Mahnwache kontra Regulierung

Ob der Treffpunkt in Matzenbach ideal gewählt ist, sei dahingestellt. Mehr Publizität hätte die Aktion allemal verdient: Die Schrotthändler der Region protestieren gegen das Kreislaufwirtschaftsgesetz.

|

Mit einer Mahnwache, der zweiten mittlerweile, wehren sich die Altmetallhändler gegen den drohenden Existenzverlust. Das ist zwar ein Zukunfts-Szenario, aber durchaus nicht von der Hand zu weisen, wenn die Vorgaben des novellierten und zum 1. Juni 2012 in Kraft getretenen Gesetzes greifen. "Ganze Familien hängen hier von den Vorgaben der EU ab", beschreibt Manfred Schneck die Lage. Er ist einer der Sprecher der Initiative der Schrottsammler, die sich aktuell mit Plakaten und Kerzen gegen die neue Verordnung zur Wehr setzen. Mitstreiter hat er genug. Alle Fichtenauer Altmetallhändler haben sich dem Protest angeschlossen. Dazu gesellen sich Kollegen aus Schrozberg, Michelbach/Bilz, Rothenburg, Neustadt/Aisch, Uffenheim und anderen Orten der Region. Sie alle fürchten um ihre Existenz, seit mit dem neuen Kreislaufwirtschaftsgesetz den Kreisen und Kommunen Tür und Tor geöffnet sind, ihre Bürger zu veranlassen, Altmetalle nur noch auf Wertstoffhöfen abzuliefern und so quasi selber als Händler aufzutreten. Ein oft gehörtes Argument: Dann werden die Müllgebühren gesenkt.

"Dann gehen wir kaputt", ist Karl Pfisterer überzeugt. Seit 45 Jahren ist er im Geschäft und befürchtet nun, dass künftig auch in den Kreisen Hall und Ostalb ein solch rigider Kurs gefahren wird wie im bayerischen Landkreis Ansbach. Dort wird die Richtlinie bereits umgesetzt, was die hiesigen "Schrottler", wie sie sich selber nennen, auf die Palme bringt. "Wir trauern um unser aussterbendes Gewerbe" ist denn auch auf einem der Spruchbänder zu lesen. Noch sind die Befürchtungen der Händler unbegründet, wie Ingrid Kurz bestätigt. Noch. Sie ist beim Landratsamt in Hall Leiterin der Abfallwirtschaft. "Bislang müssen die Altmetallhändler lediglich melden, wann und wo sie tätig werden", sagt sie. "Derzeit gibt es bei uns keinerlei Überlegungen, selber in den Schrotthandel einzusteigen." Also keine Gefahr in Verzug? "Nur wenn in den Betrieben etwas nicht in Ordnung ist."

Im Kreis Hall, so klärt sie auf, übernehmen registrierte Regiebetriebe nach Ausschreibung die Aufgabe, Schrott zu sammeln. "Die Verträge laufen noch", ergänzt Ingrid Kurz. "Absolutes Verständnis" für das Anliegen der Schrotthändler hat Heiner Gröger. Der Chef des Crailsheimer Entsorgungsbetriebs H. Gröger GmbH ist zugleich Präsident der mittelständischen Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen (BDSV). Er empört sich über die teilweise rigorose Umsetzung der Gesetzesnovelle. Sie habe dazu geführt, dass Kommunen "viele kleine Händler vergewaltigt". Vor allem größere Städte mit Wertstoff-Eigenbetrieben hätten ein Interesse, selber aktiv zu werden, um letztlich durch die nicht geringen Altmetallerlöse zusätzliche Mittel in die Kasse zu bringen. Landes-Umweltminister Franz Untersteller hatte erst vor wenigen Monaten verlauten lassen, die "Wertstoffe gehören den Kommunen". Inzwischen rudert man im Ministerium zurück - nicht zuletzt auf Betreiben des BDSV, der mit seinen Anwälten auch die kleinen Händler unterstützt. Dennoch: "Ganz ausgeschlossen, dass die Kommunen den Händlern den Schrott vor der Nase wegkaufen, ist es noch nicht", sagt Heiner Gröge.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Saisonarbeiter dürfen nicht in Gewerbegebiet wohnen

Gemeinderat lehnt Bau eines Beherbungsbetriebes im Fliegerhorst ab. Stadträte fordern Arbeitgeber auf, ihre Verantwortung wahrzunehmen. weiter lesen