Maifest: Ganz schön was los in dieser lauen Nacht

Wer am Vorabend des 1. Mai rund um Crailsheim durch die Gegend fährt, erlebt eine ganze Menge. Denn überall rüsten sich die Menschen für ein gemütliches Fest am Fuß des Maibaums.

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30. April, 18 Uhr. In Ingersheim ächzen die Maibaumfreunde mit hochrotem Kopf und richten den Baum von Hand aus. Mit Manneskraft, langen Stangen und nach alter Väter Sitte. In Jagstheim hingegen steht der Baum schon lange. Hier wird am frühen Abend bereits gemütlich gefeiert. In Steinach steht gerade der Bagger und richtet den hübschen, kompakten Baum auf. Das Lagerfeuer brennt schon - gleich geht"s los.

Der Baum in Stimpfach überragt alle. Über 30 Meter ist er hoch. Inklusive extra angefügter Spitze. Er ist ungewöhnlich geschmückt. Mit Feuerwehrschläuchen und einer Plakette des heiligen Florian. Das ist kein Wunder, denn heuer war die Stimpfacher Feuerwehr für den Baum zuständig. Eine Besonderheit hat sie sich zusätzlich einfallen lassen - aber das weiß zu diesem Zeitpunkt noch niemand: Der Baum ist elektrifiziert. Sobald es dunkel ist, wird oben eine Lichterkette leuchten. "Wir haben einen Elektriker bei der Truppe. Der hat die Kabel verlegt", so Hermann Pfitzenmaier von der Feuerwehr. "Bis jetzt hats noch niemand gemerkt. Dabei müsste man nur mal genau hinschauen."

Im kommenden Jahr wird der Stimpfacher Baum ganz anders aussehen, denn dann ist wieder der Musikverein mit dem Schmücken an der Reihe. Das ist überhaupt das Besondere am Maibaumfest in Stimpfach: Nicht Maibaumfreunde oder die Gemeinde kümmern sich darum. In Stimpfach sind es die Vereine, die das Fest alle gemeinsam ausrichten.

Nicht überall lief heuer alles so glatt wie in Stimpfach, denn wer die Traditionen kennt, der weiß, dass die "Operation Maibaum" bisweilen zu Kollateralschäden führt - wörtlich übersetzt sind das "Schäden in der Nachbarschaft". Manch böse Buben sägen nämlich den geschlagenen Maibaum der Nachbarsdörfer schon vorher heimlich an - was den Ingersheimern in diesem Jahr passiert ist. In Randenweiler sollen die Säger ebenfalls zugeschlagen haben. Auch in Otterbach und Markertshofen fielen die Maibäume der Säge zum Opfer. Die Ingersheimer haben schon einen Verdacht und schwören Rache. . . Doch die gilt erst fürs nächste Jahr.

Jetzt stehen die Maibäume erst einmal bis Ende Mai. Dann kommen sie weg. In Stimpfach etwa, in Ingersheim, und in vielen anderen Gemeinden wird der Maibaum deshalb gleich nach dem Aufrichten versteigert. Der Ersteigerer, die Ersteigerin kann den Maibaum ab Juni verheizen. Was die Dame in Ingersheim allerdings nicht wusste: Mit dem Baum ersteigert man die Maibaumfreunde gleich mit. Und wenn die Jungs den Stamm bringen, ist ein zünftiges Vesper fällig.

Inzwischen hebt in Stimpfach Dirigent Josef Sauer die Arme. Polkas und Märsche stehen auf dem Programm. "Wir spielen, solange es hell ist", sagt Abteilungsleiter Hubert Frederich, und fügt hinzu: "Wir müssen morgen ja früh raus." Denn dann macht die Musikkapelle die Runde durch die Teilorte und spielt unter den jeweiligen Maibäumen ein schwungvolles Ständchen. Während die Musiker ins Bett dürfen, müssen andere die ganze Nacht über aufbleiben, denn es könnten ja die bösen Nachbarsbuben mit einer Säge kommen. . .

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