Meine Leibspeise: Am Herd ist Heiko Reinhardt ganz undogmatisch

Der Reubacher Ortsvorsteher und Schweinebauer Heiko Reinhardt liebt einfache Gerichte – wie die Karottenküchle, die ein Stück Kindheit auf den Esstisch zaubern.

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Würze muss sein: Heiko Reinhardt in der Küche seiner WG in Rot am See-Reubach.  Foto: 

Hin und her. Hin und her. Wenn Heiko Reinhardt mit seinem Bulldog über die Äcker rund um Rot am See-Reubach gondelt, hat er viel Zeit. Zeit, um nachzudenken. Zum Beispiel übers Kochen. Dann entstehen vor seinem geistigen Auge Gerichte. Und manchmal werden diese nach Feierabend am Herd zur Realität. So ist zum Beispiel einst die Idee für sein Spargel-Curry geboren worden, dass er seitdem immer wieder macht. Beim HT-Besuch freilich ist die Saison der edlen Stangen vorbei, und Saisonalität ist Reinhardt wichtig. Also ab in den Garten: Karotten holen, Endivien-Salat, Petersilie. Es gibt Karotten-Küchle. Man kann sie gut als Vorspeise essen. Oder man macht ein paar mehr, zaubert noch Salat dazu und hat einen veritablen Hauptgang. Ganz nach Lust und Laune.

Reinhardt ist Schweinebauer. Früher hatte er 3000 Tiere im Stall, gerade reduziert er die Zahl, weil er auf „bio“ umstellt. Eigentlich müsste er doch etwas Fleischliches kochen, oder? Stattdessen schlägt er ein vegetarisches Gericht vor. Warum denn das? „Ehrlich, ich habe keine Ahnung“, sagt er und lacht. „Es gibt Karottenküchle, weil das lecker ist. Ich bin kein Dogmatiker in der Küche.“ Ein Nostalgiker ist Reinhardt vielleicht schon eher, schließlich stammt das Rezept von Mutter Else, schließlich lässt der Geschmack gebratener Karotten-­Schnitze ein Stück Kindheit auferstehen.

Und: „Ich bin halt ein Fan von einfachen Sachen“, sagt der Reubacher Ortsvorsteher. Klar darf in der Küche auch gezaubert, ausprobiert, geschnickschnackt werden. Aber, einfach mal eine Scheibe Blutwurst anbraten: lecker! Einfach mal Griebenschmalz auf ein selbst gebackenes Brot schmieren: lecker! Einfach mal Karotten reiben, binden und in der Pfanne brutzeln: auch lecker!

Niemals zum Discounter

Am besten schmeckt’s Reinhardt, wenn die Zutaten aus eigenem Garten oder eigenem Stall stammen, zu Discountern hingegen geht er nie. Was die machten, sei nämlich „nur unfair gegenüber den Erzeugern“. Reinhardt kann sich da schnell in Rage reden und erinnert sich dann an den „Lasagne-Skandal“ vor ein paar Jahren: Es sei doch schlicht naiv, beste Qualität zu erwarten, und gleichzeitig nichts dafür ausgeben zu wollen. „Es ist wichtig, dass man sich bewusst ernährt“, findet er.

Ja, Essen ist Reinhardt wichtig, „sehr sogar“. Vor Kurzem hat er schick für 60 Euro dinniert und das sei jeden Cent wert gewesen. Ein paar Tage später gab’s dann ein Schnitzel Wiener Art für 8,50 Euro, mit „lätschigen, fettigen Pommes“ – „das habe ich bereut“. Spricht’s – und nimmt schon die Karottenküchle aus der Pfanne. Sie schauen aus wie Kartoffelpuffer, sie schmecken auch ein bisschen so, nur etwas fruchtiger. Dazu gibt’s Endivien-Salat, Kartoffelsalat und ein paar Scheiben Rote Beete. Wer da zubeißt, der bereut es nicht. „Ich würde nie behaupten, dass ich kochen kann“, sagt Reinhardt noch. „Aber ich kann Zutaten so zusammenbauen, dass es schmeckt.“ Stimmt.

Zutaten (für vier Personen als Vorspeise): 400 g Karotten, 1 große Zwiebel, optional eine halbe Knoblauchzehe, 4 Eier, 150 g Käse (je nach Geschmack zum Beispiel Gouda, Parmesan oder ein würziger Bergkäse), 100 g Haferflocken, Pfeffer, Salz, Butter, Öl, Petersilie.

Zubereitung: Karotten grob reiben, Zwiebeln und eventuell Knoblauch fein würfeln. Zusammen in der Pfanne in etwas Butter bei nicht zu großer Hitze andünsten. Mit Salz und Pfeffer würzen. Danach kurz abkühlen lassen. Eier, geriebenen Käse und Haferflocken zugeben, vermischen. Flache Küchle (wie Kartoffelpuffer) formen, in heißem Öl braten. Kann pur mit einem Quark-Dip und mit Petersilie bestreut als Vorspeise gereicht werden. Als Hauptgang empfiehlt Reinhardt dann Fisch oder eine Mehlspeise. sebu

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