Marias Schrank macht Geschichte

Seit 25 Jahren betreibt der Ilshofener Karl-Heinz Wüstner intensive Heimatforschung anhand von Hohenloher Bauernmöbeln. Dafür wurde im November mit dem Agrarkulturpreis ausgezeichnet.

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Mit Wissbegierde und Beharrlichkeit beackert Karl-Heinz Wüstner das Thema historische Bauernmöbel. Seine jahrelange Fleißarbeit hat er in zahlreichen Veröffentlichungen und Vorträgen dokumentiert. Sie brachte ihm 1993 den Landespreis für Heimatforschung und jetzt den Agrarkulturpreis in der Kategorie "Kultur und Soziales" - und nun den seit 2010 regelmäßig von der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft an vier Preisträger vergebenen Agrarkulturpreis.

Genauso gut hätte man ihn für seine Forschung über Hohenloher Auswanderer in England auszeichnen können. Er fand heraus, dass hiesige Bauernsöhne als Schweinemetzger auf der Insel Furore machten. Dieses Thema ist quasi ein Nebenprodukt seiner Möbel- und Familienforschung.

Begonnen hat alles mit einem alten Bauernschrank. Er war eigens für Maria Magdalena Grün 1823 - wohl zu ihrer Hochzeit - gezimmert und prächtig bemalt worden. Heute - 190 Jahre später - hat das Möbelstück einen Ehrenplatz im Wohnzimmer der Familie Wüstner in Ilshofen. Über Generationen war der Schrank in der Familie weitervererbt worden, bis ihn Karl-Heinz Wüstner auf dem Dachboden seines Elternhauses entdeckte und wissen wollte, was es mit der Inschrift "Maria Magdal Grünin 1823" auf sich hatte. Nach zwei Jahren war klar: Maria Magdalena Grün war eine Vorfahrin in der eigenen Familie. Sie stammte aus Weilersbach am Kocher in der heutigen Gemeinde Braunsbach und heiratete nach Nesselbach, das heute zur Stadt Langenburg gehört.

Schränke wie ihrer wurden nach Art der Bemalung in der damaligen Literatur als Odenwälder Möbel beschrieben. Aber warum von so weit her? Könnte das gute Stück nicht auch aus der Künzelsauer Gegend stammen? Hier wurde Karl-Heinz Wüstner tatsächlich fündig. Sein Erbstück ist das Werk der Schreinerei Schönhut in Oberhof bei Gaisbach - nur ein Katzensprung von Weilersbach entfernt.

"Beim Blick auf den Stammbaum der Familie Schönhut fiel mir auf, dass von neun Kindern sechs nach England ausgewandert sind und dort Metzger wurden oder Metzger aus Hohenlohe geheiratet haben. Das hat mein Interesse geweckt." So schlug der Heimatforscher den Bogen zu den Chroniken der Auswanderer, die ihn momentan beschäftigen. Selbst aus seiner eigenen Familie gründeten einige eine neue Existenz in England und Irland.

Die Ära der bemalten Bauernmöbel fand 1850 in Hohenlohe ihren Höhepunkt und ebbte dann ab. So wie Meister Schönhut haben viele Schreiner darauf verzichtet, ihre Malerei mit Namen zu signieren. Einzige Ausnahme: die Familie Rößler in Untermünkheim. "Deswegen waren sie fassbar und sind heute noch in aller Munde", erklärt Wüstner, der sich seit Jahren im Kultur- und Förderverein Rößlermuseum engagiert.

In detektivischer Kleinarbeit deckte der Heimatforscher auf, dass es jeweils in den Ortschaften vor den größeren Städten in Hohenlohe Schreiner gab, die Weichholzmöbel herstellten und bemalten. "Ob es vielleicht die Frauen waren, die zu Pinsel und Farbe griffen und die Blumen und Ornamente aufs Holz malten, lässt sich schwer sagen." Karl-Heinz Wüstner hält es aber für möglich. Es gelang ihm immerhin, 20 ehemalige Werkstätten zu identifizieren und ihnen die Schränke und Truhen zuzuordnen, die sich in Privathaushalten und Museen fanden. Dabei stellte er fest, dass jede Schreinerfamilie ihr besonderes Kennzeichen hatte, das wie ein Markenzeichen an die nächste Generation weiter gegeben wurde.

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