Liebe wächst wie Weizen. . .

Gedanken zu Gründonnerstag und Karfreitag von Pfarrer Florian Lampadius

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"Frau, siehe, das ist dein Sohn" vermittelte Jesus seiner Mutter, als er bereits am Kreuz hing - Zeichen der Liebe. Privatfoto

von der evangelischen Kirchengemeinde Ellrichshausen

Liebe wächst wie Weizen . . . und ihr Halm ist grün - Ein Sprachbild aus einem englischen Passionslied mag uns anleiten über den Tiefsinn des Leidensweges Jesu nachzudenken. Aus dem Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt, entspringt der Keim. Und der Weizenhalm, der schließlich zutage tritt, bleibt verletzlich; er kann zusammengetrampelt oder von einem Unwetter gebeugt und gebrochen werden. Aber wir schauen und staunen bei diesem Gleichnis der Natur doch über den unbändigen Lebenswillen und die große Kraft, die in dem Weizenkorn steckt.

Wir staunen und spüren, dass der Tod, im Bild: das dunkle Erdengrab nichts sein kann als ein Durchgangsstadium. Denn das Leben drängt hin zu weiterem Leben, lässt sich nicht tödlich sicher einsargen, gibt sich nicht ab mit der scheinbaren Endgültigkeit des Todes. Immer und immer wieder bahnt es sich einen Weg und hilft uns durch düstere Durchgänge unseres irdischen Daseins hindurch. Ja, die Ahnung vom unbändigen Wunder Leben durchlichtet unsere undurchsichtigen, bangen und angstvollen Momente und Situationen.

Davon geben auch die Evangelien ihr Zeugnis. Bei der Einsetzung des Abendmahls am Gründonnerstag gibt Jesus, der doch seinem Kreuzestod entgegengehen muss, den Jüngern das Zeichen der liebevollen Gemeinschaft, das Gedächtnis, das weit über den Tod hinausreicht. Der Bericht der Fußwaschung ist ebenso als Lebens- und Liebesgabe Jesu zu verstehen, die sich den Jüngern tiefer einprägen soll als alles nachfolgende Leiden. Und selbst am Kreuz vermittelt Jesus Menschen miteinander, wenn er zu seiner Mutter sagt: "Frau, siehe, das ist dein Sohn!" und seinem Jünger bedeutet: "Siehe, das ist deine Mutter!" Nicht die resignierte Beziehungslosigkeit und der grausame Martertod sind das letzte Wort, sondern die Zeichen und Worte der Liebe sollen in die Erinnerung eingehen.

Das Zeugnis der Evangelien von diesen Durchgangstagen Gründonnerstag und Karfreitag findet auch in unseren Tagen Resonanz und Fortsetzung. Etwa, wenn engagierte Christen nicht müde werden im Kampf gegen den Uranabbau und seine Folgen in Tansania, auch wenn sich da scheinbar nichts bewegen lässt. Wenn Menschen in der Sterbebegleitung nicht lockerlassen, gemeinsam mit den Sterbenden dieser letzten Wegstrecke doch noch Licht abzugewinnen, auch wenn andere achselzuckend fragen, was das denn jetzt noch bringen mag. Wenn Kinder darangehen, die Welt durch ein großes Baumanpflanzungsprojekt zu retten, auch wenn andere sich angesichts der Vielzahl von Katastrophen längst mit dem Weltuntergang abgefunden haben, komme er früher oder später.

"Liebe wächst wie Weizen . . . und ihr Halm ist grün." Das mag, je nach Betrachtungsweise, dem einen wie ein schwacher, idealistischer Hoffnungsschimmer vorkommen und dem anderen ein Zeichen dafür sein, dass die Kraft der Liebe die Welt zum Guten wenden kann.

Aus dem Erleben der "Durchgangstage" Gründonnerstag und Karfreitag, aus dem Nachvollziehen der biblischen Texte wächst uns Christinnen und Christen die Kraft zu, uns immer wieder Gott, dem Lebendigen anzuvertrauen. Sein Weg mit uns stuft alles Lebensfeindliche auf unserer Daseins-strecke zum Vorläufigen herab. Die Auferstehung und das ewige Leben dagegen sind unser Ziel: "Hin ging die Nacht, der dritte Tag erschien, Liebe wächst wie Weizen . . . und ihr Halm ist grün."

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