MEIN NEUES

Zugegeben, mit 28 Jahren taugt man noch nicht zum Methusalem. Und doch beschleicht mich langsam ein ebenso neues wie ungutes Gefühl: Mit der Jugend ists vorbei. Zu allem Überfluss tanzt diese Erkenntnis in meinem Kopf bisweilen auch noch auf dem morschen Boden des Früher-war-alles-besser.

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Sebastian Unbehauen ist Redakteur beim Hohenloher Tagblatt in Crailsheim. Privatfoto

Bin ich denn wirklich schon so weit? Dafür gibt es zumindest allerhand beängstigende Anzeichen.

Wenn ich heute abends mit meinen Freunden weggehe, dann muss ich zuerst noch zwei Stunden warten, bis die Hütte voll ist. "Die Jugend" zieht es ja vor, erst mitten in der Nacht in die selbige zu starten. Wir schütteln verständnislos unsere Köpfe, auf denen die Geheimräte teils sichtbar ihrem nicht aufzuhaltenden Vorwärtsdrang frönen und wir streicheln über Bauchansätze, die unbarmherzig von zurückliegenden Ausschweifungen erzählen.

Wenn ich einen Buchladen betrete, dann beschleicht mich neuerdings nicht wie einst ein heimeliges Gefühl, sondern die Angst, dass die Welt des raschelnden Blattes dem Untergang geweiht ist. Weil "die Jugend" lieber über einen seelenlosen Bildschirm streicht, als zu blättern. Weil es anscheind immer weniger Menschen gibt, die ihre Nase zwischen Buchdeckel stecken und dabei nach dem betörenden Geruch von bedrucktem Papier und Kleber gieren. Stattdessen: ",Feuchtgebiete ist jetzt vollständig heruntergeladen." Von der guten, alten Zeitung will ich gar nicht sprechen.

Früher war Griechenland ein Urlaubsziel, heute ist es ein Krisenstaat. Früher war ein Porsche ein toller Schlitten, heute ist er ein VW. Ich will Poesiealben statt Facebook, Oli Kahn statt Manuel Neuer, Kaba statt Schokochino, und ich will garantiert keine computeranimierte Biene Maja.

Bevor hier aber ein falscher Eindruck entsteht: Ein Bewahrer bin ich nicht - Gott bewahre! Die Welt soll sich ruhig weiterdrehen. Denn wenn "heute" wieder "früher" ist, bin ich bestimmt damit versöhnt.

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