Melancholie und Minnesang

Das Ensemble Leones hat auf der Kleincomburg das Publikum mit mittelalterlichem Minnesang des Oswald von Wolkenstein verzaubert und ist mehr als ein halbes Jahrtausend in der Zeit zurückgereist.

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"Das war mal etwas anderes." - "Musik kann so abwechslungsreich sein!" Es sind nicht etwa Besucher eines Rock-Konzertes oder überhaupt Anhänger anderer moderner Musik, die sich am Samstagabend zu einer solchen Aussage hinreißen lassen. Was auf der Kleincomburg geboten wurde, entstammt einer völlig anderen Zeit.

Zwischen 1377 und 1445 verfasste der als "letzter Minnesänger" bezeichnete Oswald von Wolkenstein das Werk, welches das Ensemble Leones bei der Veranstaltung des Hohenloher Kultursommer den Zuhörern präsentiert. Exklusiv sind sowohl das dargebotene Werk als auch die virtuosen Musiker des Ensembles. Die Künstler widmen sich mit dem Programm einem bislang vernachlässigten Kapitel in Oswalds bedeutendem Schaffen, darunter einstimmige Lieder, Kanons wie "Gar wunnichlein", "Nu rue mit sorgen" und "Mit günstlichem herzen" sowie bekannten Erzählgedichten.

Mit dem Ensemble Leones unter der Leitung von Marc Lewon hat der Hohenloher Kultursommer hochkarätige und internationale Spezialisten engagiert.

Dass die Musiker auf historische, speziell mittelalterliche Stile spezialisiert sind, merkt man schon ihrer Erscheinung an. Sängerin Els Janssens trägt ein geflochtenes Band im Haar, Miriam Andersen, die mit Harfe und Gesang erfreut, trägt kaum ein Kleid, eher ein langes schwarzes Gewand, dessen goldenes Muster edel glänzt. Bereits nach den ersten Takten verlässt der Zuhörer das Hier und Jetzt. Er taucht ein in eine Welt längst vergangener Zeiten. Vor seinem geistigen Auge springen Spielleute, tanzen Fräulein, kämpfen tapfere Ritter. Von abstrakten und konkreten Formen der Liebe und des Leids handelt der Minnesang. Das Flehen eines Liebeskranken, Liebesgeständnisse, das melancholisch anmutende Genießen des Augenblicks oder die Berichte eines abenteuerreichen Lebens werden dem Hörer geboten.

Dass die Texte nicht im Geringsten befremden, liegt an der einzigartigen Atmosphäre, die entsteht durch das Zusammenwirken von mittelalterlichen Instrumenten wie einer lieblichen Harfe oder einer Laute, der altdeutschen Sprache, der perfekten Beherrschung dieser durch die Sänger, der Hingabe und Einigkeit der Interpreten mit Textinhalten und nicht zuletzt der Akustik in der Kleincomburg, deren Wände die Musik widerhallen lassen.

Die lebendigste Vorstellung ist die Präsentation des autobiografischen Gedichts "Es fúgt sich" durch den Leiter des Ensembles. In dem Gedicht berichtet Oswald von Wolkenstein von seiner 38-jährigen Reise durch Europa, auf der ihm Liebe, Krieg, Freude und Verlust begegnen. Der mitreißende Gesang Marc Lewons, der seinen Magister in Musikwissenschaften und Altgermanistik in Heidelberg und mit Auszeichnung ein weiteres Studium an der renommierten schweizer Schola Cantorum Basiliensis absolvierte, fasziniert die Zuschauer.

Seiner Begeisterung verleiht das Publikum durch reichlich Applaus Ausdruck.

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