Landrat bleibt hart: Otterbachbrücke bei Oberscheffach ist ausreichend gesichert

Macht eine Leitplanke eine Straße sicherer? Das Landratsamt bleibt hart: Die Otterbachbrücke, an der im Juni ein junger Motorradfahrer starb, sei sicher genug. Ein Vermittlungsgespräch ist gescheitert.

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Vier Tafeln stehen nun an der Otterbachbrücke bei Oberscheffach, mit roten Pfeilen auf weißem Grund: sogenannte "Kurvenleittafeln" hat das Landratsamt aufstellen lassen, nachdem dort ein Motorradfahrer tödlich verunglückte. "Sie verdeutlichen den Kurvenverlauf bei Tag und Nacht", teilt das Landratsamt mit. "Dadurch kann sich der Verkehrsteilnehmer jederzeit frühzeitig auf die kommende Kurve einstellen und seine Fahrweise anpassen." Etwa 600 bis 700 Euro hätten die Schilder gekostet.

"Das ist eine geringfügige Verbesserung", sagt der Ilshofener Rudolf Arnold. Zufrieden ist er aber nicht: Noch lieber sähe er eine Leitplanke, die seinem im Juni dort verunglückten Enkel vielleicht das Leben gerettet hätte. Doch dies verwehrt ihm Landrat Gerhard Bauer.

Ein Schlichtungssgespräch kurz vor Weihnachten, das der Ilshofener Bürgermeister Roland Wurmthaler vermittelt hatte, half nicht weiter. "Der Landrat verharrt auf seinen Positionen", berichtet Arnold. Der Ilshofener SPD-Kreisrat Rudi Fischer, der Arnold ins Landratsamt begleitet hatte, bestätigt: "Der Landrat war nicht bereit nachzugeben."

Von einem Schlichtungsgespräch könne keine Rede sein, erklärt Landratsamtssprecher Steffen Baumgartner. Darüber hinaus will er sich aber nicht äußern, "da es sich um ein persönliches Gespräch handelte". Für die Behörde steht jedoch fest: Eine Leitplanke sei nicht nötig, "weil die Kurve bereits durch Verkehrszeichen und Kurvenleittafeln ausreichend gesichert ist".

Arnold ist überzeugt: Die Kurvenleittafeln hätten seinem Enkel nichts genützt. "Es geht nicht um Schuld. Ich sage ja nur: Da ist eine Gefahrenstelle übersehen worden." Was, wenn es noch mehr solcher gefährlicher Stellen im Kreis gibt, die unerkannt bleiben? Kreisrat Fischer findet es unverständlich, dass frisch sanierte Kreisstraßen in der Umgebung meist sehr gut abgesichert sind, alte Straßen aber nicht.

Arnolds Unterstützerkreis hatte zwischenzeitlich die Idee, sich mit einer Bürgerinitiative für eine Leitplanke einzusetzen. Davon hält das Landratsamt nichts: Würden Bürger eine solche installieren, habe der Landrat ihm erklärt, würde er diese wieder entfernen lassen, berichtet Arnold. Eine Bürgerinitiative könne keine rechtliche Anordnung erlassen, teilt Behördensprecher Baumgartner mit. Die sei Aufgabe einer Verkehrsschaukommission. "Zudem brauchten wir keine Bundes- oder Landesgesetze mehr. Willkürliche Entscheidungen könnten wir also nicht mehr verhindern."

Landrat Bauer erstarre in seinen Zuständigkeitsregeln, meint Arnold. Im Gespräch sei ihm klar geworden: "Er kann da einfach nicht davon abrücken." Dass Arnold sich gleichzeitig an die Zeitung wandte, damit sein Anliegen nicht in einer Schublade des Landratsamts verschwindet, ist offenbar das eigentliche Problem. "Das war das, was den Landrat sauer gemacht hat", spürte auch Fischer im Gespräch. Leserbriefe beantworte er grundsätzlich nicht, hatte Landrat Bauer im Herbst sowohl Arnold als auch dem Kreistag erklärt.

"Ungeschickt" sei dies, urteilt Arnold. Er vermutet, dem Landrat wäre es lieber gewesen, er hätte sich im Stillen an ihn gewandt. Behördensprecher Baumgartner verspricht auf Nachfrage: "Jeder Bürger, der ein Anliegen an die Kreisverwaltung richtet, erhält eine Antwort." Man könne sich jederzeit schriftlich oder persönlich an den Landrat wenden.

Nach dem Gespräch will Arnold weiterhin für seine Sache kämpfen. In seiner Not wandte er sich inzwischen an den ADAC. Bürgermeister Wurmthaler ist den Kontrahenten dankbar, dass sie sachlich miteinander gesprochen haben. "Jetzt warte ich ab, ob sich noch etwas bewegt."


Tödliches Unglück
Im vergangenen Juni war der 18-jährige Enkel Rudolf Arnolds bei Dunkelheit mit dem Motorrad auf der Kreisstraße 2665 unterwegs und aus ungeklärter Ursache in den Abgrund gestürzt, ohne Spuren zu hinterlassen. Am nächsten Morgen wurde er tot aufgefunden. Auf seinen zweiten offenen Brief an Landrat Gerhard Bauer erhielt Arnold die Antwort, es würden Kurvenleittafeln installiert, aber keine Leitplanke. Im Herbst diskutierte darüber der Kreistag. Dieser sei nicht zuständig, hatte Landrat Bauer erklärt.

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