Matthias Berg begeistert mit seinem Vortrag auf dem VR-Bank-Neujahrsempfang

Darf man hinschauen? Ja, man darf. Matthias Berg will das so. Der stellvertretende Landrat von Esslingen hat kurze Arme. Sein Vortrag beim Empfang der VR-Bank Schwäbisch Hall-Crailsheim faszinierte 500 Zuhörer.

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Contergan. Einer der größten Arzneimittelskandale in Deutschland. Ein Thema für den Neujahrsempfang einer Bank? Warum nicht, sagte sich Eberhard Spies, der Vorstandsvorsitzende der VR Bank Schwäbisch Hall-Crailsheim, und lud Matthias Berg, einen von rund 2500 contergangeschädigten Menschen, die in Deutschland noch leben, als Redner in die Halle in Wolpertshausen ein.

"Kurze Arme, nur drei Finger an jeder Hand", so stellte sich der Redner am Mittwochabend den 500 Zuhörern in der Halle vor. Matthias Berg redet nicht um den heißen Brei herum, berichtet von Ausdrücken, die er in Kindheit und Jugend hören und verkraften musste: "Krüppel", "Kurzärmel". Erzählt von "extrem bitteren Jahren", davon, dass man ihn auch schon mal "ins KZ" schicken wollte und zu hören bekam, dass man Menschen wie ihn früher vergast hätte.

Matthias Berg wurde im letzten Jahr, in dem das Beruhigungsmittel Contergan vertrieben wurde, 1961, geboren. Seine Mutter hatte es, wie viele Schwangere vor ihr, eingenommen. Es war beliebt als Mittel gegen Schwangerschaftsübelkeit, galt als sicher. Tatsächlich führte Contergan in vielen Fällen zu Schädigungen in der Wachstumsentwicklung von Föten.

Berg sprach aber nicht über den Contergan-Skandal, er berichtete von sich, von seinem Lebensweg, der bis heute ein Erfolgsweg ist. Mit 27 Medaillen bei Paralympics und Weltmeisterschaften in den Jahren 1980 bis 1994 in leichtathletischen Disziplinen und in Wintersportarten gehört er zu den weltbesten Behindertensportlern aller Zeiten. Auch als Musiker wurde er bekannt, studierte in Freiburg an der Hochschule für Musik, gewann 1981 den ersten Preis beim Bundeswettbewerb "Jugend musiziert", wurde 1986 mit dem "Prix Spécial de Classique" beim internationalen Hornwettbewerb in Toulon ausgezeichnet.

Gleichzeitig studierte er Jura und ist heute Erster Landesbeamter und damit stellvertretender Landrat in Esslingen. Musik und Jura gleichzeitig studieren, "was für eine Leistung!", hob der hiesige Landrat Gerhard Bauer hervor und sah sich in seiner Zuversicht bestätigt, dass es der VR-Bank immer wieder gelingt, "tolle Referenten" zu ihren Neujahrsempfängen einzuladen. Bauer lobte auch die Leistung der VR-Bank - und geißelte die europäische Bankenaufsicht, deren Ziel offensichtlich sei, die Aktivitäten von Sparkassen und Genossenschaftsbanken "ohne Maß und ohne Grenzen zu belasten". Wenn das so weitergeht, warnte Bauer, "wird die bisherige Mittelstandsfinanzierung infrage gestellt".

Apropos Fragen: Die hatte Matthias Berg in seiner Jugend auch: Warum gerade ich? Am Mittwochabend berichtete er in einem beeindruckenden Vortrag, wie er sich von dieser nach rückwärts gewandten Frage gelöst und zu einer anderen Fragestellung gefunden hat: Wozu? In diesem Fragewort, so der Referent, stecken mit "zu" schon zwei Buchstaben des Wortes Zukunft. Um sie gehe es, sie sei entscheidend. Das "Warum" zehre an den Kräften, das "Wozu" setze welche frei.

Mit der richtigen Grundhaltung, also der Berücksichtigung der fünf Grundsteine, auf die Erfolg gegründet ist (siehe Extra-Artikel) sei es Menschen möglich, ein gelingendes Leben führen - egal, ob sie lange oder kurze Arme haben. Erfolg ist für Matthias Berg vor allem eine Frage der Haltung. Und eben diese Haltung hat er in bisher 51 Lebensjahren schon oft bewiesen.

Kraft schöpfen für 2013: Fünf Grundsteine für den Erfolg

Werden folgende fünf Merksätze beherzigt, steht einem guten neuen Jahr nichts im Wege, sagt Matthias Berg

· Ich packe es an

· Ich übernehme Verantwortung

· Ich konzentriere mich auf das, was ich kann

· Ich behandele andere, wie ich selbst behandelt werden möchte

· Ich bin diszipliniert

Mehr zu Berg gibts unter www.matthias-berg.de


Eine Genossenschaftsbank auf dem Weg nach oben

Die VR-Bank Schwäbisch Hall-Crailsheim ist auch mit dem Jahr 2012 zufrieden, sagte Vorstandsvorsitzender Eberhard Spies auf dem Neujahrsempfang in Wolpertshausen.

Weit mehr als 50.000 Mitglieder hat die aufstrebende Genossenschaftsbank - und eine Bilanzsumme von rund 1,6 Milliarden Euro (2011). Das vergangene Jahr sei "unterm Strich ein gutes" gewesen, so Spies. Auch wenn es ein "verrücktes Jahr" gewesen sei, seien doch alle Zielvorgaben erreicht oder gar übertroffen worden, berichtete er nicht ohne Stolz.

 

 

 

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