Mangel an jungen Pfarrern auch im Landkreis Hall

Über 100 evangelische Pfarrstellen sind in Baden-Württemberg frei. Auch in den Gemeinden des Haller Landkreises fehlen Pfarrer. Die Kirche versucht deshalb, das Pfarramt auf dem Land attraktiver zu gestalten.

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Frühjahr 2012: Pfarrer Bernd Hofmann, der für die Evangelische Kirchengemeinde Großaltdorf-Lorenzenzimmern zuständig war, verließ Hohenlohe in Richtung Hohenzollernkreis. Seither ist die Stelle vakant. So wie in Großaltdorf mangelt es vielerorts im Landkreis Hall an Pfarrern in den Kirchengemeinden. Archivfoto: Marc Weigert

Vier Kirchengemeinden im Dekanat Hall suchen derzeit einen neuen Pfarrer. "50-Prozent-Stellen auf dem Land sind ganz schwer zu besetzen", befürchtet die Haller Dekanin Anne-Kathrin Kruse. Sorgen bereiten ihr die Vakaturen, also die unbesetzten Pfarrstellen, in Großaltdorf und Enslingen.

Während vor einigen Jahren die Gemeinden den Bewerbern noch Bedingungen gestellt hätten, habe sich die Situation inzwischen umgekehrt. Mit dem demografischen Wandel gehe die Zahl der Theologiestudenten zurück. Abschreckend habe auch gewirkt, dass die Kirche bis zum Jahr 2000 Studienabgänger abgewiesen hat. Zudem sei Pfarrer ein Beruf ohne feste Arbeitszeiten und ohne freies Wochenende. "Da ist die Entwicklung ähnlich wie bei den Ärzten, die gehen lieber ins Krankenhaus als in eine Landpraxis", meint die Dekanin. Falsch hält sie die Entscheidung der Landeskirche, die kürzlich über 100 Pfarrer in den vorzeitigen Ruhestand geschickt hat.

Der ländliche Raum verfüge über Pluspunkte: Für junge Pfarrer mit Familie seien Gegenden wie Hohenlohe attraktiv. Für Partner mit akademischer Ausbildung gebe es in Hall gute Arbeitsplätze und junge Pfarrerinnen könnten vom sozialen Netz auf dem Land profitieren. "Wir müssen versuchen, die jungen Leute früh zu binden. Nach dem Vikariat haben sie oft großes Interesse hier zu bleiben", stellt Richard Haugs Nachfolgerin fest.

Ähnlich schwierig ist die Lage im Dekanat Crailsheim. In der Stadt sind zwei Stellen vakant: Johannes II und IV. "Dort läuft es nur, weil uns die Ehrenamtlichen und der Kollege von der Christus-Gemeinde stark unterstützen", stellt Dekan Dr. Wilfried Dalferth fest. Auf dem Land werden Stellen gestrichen etwa in Oberspeltach - das zukünftig zu Gründelhardt gehört.

"Wir müssen umdenken", fordert Dalferth. Es wird nicht mehr jeder Pfarrer alles selber machen. "Sinnvoll wäre, wenn etwa Pfarrer von drei Gemeinden ein Team bilden. Je nach Begabung hält der eine am Wochenende in allen drei Kirchen eine Predigt, der zweite übernimmt die Geschäftsführung und der dritte als Schwerpunkt die Familienarbeit", schlägt er vor. Den Pfarrer als eierlegende Wollmilchsau werde es nicht mehr geben. Dalferth befürwortet einen finanziellen Vorteil für Pfarrer auf dem Land, denn in ländlichen Gemeinden sind die Anfahrten weiter. Dazu kommen die meist hohen Heizkosten in alten Pfarrhäusern. Er wäre auch dafür, dass Gemeindemitglieder in Verantwortung des zuständigen Pfarrers sonntags eine gottesdienstähnliche Zusammenkunft in der Kirche organisieren.

Im Dekanat Gaildorf sehe es noch ordentlich aus, so Dekan Uwe Altenmüller: Nur Untersontheim sei derzeit vakant. Wegen Stellenkürzungen werden bis 2018 drei Gemeinden zukünftig von den Pfarrern der Nachbargemeinden mitversorgt. Auch Altenmüller befürwortet Pfarrerteams. "Die Vikare arbeiten schon in Teams und wollen das als Pfarrer gerne weiterführen", hat er bemerkt.

Vakante Stellen im Kreis Hall
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