Leidenswege werden sichtbar

Zum Kreuzweg der Frauen waren am Karfreitag erstmals auch Männer aller Konfessionen eingeladen. Das Team des Bezirksarbeitskreises Frauen im Dekanat Blaufelden hatte sechs Stationen vorbereitet.

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Trotz winterlicher Temperaturen machten sich über 50 Teilnehmer auf den Weg durch Blaufelden. Der Kreuzweg verband die biblischen Texte der Passionsgeschichte mit Stationen, an denen zum Thema "durchkreuzte Wege" Leidenswege von Frauen sichtbar und hörbar gemacht wurden.

Am Bahnhof wurden die Teilnehmer daran erinnert, dass hier einerseits ein Ausgangspunkt für Reisen sein kann, aber andererseits auch Endstation - zum Beispiel für die Bewohner des Asylbewerberwohnheims auf der anderen Seite der Gleise.

Vor der Metzgerei Fritz machten sich die Teilnehmer bewusst, dass dies ein typischer Einkaufsort für Frauen ist. Die Metzgerei stehe aber nicht nur für die Nahrung, sondern auch für alles, was Frauen in ihren Familien leisteten. Am Dekanat wurde daran erinnert, dass hier der Glaube "organisiert" wird. Pfarrer und Pfarrerinnen haben hier ihre Dienstbesprechungen, Gottesdienste werden geplant und das Leben im Kirchenbezirk wird organisiert. Es geht hier um Fragen, die oft die Arbeit von Frauen betreffen, sind sie es doch, die sich in Besuchsdiensten, Frauenkreisen, der Weltgebetstags- und Chorarbeit und vielem mehr engagieren. Verantwortung für den Nächsten übernehmen und den christlichen Glauben deutlich machen, ist den Frauen in der Regel dabei besonders wichtig.

Unterschiedliche Gefühle beschlichen die Teilnehmer bei der nächsten Station, der DRK-Rettungswache. Der eine dachte hier vielleicht an die Hilfe in der Not, andere vielleicht an die Trauer in dem Moment, in dem ein Angehöriger fortgebracht wurde, der dann nicht mehr wiedergekommen ist.

Beim Seniorenheim mit Blick auf das Neubaugebiet standen die Teilnehmer am Kreuzungspunkt zwischen Jung und Alt. Etwa 2,5 Millionen Menschen werden bundesweit als pflegebedürftig eingestuft. Mehr als zwei Drittel davon werden zu Hause versorgt, meist von Angehörigen. 75 Prozent davon sind Frauen, die ihre Eltern, Schwiegereltern, Ehemänner oder Kinder pflegen. Dazu kommen ungezählte Frauen aus Osteuropa, die als Pflegekräfte arbeiten.

Nach letzten Kyrie-Rufen und Flötenstücken, die fünf Blaufeldener Flötistinnen spielten, führte der Weg in die Ulrichskirche, in der die Teilnehmer von Organistin Else Bach auf den Abschluss eingestimmt wurden. In diesem Jahr gedachten die Frauen hier sowohl der Menschen im gebeutelten Japan, aber auch der Menschen, für die der Tod immer präsent ist: durch Hunger, Krieg oder Gewalt. Als Zeichen für all die Menschen, die man im Laufe des Jahres schon dem Tod übergeben musste, ließen die Frauen auch hier in der Kirche einen letzten Stein liegen.

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