Lostag bringt Licht

Bis zum Jahr 1912 war Mariä Lichtmess - der 2. Februar - ein Feiertag. An diesem Tag wechselten Dienstboten ihre Arbeitgeber. Martha Färber aus Untermünkheim-Gaisdorf erinnert sich, wie es früher war.

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Ein kurioser Zufall: Heute und morgen bei der Landmesse in Ilshofen suchen Bauern Hilfskräfte, und Arbeitssuchende können an einem Stand der Maschinenringe ihre Referenzen abgeben. Kurios ist das, denn just am 2. Februar hatten bis in die 50er Jahre hinein Knechte und Mägde auf den Bauernhöfen oft ihre Dienstherren gewechselt. Martha Färber (86) aus Gaisdorf erinnert sich noch gut an den Trubel vor Lichtmess und an das Hin und Her im Dorf. In der Woche vor Lichtmess stopften auf dem elterlichen Hof in Gaisdorf die Mutter mit der Magd die Strohsäcke für das neue Gesinde. Zuvor war meist auch die Knechtskammer gestrichen worden.

An Lichtmess selbst wurden manche Knechte vom neuen Bauern mit einem "Bernawächele" abgeholt, erinnert sich Färber. Ein "Bernawächele" ist ein Pferdefuhrwerk mit Ladepritsche. Lachend erzählt sie, dass sie einmal auch gesehen hatte, wie ein Knecht vom künftigen Bauern mit dem Mistwagen abgeholt wurde. Die Habseligkeiten der Knechte umfassten meist nur das, was in einen hölzernen Koffer, eine Truhe, passte. Andere wiederum gingen zu Fuß zum neuen Herrn. Festtagsessen gabs an Lichtmess nicht, aber auch nicht bloß eine "Schüssel Spatzen", erinnert sich Martha Färber, sondern wohl auch Braten, um die neuen Knechte zu begrüßen.

Der Wallhäuser Geschichtsschreiber Otto Ströbel berichtet in seinem Buch "Feste und Bräuche der Hohenloher", dass an diesem Tag Fettgebackenes gab - rautenförmig geschnittenes Hefegebäck, teils als Schneidersfleck bezeichnet, teils als Spitzweck.

Neben der Magd gab es drei Knechte auf ihrem elterlichen Hof, berichtet Martha Färber: den "kleinen Knecht" - ein Bursche, der gerade aus der Schule gekommen war, den "mittleren Knecht" und den "Rossknecht", der quasi Chefknecht war. Arbeit gabs viel. Martha Färber zählt auf: Futter holen (im Sommer Gras vom Feld), misten, einstreuen, füttern, melken. Für Schweine wurden Kartoffeln gedämpft und gestampft, für die Kühe Getreide geschrotet, Rüben gehäckselt. Bis Lichtmess mussten auch die Drescharbeiten (auf der Tenne per Hand mit dem Flegel) abgeschlossen sein. Arbeitsbeginn war zwischen 5 und 6 Uhr. Das Frühstück - eine Milchsuppe, Kaffee und Brot - gab es zwischen halb acht und acht Uhr. Von diesem Arbeitsrhythmus rührt folgender Spruch her: "Lichtmess - bei Tag ess", denn Anfang Februar geht gegen 7.49 Uhr die Sonne auf, berichtet Wetterbeobachter Martin Melber aus Westheim - 25 Minuten früher als an Weihnachten.

An Lichtmess wurde auch der Jahreslohn ausgezahlt, Pachten und Zinsen beglichen. "Mein Vater hat immer zwei Hummel (Mastbullen) verkauft, um die Knechte auszuzahlen", erinnert sich Martha Färber. Neben Geld gab es Schuhe, Hosen und für die Mägde Schürzen. Ausgehandelt wurden die neuen Stellungen von den Knechten oft auf den Säumärkten (in Hall samstags erst beim Säumarkt, später auf dem Haalplatz) oder anschließend in Wirtshäusern. In der Zeit des Nationalsozialismus kam der Wandel: Knechte fanden teilweise besser bezahlte Arbeit etwa beim Straßenbau, später zogen sie als Soldaten ins Feld. Auf den Höfen halfen erst Zwangsarbeiter, später Flüchtlinge aus. Und parallel lief die Mechanisierung. Jüngst war Martha Färber mit ihrem Enkel in der Scheune. "Oma, man muss nur noch sKnöpfle drücken", habe der ihr die heute übliche Arbeitsweise erklärt.

Und was bedeutet Lichtmess für Martha Färber heute? Nicht mehr viel, sagt sie. Aber sie freut sich, dass die Tage wieder heller sind, die Sonne länger scheint.

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