Landgemeinden bald ohne Arzt?

Die Entwicklung war bekannt, doch jetzt liegen die Daten vor: Die Zahl der niedergelassenen Hausärzte im Kreis Hall wird sich stark reduzieren. Dies wurde bei der Gesundheitskonferenz bekannt gegeben.

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Die Daten hat das Gesundheitsamt per Umfrage bei den im Kreis niedergelassenen Ärzten erhoben, berichtete Dr. Eva König, stellvertretende Gesundheitsamtsleiterin bei der Versammlung im Haller Landratsamt. Landesweit sind rund 19000 Mediziner als niedergelassene Ärzte tätig. Von diesen sind 8765 im Alter zwischen 55 und 65 Jahre alt (46 Prozent). Diese werden großteils im Lauf der nächsten zehn Jahre ausscheiden. Im Alter zwischen 40 und 49 rücken 5446 Mediziner nach (etwa 29 Prozent).

Die landesweite Entwicklung spiegelt sich im Kreis wieder. 113 Hausärzte gibt es aktuell im Kreis, an der Befragung beteiligten sich 86 Ärzte (78 Prozent). Aktuell sind von 42 im Alter von 51 bis 60, 18 im Alter von 61 bis 65 Jahren und fünf über 65. Von befragten Hausärzten wollen 27 noch fünf Jahre lang praktizieren, 35 noch zehn Jahre lang und 16 noch länger als zehn Jahre. Eine Reihe an Ärzten will länger als bis 65 Jahre arbeiten. Unterm Strich heißts dennoch: Von den 86 befragten Ärzten hören 62 in den nächsten zehn Jahren auf.

Wie sieht es mit Nachfolgern aus? Neun haben bereits einen Nachfolger gefunden, 21 Ärzte haben sich bisher vergeblich bemüht. Nach Einschätzung der befragten Mediziner, hat die klassische Einzelpraxis nur eine geringe Chance. Die meisten gehen davon aus, dass sich die nachfolgenden Mediziner in Zentren niederlassen - meist im Team mit anderen oder als angestellter Hausarzt.

In der Versammlung herrschte nach der Präsentation zunächst Schweigen. Dr. Helmut Kopp, Vorsitzender der Crailsheimer Ärzteschaft, meinte, dass die Situation im Altkreis Crailsheim noch "deutlich dramatischer" sei. In Crailsheim praktizierten unter anderem drei Hausärzte, die über 65 Jahre alt sind, in Satteldorf ein 70-jähriger. Die medizinische Versorgung könne ganz schnell wegbrechen. Ähnlich sehe es bei den Pflegediensten aus. "Die Patienten werden sich darauf einstellen müssen." Diese Entwicklung bestätigte Schwester Margarete Mühlbauer, Geschäftsführerin der ambulanten Pflegedienste des Haller Diakoniewerks.

Eine andere Sichtweise zeigte Elisabeth Körber-Kröll auf. "Wir müssen anders denken", sagte die Vorsitzende der Haller Kreisärzteschaft sagt. " Nicht mehr jedes Dorf hat seinen Laden und seine Schule. Ähnlich ist es im medizinischen Bereich." Die Versorgung der Patienten in Großpraxen sei nicht schlechter als über Einzelpraxen vor Ort.

Die Situation sei "erschreckend", sagte der Langeburger Bürgermeister Wolfgang Class, der sich seit Jahren vergeblich darum bemüht, einen Hausarzt für seine Stadt zu bekommen. Wenn es nicht gelänge, Ärzte aufs Land zu bekommen, "muss man schauen, wie man die Patienten zu den Ärzten kriegt". Landrat Gerhard Bauer will mit den Bürgermeistern Lösungen suchen. Zudem sei "die Politik" gefordert. Über den Landkreistag werde er versuchen, Einfluss zu nehmen.

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