Messer und Maske sind nur erfunden

An einem Sommerabend alarmiert ein damals 17-Jähriger die Polizei und beschreibt zwei maskierte Räuber. Der Jugendliche hatte gelogen. Das Amtsgericht verurteilt ihn wegen Missbrauchs von Notrufen.

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Über den Notruf 110 hat der 18-jährige Angeklagte am Abend des 23. August 2012 die Polizei auf den Plan gerufen. Auf dem Heimweg zu Fuß von einem Ausflug sei er von zwei maskierten Männern bedroht worden. Sie seien mit einem schwarzen Auto gekommen, hätten ein Messer gezogen, Geld und sein Handy gefordert. Als er die Polizei angerufen habe, seien sie ohne Beute geflüchtet.

Mit vier Streifenwagen durchkämmten die Beamten das westliche Kreisgebiet, in dem der gescheiterte Raubüberfall stattgefunden haben soll. Im Zuge der Ermittlungen aber wurde klar: Die ganze Story war erfunden.

Der Plan des jungen Lügners war aufgegangen: Die Polizei hatte ihn im Auto bis nach Hause gebracht. "Das war nach 22 Uhr, da fährt kein Bus mehr", erklärt der 18-Jährige vor dem Haller Jugendgericht. Inzwischen habe er aber eingesehen: "War richtig Scheiße, war richtig Dummheit!"

In seinem Leben hat der Angeklagte schon mehrere Dummheiten begangen. Norbert Liebsch vom Haller Jugendamt weiß, dass der Jugendliche in schwierigen Familienverhältnissen aufgewachsen ist. "Mit Reden ist nichts zu machen", sagt Liebsch in seiner Funktion als Jugendgerichtshelfer. Die Mutter des Angeklagten habe schon lange keinen Einfluss mehr: "Was ihm Unlust bereitet, macht er nicht."

Der 18-Jährige hat bisher keinen Schulabschluss. In einer Haller Bildungseinrichtung ist er derzeit eingeschrieben, aber sein Stand ist unsicher: "Ich stehe kurz vor dem Rausschmiss", bekennt er. Jugendrichterin Katja Kopf appelliert an seine Vernunft: "Wie wollen Sie jemals den Hauptschulabschluss schaffen, wenn Sie ständig schwänzen?", fragt sie. "Keine Ahnung", bekommt sie zur Antwort.

Vor Gericht kennt er sich aus. 2010 war er wegen Bedrohung angeklagt. Er hatte seiner Freundin einen Brief geschickt. Danach bekam diese Angst. Er habe das gar nicht gewollt, meint er. Er habe eigentlich einen Liebesbrief verfassen wollen. Aber sein Freund sei Schuld. Der habe an die Freundin geschrieben: "Du bist tot!" Das Gericht sah den Fall seinerzeit anders und verordnete ihm selbst nicht nur ein soziales Training, sondern auch 25 Stunden gemeinnütziger Arbeit.

Oberamtsanwalt Walter Petschko will ein klares Zeichen setzen. Er fordert einen zweiwöchigen Dauerarrest. Der zur Tatzeit noch 17-Jährige habe nicht nur einen Missbrauch von Notrufen begangen, sondern auch eine Straftat vorgetäuscht. "Da wird eine Geschichte erzählt, da sträuben sich einem die Haare!"

Richterin Katja Kopf lässt es mit einer Woche Dauerarrest bewenden. Er komme wahrscheinlich in die Jugendarrestanstalt Rastatt, erklärt sie dem Angeklagten.

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