die sich noch gut an ihre Besuche bei den Großeltern im Hornberger Schloss erinnern: Dr. Detlef Strümpell aus Mainz und seinen Bruder Harald, der als Rechtsanwalt in Berlin lebt.

Ein weiterer Kamerun-Sammler aus der Region war der 1878 in Leukershausen geborene Pfarrersohn Ludwig Hofmann, der von 1905 bis 1910 als Missionskaufmann für die Basler Mission in Kamerun unterwegs war. Seine Sammlung kam über seinen Bruder, der Pfarrer in Löchgau war, an die dortige Gemeindeverwaltung, die den Kirchbergern einiges daraus zur Verfügung stellte.

Ebenfalls für die Basler Mission war 60 Jahre später der Öhringer Schuldekan Ernst Schmidt als Schulmanager in Kamerun tätig. Er berichtet, dass viele Eltern das Schulgeld für ihre Kinder mit Kaffeebohnen bezahlten. Seine Frau Elisabeth betreibt gemeinsam mit anderen Frauen den Öhringer Weltladen, der auch den Hochland-Kaffee aus Kamerun im Angebot hat. Der Kaffee ist über die Dauer der Ausstellung im Kirchberger Museum erhältlich.

Die Exponate aus der Kameruner Alltagskultur um die vorletzte Jahrhundertwende verbindet zweierlei: Sie stammen allesamt von Sammlern aus der Region, die von Land und Leuten und deren handwerklicher Kunstfertigkeit fasziniert waren. Die Umstände freilich, unter denen sie nach Deutschland gelangten, will Friedrich König nicht kommentieren: "Deutschland hat dort eine gewisse Zeitlang mitgemischt. Die Beurteilung der Kolonialherrschaft ist Sache der Kameruner." Die Ausstellung wird ergänzt mit Foto-Impressionen der Kirchberger Studentin Clara Denkler aus dem heutigen Kamerun.

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