Lehrer lernen Putenmastbetriebe in der Region kennen

Putenfleisch - von vielen begehrt, doch die wenigsten wissen, wie ihr Steak produziert wird. Die Tierarztpraxen Kruse und Wesselmann boten eine Lehrerfortbildung in Geflügelbetrieben an.

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  • Lehrerfortbildung in Schutzkleidung: Deniz Tekin und Sandra Berger beobachten die Küken im Putenmastbetrieb in Leofels. Foto: Linda Galumbo 1/2
    Lehrerfortbildung in Schutzkleidung: Deniz Tekin und Sandra Berger beobachten die Küken im Putenmastbetrieb in Leofels. Foto: Linda Galumbo
  • Im Demeter-Geflügelmastbetrieb in Mäusdorf. 2/2
    Im Demeter-Geflügelmastbetrieb in Mäusdorf. Foto: 
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"Lehrer sind die Multiplikatoren in unserer Gesellschaft. Deshalb möchten wir sie möglichst vorurteilslos informieren und aufklären", gibt Tierarzt Stefan Wesselmann aus Wallhausen als Intention der Fortbildung auf den beiden Putenbetrieben Wackler in Leofels und dem Brunnenhof in Mäusdorf an. Außerdem stellt Wesselmann fest, dass heutzutage eine regelrechte Entfremdung zwischen Landwirtschaft und dem Verbraucher bestehe.

Viele hätten ein Bild mit einer grünen Wiese im Kopf, möchten das Putensteak möglichst preiswert kaufen und dafür die beste Qualität erhalten. Dass das nicht funktioniert, ist klar. Aber dass auch die Landwirte das Bestmögliche für ihre Tiere wollen, wurde den Lehrern bei der Besichtigung des konventionell geführten Putenmastbestandes ebenso klar wie auf dem ökologisch geführten Geflügelmastbetrieb.

Der Landwirt Jens Wackler (27) hat den Familienbetrieb in Leofels übernommen. Wie viele Puten leben gerade auf dem Hof? Wie lange dauert die Mast? Dies waren nur einige Fragen der Teilnehmer, denen Wackler Rede und Antwort stand.

Seit 2001 ist der Hof ein spezieller Putenmastbetrieb, der derzeit insgesamt 19 000 Mastplätze bietet. Die Aufzucht dauert circa zehn Wochen, die Mast elf Wochen. Die Puten verlassen den Betrieb mit rund 20 Kilo. Erstaunlich war die Reaktion aller Beteiligten, als Jens Wackler den Betrag nannte, den er an einer Pute verdient: einen Euro nämlich. "In der Geflügelmast geht es um Cent-Beträge", so der Landwirt.

Wegen der Infektionsgefahr betraten die Lehrer mit Schutzkleidung die 2000 Quadratmeter große Halle, wo 6000 Küken ihr Domizil haben. Laut Tierarzt Wesselmann ist das keine Tierquälerei. Die beginne, "wenn es den Tieren schlecht geht und sie nicht gesund wachsen. Jeder Landwirt gibt sich Mühe, egal, ob er für den kleinen Genussmarkt oder für den großen allgemeinen Verbrauchermarkt produziert - beide muss es ja schließlich geben", sagt Stefan Wesselmann.

Im Kontrast dazu stand der ökologische Geflügelmastbetrieb Brunnenhof in Mäusdorf von Caroline und Maik Noz. Als einziger Puten-Demeter-Betrieb in Deutschland mit einem Partner in Pforzheim unterliegen die Eigentümer strengen Kontrollen und Richtlinien wie Hofgespräche oder stetige Überprüfung der Futtermittel. Auf dem Brunnenhof wird alles aus eigener Hand erledigt: Aufzucht, Futterherstellung, Schlachtung, Zerlegung und die Vermarktung.

"Wir überleben nur, weil unser Markt breit gefächert ist", betont Maik Noz. "Wir haben Kunden von der alleinerziehenden Mutter bis hin zum Porschefahrer", so Noz weiter.

Eine Erhöhung des einprozentigen Anteils von Bio-Puten auf dem Markt sei eine Wunschvorstellung und könne nur Realität werden, wenn der Verbraucher bereit sei, Lebensmittel tierischen Ursprungs zu achten und zu bezahlen, fügt Wesselmann hinzu. Allein der Verbraucher entscheide über ökologische oder konventionelle Produkte.

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