Landesverband kündigt Schließung an - Ortschaftsrat setzt sich für Zuschuss ein

"Ein Schock" ist für Stimpfachs Bürgermeister Matthias Strobel die Mitteilung, dass die Jugendherberge Rechenberg zum Jahresende geschlossen werden soll. Der Ortschaftsrat unternimmt Rettungsversuche.

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Nach derzeitigem Stand beschlossene Sache: Die Jugendherberge im Schloss Rechenberg soll zum Jahresende geschlossen werden.  Foto: 

"Davon war im Oktober keine Rede", ist Bürgermeister Strobel von der im Dezember beschlossenen und jetzt bekannt gewordenen Schließung der Jugendherberge Rechenberg überrascht und geschockt. Vor drei Monaten hatten sich der Stimpfacher Gemeinderat und Karl Rosner, Geschäftsführer des Jugendherbergswerkes Baden-Württemberg, im Schloss Rechenberg getroffen. Anlass: Die Juhe soll für einen Million Euro saniert werden und die Gemeinde soll sich mit 250.000 Euro an dieser Investition beteiligen. Im Gegenzug werde für die Herberge eine Bestandsgarantie über mindestens 20 Jahre gegeben, so das Angebot des Trägers.

"Für uns ein nicht darstellbarer Betrag", wie Bürgermeister Strobel bei der Ortschaftsratssitzung am Montagabend mit Hinweis auf die finanzielle Situation der Gemeinde und die vielen Pflichtaufgaben nochmals deutlich machte.

Der Bürgermeister wollte über ein finanzielle Unterstützung von 125.000 Euro und eine "materielle Beteiligung", nämlich den Ausbau der Schloßstraße, verhandeln. Später wurde vom Jugendherbergswerk eine Beteiligung von 165.000 Euro gefordert, dann im Gemeinderat über 120.000 Euro diskutiert - und ein Investitionszuschuss für die Sanierung mit sehr deutlicher Mehrheit abgelehnt.

Ob diese ablehnende Haltung des Gemeinderats, der Investitionsrückstau von 80 Millionen Euro und/oder weitere Gründe den Ausschlag dafür gegeben haben: Der Vorstand des Landesverbandes hat jedenfalls im Dezember beschlossen, die Jugendherberge Schloss Rechenberg nun doch nicht zu sanieren und die Einrichtung zum Jahresende zu schließen. Diese Botschaft schockte nicht nur den Bürgermeister, sondern ließ auch beim Rechenberger Ortsvorsteher Albert Gräter die Alarmglocken schrillen, weshalb er das Thema auch sofort auf die Tagesordnung der ersten Ortschaftsratssitzung im neuen Jahr setzte.

Was als "aktueller Sachstand" auf der Tagesordnung angekündigt war, begann mit einer von Wiederholungen geprägten Stellungnahme des Ortsvorstehers, wurde zu einem Dialog zwischen ihm und dem Bürgermeister und mündete in einen Zuschussantrag. Auch Gräter zeigte sich geschockt, zum einen, weil sich der Gemeinderat mit seinem ablehnenden Beschluss gegen die Jugendherberge ausgesprochen habe ("hier sagt man radikal nein, während man den Bau des Seniorenheimes großzügig unterstützt hat") und zum anderen wegen der vom Jugendherbergswerk angekündigten Schließung ("ein eiskaltes Schreiben"). Und er zeigte auch gleich den seiner Meinung nach einzig möglichen Weg auf, um das Ende der Herberge zu verhindern ("die Tür ist noch nicht zu"): Die Gemeinde Stimpfach gewährt dem Jugendherbergswerk doch noch einen auf drei Jahre verteilten Zuschuss von 165 000 Euro.

"Wir müssen hier unbedingt einlenken", um die Jugendherberge zu erhalten. "Da gibt es nichts anderes", unterstrich Gräter seine Forderung, und "hier wissen wir, was wir haben." Wenn die Einrichtung zumache und das Schloss veräußert werde, "wissen wir nicht, was dann auf uns zukommt". Deshalb sei ein Zuschuss die beste und auch billigste Lösung für die Gemeinde. Bürgermeister Strobel wandte sich entschieden gegen die Vermengung von Seniorenheim ("das ist eine Einrichtung für unsere Bürger") und Jugendherberge, die nicht zu den Pflichtaufgaben einer Gemeinde gehöre.

"Und trotzdem wollen wir alle die Herberge behalten", machte Strobel deutlich. Die Entscheidung des Gemeinderats habe sich keineswegs gegen die Einrichtung gerichtet, sondern gegen die "zu hohe Forderung". "Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll", sagte er zur angekündigten Schließung, die für ihn allerdings noch nicht ganz endgültig ist. "Geben sie mir einen neuen Handlungsauftrag", unterstrich Strobel schon eingangs der Sitzung seine Bereitschaft, die Gespräche mit dem Jugendherbergswerk wieder aufzunehmen. Nach dem einstimmigen Antrag des Ortschaftsrates (Strobel: "Mir war von Anfang an klar, mit welchem Votum ich hier rausgehen werde") soll der Gemeinderat (er tagt am 18. Februar) einen Investitionszuschuss von 165.000 Euro beschließen. Für Strobel stellen sich nach dieser Sitzung zwei Fragen: Können wir uns das leisten, und bleibt uns etwas anderes übrig?

Ob die Schließung selbst im Falle eines positiven Beschlusses des Gemeinderats noch zu verhindern ist? Wie das HT aus zuverlässiger Quelle erfahren hat, soll der zuletzt genannte Zuschuss von 165 000 Euro und der in Aussicht gestellte Ausbau der Schloßstraße bei der Mitte Dezember von der Vorstandschaft des Jugendherbergswerks getroffenen Entscheidung keine Rolle mehr gespielt haben.

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