Literarische Straße

Ob Kunstgeschichte oder Apartheid: Löwensteiner Schriftsteller haben schon diverse Bücher veröffentlicht. Die Landschaft regt ihre Fantasie an.

|

Es sind nur neun Häuser, dafür haben die Menschen der Löwensteiner Straße Seemühle einen wunderschönen See direkt vor ihrer Haustüre, inmitten einer fantastischen Landschaft. Unter den 34 Bewohnern dieser Straße sind drei Autoren.

Marion Hermann-Röttgen und ihr Mann Herwarth (82) haben sich hier einen Traum erfüllt, ein Refugium neben Bad Cannstatt aufgebaut. Sie, eine Hamburgerin, kam als Professorin, Logopädin und Literaturwissenschaftlerin mit viel Leben in Berührung. Er lacht gerne, ist ein passionierter Kunsthistoriker, lebte in Rom und war zuletzt zwei Jahrzehnte Ordinarius am Institut für Kunstgeschichte in Stuttgart. Das Ehepaar kann tief schöpfen, wenn es darum geht, wissenschaftliche Texte zu verfassen, schön bebilderte Kunstbände herauszugeben oder aber Kurzgeschichten zu schreiben.

Dass auch Rolf Jeblick angefangen hat zu schreiben und jetzt mit "Tunakler" die Geschichte eines Besatzungskindes veröffentlicht hat, daran ist das rührige Paar nicht unschuldig. Jeblick hat nicht weniger interessante, aber andere Dinge erlebt. Etwa in seiner Kindheit, als er als Sohn eines französischen Soldaten tunesischer Herkunft bei Pflegeeltern aufwuchs und es immer wieder Prügel setzte. Oder später, als er aus beruflichen Gründen durch ganz Europa und bis nach Südafrika zog, auf Baustellen und Raffinerien arbeitete, wo er hautnah die Apartheid mitbekam. Parkbänke für Weiße und Schwarze, Züge für Weiße und Schwarze: "Ich habe das alles erlebt", sagt er und schüttelt den Kopf. Mit 58 Jahren ging er in den Vorruhestand und machte sich selbstständig. Auf der Suche nach einem schönen Haus wurde er in der Seemühle fündig. Als Nachbarn haben sich Röttgens und Jeblicks sofort verstanden, waren sich sympathisch. Dem 67-Jährigen haben die Stuttgarter immer gerne zugehört. Als Rolf Jeblick den beiden sein Leben erzählte, rieten sie ihm es aufzuschreiben. Er könne es nicht, hat Jeblick geantwortet. Heute sagt er: "Ich habe nicht gewusst, dass mir das liegt."

"Schreiben macht Vergnügen. Man kann sich von sich selbst distanzieren", sagt Marion Röttgen. Ihr Mann Herwarth hat nun den zweiten und dritten Band über Maler Giuseppe Cesari DArpino vorgelegt. "1500 Seiten in seinem Alter", sagt seine Frau lachend und schaut ihn von der Seite an.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Multiresistente Keime beunruhigen

Eine Fragestunde im Langenburger Rat löst Stellungnahme zur Wasserqualität der Jagst aus. Der Landkreis Hall gilt mit 424.418 Tieren als „Schweinehochburg“. weiter lesen