Lüfte und Düfte der Kindheit

Crailsheim und Forchtenberg, die Geburtsorte der Geschwister Scholl, sind zu Zentren des Weiße-Rose-Gedenkens geworden. Aber auch Langenburg bietet Anknüpfungspunkte - wegen Lisa Remppis.

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  • Renate Deck beschäftigt sich seit 1990 mit den Scholls - und versucht, jedes auch noch so kleine Detail ihrer Biografien zu ergründen. 1/2
    Renate Deck beschäftigt sich seit 1990 mit den Scholls - und versucht, jedes auch noch so kleine Detail ihrer Biografien zu ergründen. Foto: 
  • Lisa Remppis als Langenburger Konfirmandin 1937. 2/2
    Lisa Remppis als Langenburger Konfirmandin 1937. Foto: 
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Am 17. Februar 1943 - einen Tag, bevor sie die Flugblätter der Weißen Rose in den Lichthof der Münchner Universität fallen ließ, fünf Tag, bevor die Nazis sie ermordeten - schrieb Sophie Scholl ihren letzten Brief. Er ging an Lisa Remppis, die Freundin, die Seelenverwandte: Liebe Lisa! Ich lasse mir gerade das Forellenquintett vom Grammophon vorspielen. Am liebsten möchte ich da selbst eine Forelle sein...] . . .]. O, ich freue mich wieder so sehr auf den Frühling. Man spürt und riecht in diesem Ding von Schubert förmlich die Lüfte und Düfte und vernimmt den ganzen Jubel der Vögel und der ganzen Kreatur.

Vielleicht, wer weiß es schon, hat Sophie in diesem Moment auch ans Jagsttal und an Langenburg gedacht, wo sie mit ihrer Freundin Lisa einst manch unbeschwerte Kindheitsstunde verbracht hatte. Die Lüfte und Düfte jedenfalls umwehen auch dieser Tage jeden, der dort herumstreift.

Renate Deck machte sich das am Samstag zunutze. Die Initiatorin der Forchtenberger Sophie-Scholl-Gedenkstätte lud zu einem Rundgang durch das Fürstenstädtle - vor dem Hintergrund der Freundschaft Scholl-Remppis. Deck hat sich auf Spurensuche begeben, Zeitzeugen befragt, Bilder aufgetrieben, Korrespondenzen durchforstet. Kurzum: Sie wollte mehr wissen über die Empfängerin des letzten Briefes der Sophie Scholl.

Lisa Remppis wurde 1923 in Backnang geboren. Ihre Familie lebte mit Sophies Tante unter einem Dach. So lernten sich die Mädchen schon in frühester Kindheit kennen. Ihre Freundschaft bestand fortan immer - und Hans Scholl war später gar Lisas erste große Liebe. 1928 zogen die Remppis nach Langenburg, ins Amtsgerichtsgebäude - der Vater war Bezirksnotar. Sie blieben bis 1937. Die prägenden Kindheitsjahre also verbrachte Lisa Remppis hoch über Bächlingen. Und die Scholls kamen öfter zu Besuch. Es gibt sogar Hinweise darauf - Lisas noch lebender Bruder Rudi erinnert sich daran - dass Sophie Scholl einmal länger blieb und in Langenburg zur Schule ging. Belege dafür fehlen bislang.

Erste Station des Rundgangs am Samstag war sinnigerweise das Amtsgericht. Über knarzende Treppenstufen ging es in die alte Wohnung der Familie Remppis, die heute noch bewohnt und nur wenig verändert ist - ein schickes Apartment, das Eindruck auf die Gäste aus Forchtenberg gemacht haben muss.

Und auch die übrige Langenburger Kulisse, die abgegangen wurde, war wohl eine Art großer Abenteuerspielplatz für Lisa und Sophie. Die beiden und Hans verband immer eine fast schon pathetische Liebe zur Natur, die sicher früh in Hohenlohe genährt wurde. Sie war Kontrapunkt und Zufluchtsort zum Schrecken der menschengemachten NS-Wirklichkeit - am liebsten möchte ich da selbst eine Forelle sein.

Der Rundgang ließ erahnen, was die Kinder einst erfühlten. Und er machte Lust, sich näher mit der Weißen Rose zu beschäftigen.

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