Mitten im Nachkriegselend haben sie sich gefunden

Schiefe Blicke, gerümpfte Nasen - Michael und Anna Unger waren als Paar nicht gern gesehen im Gründelhardt der Nachkriegszeit. Doch ihre Liebe hielt stand. Heute feiert das Paar seine diamantene Hochzeit.

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Besuchen am Sonntag ihre Familie in Michael Ungers Heimat an der ungarisch-österreichischen Grenze: Anna und Michael Unger. Foto: Kerstin Schellhorn

Es lebte sich gewiss nicht leicht im Deutschland der Nachkriegszeit. Chaotische Verhältnisse, wenige materielle Freuden - eine Zeit des Umbruchs eben, in der viele wieder von vorne anfangen mussten. So erging es auch Michael Unger und Anna Glück: Er ein ungarndeutscher Flüchtling auf der Suche nach seinen vertriebenen Eltern, sie eine geborene Gründelhardterin. Doch mitten im Elend fanden die beiden zueinander, heirateten und wurden glücklich.

Heute feiern sie ihre diamantene Hochzeit: "Wenn man schon mal solch ein Alter erreicht, muss man es auch feiern", sagt Anna Unger und strahlt. Zwar ist es mit 81 nicht mehr ganz so leicht, eine große Feier mit 25 Gästen durchzuhalten, aber das scheint ihrer Freude keinen Abbruch zu tun. Drei Kinder, neun Enkel und zwei Urenkel hat das Paar. Am Samstag wird sich die ganze Familie, die zum Teil aus Österreich anreist, in der Gründelhardter "Spange" wiedersehen.

Kennengelernt hatten sich Anna und Michael Unger 1949 auf einem Maitanz im Dorf, aber auch schon davor waren sich die beiden nicht unbekannt. Michael Unger arbeitete auf einem Bauernhof und kam jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit an Anna Glücks Elternhaus vorbei, wo sie sich öfters schon gesehen hatten. Eigentlich hatte er seine Eltern, die nach Vorderuhlberg vertrieben worden waren, wieder nach Hause in das an der österreichischen Grenze zu Ungarn gelegene Halbturn holen wollen. Doch ohne Papiere durfte er das Land nicht mehr verlassen und musste auf dem Bauernhof ein Pflichtjahr ableisten.

Dass Michael Unger sich in eine Einheimische verliebte, war eine Sensation. "Flüchtlinge, die noch dazu Bauernarbeit verrichteten, waren damals verhasst", erinnert sich Anna Unger. Nichtsdestotrotz bekamen die beiden ihre erste Tochter und heirateten zwei Jahre später. Heute sagt Michael Unger: "Wir haben ein gutes Leben geführt, uns fehlt es an nichts."

Das HOHENLOHER TAGBLATT wünscht den Jubilaren eine schöne Feier und alles Gute für die Zukunft.

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