Manager mit Showtalent

Einen kurzweiligen Abend hat der Ehrenpräsident des Stuttgarter VfB den Besuchern im Schlosshotel Döttingen bereitet. Unendlich scheint Erwin Staudts Geschichten-Fundus aus seiner Zeit bei IBM und beim VfB.

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Erwin Staudt wird in Döttingen von Tanja Kampe interviewt und erzählt aus seinem Leben. Foto: Ufuk Arslan

Erwin Staudt wird im Februar 65 Jahre alt und ist noch Mitglied in zahlreichen Aufsichts- und Beiräten: "Da treffe ich interessante Leute und weiß, was draußen läuft." Nach harten Tagen für den Computer- und Softwareriesen IBM Deutschland entspannte er sich früher beim Joggen. Jetzt hat er das Golfen entdeckt. "Über die Frustration nach einer schlechten Runde wegzukommen, fasziniert mich", gibt der drahtige Mann zu. Neben dem Sport war ihm immer die Musik wichtig. Mit zwölf Jahren habe er eine Trompete bekommen und dann "wie verrückt" geübt, denn er habe so gut spielen wollen, "wie wenn ich pfeifen würde", erklärt er.

Für eine Profikarriere habe sein Talent nicht gereicht, aber was er besser könne als viele Super-Musiker: Leute unterhalten. Das glaubt ihm nach diesem Abend jeder. "Bei den Auftritten unserer Band habe ich immer die Ansagen gemacht und rumgewitzelt", erinnert er sich.

Der Job bei IBM sei das Beste gewesen, was ihm passieren konnte, so der gebürtige Leonberger: gebildete, neugierige, auch internationale Kollegen und ein Produkt, mit dem sie die Wirtschaft voran gebracht haben. Sein Arbeitsplatz wechselte zwischen Stuttgart, München, Berlin, Paris und New York. "Wer unflexibel ist, kommt heute in keinem Unternehmen voran", weiß der frühere Manager. Als Herausforderung empfand er Berlin: "In Leonberg war die Familie Staudt angesehen, ich war für die SPD aktiv und hatte viele Ämter, auch in Vereinen - in Berlin war ich ein Nobody." Dort habe er aber viel gelernt. "Ich hatte keine Ahnung von Wein und gehobener Küche, ich kannte ja nur Rostbraten und Maultaschen", schildert er lebhaft. Auch mit Kunst sei er dort erstmals in Berührung gekommen. Mit einer von ihm organisierten Kunstausstellung bei IBM Berlin hat er den obersten IBM-Chef von Deutschland, Hans-Olaf Henkel, enorm beeindruckt. Er hatte nämlich Edzard Reuter für die Eröffnungsrede gewinnen können. "Zwei Tage später ein Anruf: Ich sollte die Leitung der IBM-Öffentlichkeitsarbeit in Stuttgart übernehmen. Das war der Hammer!", freut er sich jetzt noch.

Zum Lachen bringt Staudt das Publikum, wenn er die näselnde Stimme des aus Hamburg stammenden Henkel nachahmt. "In der Schule habe ich für Heiterkeitsstürme gesorgt, wenn ich in der Shakespeare-Lektüre den König Lear mit der Stimme von Willy Brandt gesprochen habe", erzählt er und gibt eine Kostprobe.

Als Präsident des VfB habe er dem Verein ein Führungsinstrumentarium wie für Daimler oder IBM verpasst. Sogar der FC Barcelona habe sich das dann angeschaut. "Man muss die Zahlen im Griff haben", meint Staudt, der mittlerweile Ehrenpräsident des VfB ist. Unter seiner Ägide ist der Verein von 7000 auf 47000 Mitglieder gewachsen. Glänzende Augen bekommt er, wenn er von der Meisterschaft 2007 erzählt. "Die Nacht werde ich nie vergessen." Und auch nicht diese Anekdote: Der Taxifahrer, der ihn morgens heimbrachte, sei aus Ehrfurcht vor der Meisterschale, die er dabei hatte, nicht schneller als 40 Stundenkilometer gefahren. Eine neue Erfahrung war, als VfB-Präsident in der Öffentlichkeit zu stehen - nicht immer angenehm, vor allem, wenn es mit dem VfB schlecht lief. "Als IBM-Chef von 26000 Mitarbeitern hat keiner nach mir geschaut." Trotzdem sei es für ihn, der schon immer VfB-Fan war, ein Traumjob gewesen.

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