Meditativer Hörgenuss

Mit geistlicher Chormusik von Komponisten, die in Leipzig lebten, überzeugt der Kammerchor Oberaspach in der Schwäbisch Haller Katharinenkirche. Er beeindruckt vor allem durch weiche Klanggestaltung.

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Nachmittags um 17 Uhr ist man, besonders nach der Umstellung auf die Sommerzeit, als Hörer eigentlich noch nicht so auf Nachtruhe erpicht, wie das Konzertprogramm des Oberaspacher Kammerchores anzunehmen scheint.

Nichtsdestoweniger ist die sanfte Abgeklärtheit und vor allem der wohlig- weiche Chorklang ein meditativer Hörgenuss. Beispielsweise die beiden Zugaben, die sich das Publikum erklatscht hat, nämlich das englisch gesungene Weltgebetstagslied "Der Tag, mein Gott, ist nun vergangen" oder "Der Mond ist aufgegangen". Beim letztgenannten Liede fällt besonders die textbezogene Vortragsweise der Strophen auf. Beide Zugaben gehören zu den Höhepunkten der Aufführung.

Rheinbergers "Abendlied" Op. 69 Nr. 3 besticht durch Klangentfaltung, wenn der Chor im weiten Klangraum zwischen hellen Höhen und dunklem Bass bedeutende Dynamik entwickelt. Dabei treten allerdings im zahlenmäßig ein wenig unterbesetzten Sopran Einzelstimmen hervor. Chorleiter Martin Schirrmeister animiert mir großer Armbewegung und deutlicher Hand- und Fingerarbeit.

Eine "Meditation" für Violoncello solo des 1942 geborenen Volker David Kirchner, interpretiert von Bernhard Spranger, ist in ihrer modern-expressiven Art gewöhnungsbedürftig. Auch ohne die Textvorgabe ". . .und Salomo sprach" hätte man wohl einen Ursprung im hebräischen Kulturkreis vermutet.

Das melodische Geschehen erfährt eine enge, leicht gedrückte Tongestaltung, die fern vom runden, vollen Celloton eine ausdrucksvolle Klage entfaltet, begleitet durch Schläge auf den Cellokörper.

Traditionelleren Celloklang entfaltet Spranger bei Bachs Suite Nr. 6 BWV 1012. Die fein strukturierte Gestaltung arbeitet die dynamischen Spannungen allerdings nicht sehr heraus und beansprucht so die Aufmerksamkeit des Zuhörers über die Dauer der langen Suite erheblich.

Die sieben Chorbeiträge aus Max Regers "Acht geistlichen Gesängen" Op. 138 - darunter wiederum ein "Nachtlied" oder der "Traum unser lieben Frauen", auch ein "Agnus Dei" sind von gemessener Art. Selbst ein "Schlachtgesang" ist weniger kriegerisch denn eher eine fromme Bitte, gleichwohl fein abgestuft in der Intensität.

Neben heller Leuchtkraft des Chorklanges leben diese Stücke von ihren unerwarteten Harmoniewendungen, die die Stimmführung selbst im Homophonen polyphon erscheinen lässt.

Recht vital hingegen Bachs Motette "Lobet den Herrn, alle Heiden". Wie bei Mendelssohn-Bartholdys Motette "Mein Herz erhebet Gott, den Herrn" erklingt akzentuiertes Martellato (gehämmerte Tongebung). Bei Dreiklangsfanfaren oder bei lautmalerischer Musikgestaltung wird die Interpretation so unterstrichen.

Die beiden weiteren Motetten von Mendelssohn, "Jauchzet dem Herrn, alle Welt" und "Herr, nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren", verbreiten wiederum, besonders in ihren Schlussphasen, gelassen-andächtige Atmosphäre.

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