Lokführerstreik verläuft glimpflich in Crailsheim und Hall

"Es hat mich selber überrascht. Am Dienstagabend sind auf der Murrbahn doch mehr Züge gefahren, als zu erwarten war." Das sagte ein Bahnsprecher nach Ende der Streikaktion am gestrigen Mittwochmorgen.

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Dienstag, kurz nach 21 Uhr am Bahnhof Hessental: Der Zug aus Stuttgart kommt pünktlich. Einige Fahrgäste eilen zum Anschlusszug nach Öhringen. Er herrscht noch fast Normalbetrieb.  Foto: 

Die Gewerkschaft Deutscher Lokführer hatte ihre Beschäftigten von Dienstag, 21 Uhr, bis Mittwoch, 6 Uhr, zum Streik aufgerufen. Zu gravierenden Störungen sei es nicht gekommen, so der Bahn-Sprecher. Am Bahnhof Hessental ist der Zug aus Stuttgart um 21.02 Uhr eingetroffen. Auch der Anschlusszug nach Öhringen ist um 21.06 Uhr pünktlich abgefahren, berichten Fahrgäste.

Am Mittwoch ist der Zug um 5.50 Uhr von Crailsheim über Hessental nach Heilbronn ebenfalls pünktlich unterwegs gewesen. "Die Bahnstrecke nach Heilbronn war bei Streiks immer weniger betroffen als die nach Stuttgart", erklärt eine Mutter, deren Sohn täglich mit der Bahn nach Heilbronn fährt. Sie hat für die Streikaktion kein Verständnis. "Diesmal geht es dabei vor allem um Machtpositionen innerhalb der Gewerkschaften", vermutet sie.

Inma Sierra, eine Spanierin, die seit einem Jahr beruflich zwischen Hessental und Stuttgart pendelt, hatte sich per Bahn-App über die Abfahrtszeit ihres Zuges informiert. Der fährt eigentlich um 8.14 Uhr, hatte aber, wie per App gemeldet, 25 Minuten Verspätung. Tatsächlich waren es dann 30 Minuten. "Wer wollte nicht fünf Prozent mehr Lohn haben", meint die junge Frau. Dennoch fällt es ihr schwer, richtig Verständnis für den Streik aufzubringen.

"Im ländlichen Raum ist die Gewerkschaft Deutscher Lokführer offensichtlich nicht so gut organisiert wie in Ballungsräumen. Vielleicht sind auch mehr Beamte als Lokführer unterwegs gewesen", mutmaßt der Sprecher der Bahn. Wieviele Züge auf der Murrbahn tatsächlich ausgefallen sind, vermag er nicht zu sagen. Jetzt müsse verhandelt werden, lautet sein Rat.

Walter Feucht ist von dem jüngsten Bahnstreik alles andere als begeistert. "Natürlich habe ich dafür kein Verständnis, wenn das zu meinem Nachteil ist." Der Fichtenberger pendelt täglich zu seiner Arbeitsstelle nach Stuttgart. Dem jetzigen Bahnstreik hat er aber recht optimistisch entgegengesehen. "Vielleicht muss ich mit einer kleineren Verzögerung rechnen. Mein Zug geht um 6:37 Uhr, so um kurz nach halb 8 müsste ich also in Stuttgart sein."

"Alle fahren mit dem Auto - die B 1 ist voll"

Der Fichtenberger Polizist Martin Deiß hat sich mit den Streiks der Bahn abgefunden. "Aufregen hat keinen Sinn mehr bei der Bahn. Die Preise erhöhen sie, aber der Komfort wird nicht besser." Auch er pendelt täglich nach Stuttgart. Falls die Züge heute ausgefallen wären, wäre er mit dem Motorrad gefahren, allerdings nur bei gutem Wetter. "Wenn die Züge nicht fahren, ist jeder mit dem Auto unterwegs. Die B 14 ist voll." Wenn das Wetter also nicht motorradtauglich ist, könne er bei Streiks gleich Urlaub nehmen. "Wenn ich Pech habe, geht bei so etwas gleich eine halbe Woche Urlaub drauf."

Die Vertriebsangestellte Alice Knupfer ist am Mittwoch vorsorglich gleich mit dem Auto zur Arbeit nach Crailsheim gefahren. "Normalerweise fährt mein Zug um 6 Uhr in Stuttgart los. Um diese Zeit sollte allerdings der Streik erst enden. Deshalb habe ich beschlossen das Auto zu nehmen, nachdem ich gestern von dem Ausstand der Lokführer erfahren habe. Ich wollte doch lieber auf Nummer sicher gehen", sagt Alice Knupfer. Wenn alles normal läuft, verlässt ihr Zug um 6.38 Uhr den Fichtenberger Bahnhof und kommt gegen 7.10 Uhr am Crailsheimer Bahnhof an. Heute wird sie wieder mit der Deutschen Bahn unterwegs sein und hofft, "dass sich die Kontrahenten bald einigen und nicht mehr allzu viele Streiksituationen auf uns Pendler zukommen werden."

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