Lichtumflorter Gottesblick Altar in Gammesfeld ist 300 Jahre alt

Seit 300 Jahren steht der Friedensaltar in der Gammesfelder St. Nikolauskirche. Das Jubiläum wurde von der Kirchengemeinde kürzlich mit einem Orgelkonzert und einem Empfang gewürdigt.

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Pfarrer Norbert Seibold erklärt den Friedensaltar im gotischen Chor, dem ältesten Teil der Gammesfelder Nikolauskirche.  Foto: 

Als vor 300 Jahren in Rastatt das Ende des Spanischen Erbfolgekrieges zwischen Frankreich und Österreich beschlossen wurde, reagierte man auch im Hohenlohischen darauf. Für die St. Nikolauskirche in Gammesfeld entstand ein Friedensaltar, der auf den alten, wahrscheinlich aus gotischer Zeit stammenden Altar aufgebaut wurde. Der Name des Künstlers ist bisher unbekannt. Auffällig sei aber, so Pfarrer Norbert Seibold, eine Verwandtschaft zu den Schnitzereien des Altares in der evangelischen Kirche von Brettheim.

In den nächsten Jahren werden nach der Außenrenovierung ausreichend Finanzmittel für die Innenrenovierung und damit für den Altar übrig bleiben, hofft Seibold, sodass im Zuge dessen vielleicht ein Künstler herauszubekommen ist. 1801 wurde der Altar schon einmal renoviert. Damals dürften wahrscheinlich die vier Evangelisten in den Ecken des Altar-Hauptteils sowie der Spruch aus dem Johannesevangelium "Friede sei mit Euch" direkt unterhalb des Gottesauges hinzugekommen sein. Neun Jahre später folgten noch zwei Amphoren vor dem Altar, eine davon der Taufstein - ähnlich wie in Kirchen der Umgebung.

Eine Besonderheit des Altars ist das erwähnte Gottesauge. Wenn morgens die Sonne durch das Altarfenster hinter dem Altar dringt, fällt der Strahl auch durch den oberen, grünlich gefärbten Teil des Fensters. Da das Auge ebenfalls aus einer Glasscheibe besteht, blickt es damit in besonderem Licht über das "Friede sei mit euch" hinweg auf die Gemeinde.

Im Zentrum des Altars sind als geschnitzte und bemalte Figuren der gekreuzigte Jesus, umgeben von Maria und Johannes, zu sehen. Früher habe sich dahinter eine gemalte Ansicht Jerusalems befunden, erklärt Norbert Seibold. Die sei aber entfernt worden, weil das Gemälde am Ende ganz zerfressen gewesen sei. Leider gebe es nur eine sehr unscharfe Fotografie von diesem Gemälde, sodass es nicht mehr rekonstruierbar sei.

Auf der linken Seite findet sich die Auferstehungsszene und auf der rechten das letzte Abendmahl. Unter der Kreuzigungsdarstellung sind noch zwei kleine Gemälde angebracht: die Verkündigung an Maria und die Anbetung Jesus durch die Hirten. Außerdem finden sich überall um diese Bilder und die Kreuzigung herum geschnitzte und gemalte Abbildungen von Früchten: heimische wie Äpfel und Trauben.

Aber auch der Granatapfel: Seine Bedeutung sei als Frucht des Paradieses zu sehen, aber ebenso als Symbol für ein erfülltes und gesegnetes Leben. Darüber hinaus machten die Künstler mit seiner Hilfe deutlich, ob sie so für ihr Werk bezahlt wurden, wie es ausgemacht war. Erhielten sie weniger, wurde der Granatapfel geschlossen dargestellt, weiß Norbert Seibold zu berichten. In Gammesfeld hat man also offensichtlich bei der Begleichung der Rechnung nicht gegeizt.

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