Männer geben den Ton an - Liederkranz in Michelfeld gewinnt mit der offenen Singstunde neue Mitglieder

Manche Chöre stehen vor dem Aus. Die Mitglieder des Männerchor in Michelfeld versuchen, dagegen zu steuern: Sie bieten offene Singstunden an und werben Neumitglieder. Ein Konzept, das bislang aufgeht.

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    Offene Singstunde des Liederkranz Michelfeld. Foto: 
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„Stopp! So geht das nicht“, unterbricht Lydia Jelisarow, Chorleiterin des Männerchores des Liederkranzes in Michelfeld, die Singstunde. „Das ist der Ton, den wir brauchen“, sagt sie und drückt wiederholt eine Taste auf dem Flügel. „Versuchen wir es noch einmal, diesmal jedoch mit mehr Spannung.“

30 Männer machen sich bereit: Sie stellen sich aufrecht hin und versuchen, die Anweisungen der Chorleiterin umzusetzen. Diesmal gelingt es ihnen. Die tiefen Männerstimmen erfüllen den Raum, dringen nach draußen und lassen Gänsehaut entstehen. Für 26 der Sänger ist diese Situation nichts Unbekanntes. Für die anderen vier ist es Neuland: Sie sind der Einladung zur offenen Singstunde gefolgt und nehmen an diesem Donnerstag das erste Mal an einer Probe teil.

Einer der Neulinge ist Alfred Bühler (56) aus Michelfeld. Schon immer habe er gerne gesungen – unter der Dusche oder beim Autofahren. Das in einem Chor zu machen, daran habe er bislang nicht gedacht.

Chorsingen ist wie Tanzen: Man muss sich führen lassen

„Als ich jünger war, hatte ich keine Lust dazu. Später kamen die Kinder, dann hatte ich keine Zeit.“ Jetzt habe er Lust, im Chor mitzusingen. Ein Nachbar, der selbst im Chor singt, habe ihn gefragt, ob er nicht mit zur Singstunde kommen wolle. „Mir gefällt es gut, ich werde vermutlich häufiger zur Chorprobe kommen und den Verein unterstützen“, sagt Bühler.

Ein anderer Neuling ist Joachim Bauer (43). Seit jeher habe er eine Leidenschaft für Musik, habe bis 1993 auch in einem Chor gesungen. Heute ist ihm Musik vor allem im Alltag ein Begleiter: „Ich stimme oft Liedchen an, wenn ich mit dem Hund laufe, manchmal auch wenn ich im Büro bin.“ In die offene Singstunde zu kommen, war nicht seinen eigene Idee. Sein Bruder, Mitglied im Männerchor, habe ihm keine Ruhe gelassen. „Es war ein langwieriger Überredungsprozess. Letztendlich habe ich nachgegeben“, sagt Bauer und lächelt. „Ich glaube, schon heute ein wenig Gefühl für den Chorgesang bekommen zu haben. Es ist ähnlich wie beim Tanzen, man muss sich führen lassen. Dann klappt das ganz gut.“ Ob er wiederkommt, weiß er noch nicht. Eigentlich wollte er sich das Jahr – was ehrenamtliches Engagement angeht – freihalten. „Mal schauen. Grundsätzlich gefällt es mir aber gut.“

Direktes Ansprechen zahlt sich mit neuen Mitgliedern aus

Die offene Singstunde sei eine gute Aktion gegen das Aussterben, heißt es im Chor. Derzeit besteht der Verein aus 29 Mitgliedern. „Der Altersdurchschnitt liegt bei ungefähr 58 Jahren“, berichtet Friedrich Ulmer, Pressewart des Vereins. Drei, vier junge Mitglieder senken den Durchschnitt. Es gibt zahlreiche ältere Männer, zum Teil schon über 70, 75 Jahre. „Man kann nie wissen, wie lange unsere älteren Semester noch im Verein mitwirken können. Wir brauchen also einen kontinuierlichen Nachwuchs an jungen Mitgliedern“, weiß Götz Burghardt, Vorsitzender des Liederkranzes in Michelfeld.

Die Aktion zahlt sich aus: 2011 sangen meist nur noch 14 Mitglieder im Männerchor. „Das Verhältnis zur damaligen Chorleitung war nicht besonders gut, viele Mitglieder sind ausgetreten. Vor zwei Jahren bekamen wir eine neue – die heutige – Chorleitung“, berichtet Burghardt. Dass der Verein recht gut dastehe, liege am aktiven Werben an neuen Mitgliedern, so Burghardt: „Wir haben schon viel versucht: Anzeigen im Gemeindeblatt geschalten, Veranstaltungen organisiert. Das alles bringt nur bedingt etwas. Das Beste ist immer noch, die Menschen direkt anzusprechen. Toll, dass vier Männer gekommen sind, vielleicht kommen sie ja wieder.“

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