Mit viel Sinn für Groove

Winfried Burr und Siegfried Klaiber hinterließen im gut gefüllten Bürgerhaus von Rot am See mit ihrem Programm von Blues über Bluegrass bis zu Pop- und Rockeinlagen ein restlos begeistertes Publikum.

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Winfried Burr (links) spielt Geige, Siegfried Klaiber Gitarre.  Foto: 

Gleich mit ihrem im Nachhinein als "Hohenloher Variationen" bezeichneten Eröffnungsstück machte das Duo deutlich, in welche Richtung es an diesem Abend gehen würde. Winfried Burr spielte auf seiner elektronisch abgenommenen Violine, mit viel Nachhall versehen, sehr gefühlsbetont, aber auch mit Sinn fürs Erzählerische und bisweilen bis zur körperlich angreifenden Leidenschaft. Siegfried Klaiber war auf der Gitarre mehr für die Feinheiten zuständig - und fürs Virtuose.

Das zeigte er auch solistisch, etwa mit den "Dueling Banjos" von Arthur "Guitar Boogie" Smith. Wunderbar virtuos stellte Klaiber das Bluegrass-Stück sowohl in seiner Gegenüberstellung der Stimmen als auch mit Blick auf Fingerfertigkeit vor. Ein anderes Solostück war später ein Schlager von 1932: "Du Du De Du Ba" mit Klaiber auch als Sänger und Könner. Denn beim Lachrefrain war Disziplin gefragt.

Auch Winfried Burr vermochte als Sänger zu glänzen. Mit kraftvoll aufgerauter Bluesstimme erkundete er Lebenswertes mit "Des isch für mi Lebe" oder übte Kritik an der Welt mit "SBüable". Das 30 Jahre zuvor unter dem Eindruck des GAUs in Tschernobyl geschriebene Stück hat nicht an Aussagekraft verloren, ging es doch schon damals um "Rüstungswahnsinn" und das Vergiften der Welt. Ein wenig Vergangenheitsbewältigung war die Swing-Version von "Im Frühtau zu Berge". Das konnte recht ausgelassen klingen, kam aber nicht an das leicht abgefahrene "Hey Joe" von Billy Roberts heran.

Burr und Klaiber boten in ihrer ersten von zwei Zugaben besten Rock, der stimmlich wie instrumental die Zuhörer packte. Burrs Violinchorus quoll vor "Hot Intonation" über. Nur der "Baisn Dais"-Blues bot zuvor Vergleichbares. Siegfried Klaiber schweifte bei dem groovenden Stück mit Augenzwinkern auch mal Richtung "Harry Lime Theme" von Anton Karas aus dem Film "Der dritte Mann" ab.

Später wurde das zum nicht minder groovenden "Kingse Little Village Blues" über ein Dorf auf der Schwäbischen Alb in eine andere Richtung geleitet: zu Henry Mancinis "Peter Gunn Theme". Groove bestimmte auch die Coverversion von Bill Withers Popsong "Aint No Sunshine", den vor allem Burrs Violinchorus zum Erlebnis werden ließ.

Am Ende des Konzerts war ein anderer Popsong zentral: John Lennons "Imagine" für Frieden auf der Welt. Da hätte man sich ein wenig mehr Zurückhaltung in der stark emotionalen Ausdrucksweise von Winfried Burr gewünscht, weil es der Schlichtheit, aber umso größeren Wirkung des Liedes entgegengekommen wäre.

Gegen Waffenlieferungen sprach sich das Duo am Schluss mit ihrem "Naher Osten - ferner Westen" aus, den Menschen im Irak gewidmet. Siegfried Klaiber verfremdete seine Gitarre klanglich Richtung Sitar, während Winfried Burr seinen Violinpart ins kraftvolle Tönen bis zu rockigen Momenten steigerte.

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