Lakonischer Witz gegen schnaubende Aggression

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  • Der Künstler Hans Gerner arbeitete zehn Jahre lang als Lehrer in Crailsheim. Foto: HT-Archiv 1/2
    Der Künstler Hans Gerner arbeitete zehn Jahre lang als Lehrer in Crailsheim. Foto: HT-Archiv
  • Gerners letzte Karikatur vor der Haft: ein Schaf auf einer Hakenkreuz-Wiese. aus: "Mit der Setzmaschine in Opposition", Elster 2/2
    Gerners letzte Karikatur vor der Haft: ein Schaf auf einer Hakenkreuz-Wiese. aus: "Mit der Setzmaschine in Opposition", Elster
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Er war ein schmerzender Dorn im Fleische der Nationalsozialisten: Hans Gerner. Schon zehn Jahre vor der braunen Machtübernahme hatte der Künstler begonnen, die "Bewegung" - und vor allem ihren "Führer" - in zahlreichen Holzschnitten aufs Korn zu nehmen. Die schnaubende Aggression der Nazis konterte er mit lakonischem Witz und messerscharfem Urteil.

Zwischen 1922 und 1933 erschienen rund 400 seiner Karikaturen in der in Stuttgart verlegten "Sonntags-Zeitung". Diese beschrieb ihren Auftrag wie folgt: "Kämpft gegen Kirchentum, Kapitalismus, Krieg und Gewaltherrschaft, kämpft für Geistesfreiheit, Gemeinwirtschaft, Gerechtigkeit und Frieden. Sie ist deshalb: demokratisch, sozialistisch, pazifistisch, freigeistig."

Darüber hinaus veröffentlichte Gerner ein "Politisches Bilderbuch 1922-1926" (gedruckt bei Robert Baier in Crailsheim) und 1932 ein "Kleines Hitleralbum".

Gerner wurde am 7. Februar 1893 in Griesbach im Rottal bei Passau geboren - und kam nach seiner Ausbildung zum Lehrer im Jahre 1920 nach Crailsheim. Dort unterrichtete er bis 1930 an der Leonhard-Sachs-Schule. "Er war ein einfacher Mann, eingetragener Kommunist und von einem ganz großen sozialen Verständnis, einer, der meiner Veranlagung entgegenkam und mir die Liebe zum Musischen gab", erinnerte sich später Gerners früherer Schüler Kurt Hirschburger.

Gerners Holzschnitte lokaler Ansichten wie zum Beispiel der kleinen Dorfkirche in Bergertshofen oder der Hammerschmiede in Gröningen machten ihn zu einem gefragten Künstler in Hohenlohe. Und hier in der Provinz erdachte er auch das Gros seiner politischen Karikaturen. Bereits 1923 etwa veröffentlichte er unter dem Titel "Das ,Souvenir" das Bild einer großen Tabakpfeife mit Hitlers Konterfei auf dem Kopf. "Eine Hitlerpfeife sollte an keinem Stammtisch fehlen", lautete der spöttische Untertitel. 1932 zeigte Gerner den NSDAP-Chef als Kegler im "Wahllokal Deutschland" mit dem bissigen Kommentar "Der beste Schieber gewinnt".

Als Gerner Crailsheim in Richtung Bad Cannstatt verließ, schrieb der "Fränkische Grenzbote": "Außer in seiner Eigenschaft als geschätzter Lehrer war Hans Gerner der Öffentlichkeit durch seine Holzschnitte bekannt. Er fand als Holzschnitt-Künstler weit über die Grenzen Württembergs hinaus Beachtung und mancher Verlag machte sich seine Werke schon zu Nutzen."

Gerners Stimme verstummte nicht gleich nach dem 30. Januar 1933. Am 26. März noch erschien in der "Sonntags-Zeitung" eine Karikatur mit dem Titel "Frühlingsanfang". Sie zeigte ein Schaf auf einer mit Hakenkreuzen bewachsenen Wiese. Sein mutiger Spott wurde Gerner zum Verhängnis: Im April wurde er ins KZ Heuberg gebracht, nach seiner Entlassung zunächst nach Nürtingen, dann nach Aalen strafversetzt. 1943 trat der überzeugte Nazi-Gegner in die Partei ein, um Lehrer bleiben zu dürfen. Der Journalist Günther Wirth schrieb 1987: "Gewissensnöte und Scham mögen mit zu einem frühen Tod am 10. März 1946 beigetragen haben."

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