Kurios: Die "Baurebuewe" und der Bulldogreifen

Dies ist die wahre Geschichte von den "Baurebuewe" und dem Bulldogreifen - ein weiteres beredtes Zeugnis von der Schlitzohrigkeit des Hohenlohers, die zwar manchmal in Übermut umschlägt, aber immer mit Anstand gewürzt ist.

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Nun denn: Es war einmal - und das ist gar nicht lange her - da machten sich sieben Landwehr-Bauern zwischen 25 und 55 Jahren aus der Gemeinde Schrozberg auf nach Hannover, zur landwirtschaftlichen Ausstellung "Euro Tier". Sie tun das jedes Jahr und haben stilecht tierisch viel Spaß. Im ICE gibts den einen oder anderen Gerstensaft und auf der Messe kennt man den einen oder anderen Aussteller, der wiederum den einen oder anderen Gerstensaft ausschenkt. Wies halt ist.

Irgendwann freilich endet auch der schönste Messetag und in Hannover ist dieses "Irgendwann" um 18 Uhr - also austrinken, heimfahren, wie immer. Als unsere "Baurebuewe" (wie ein Teilnehmer die Gruppe selbst nennt) aber heuer beschwingt gen Ausgang schlenderten, da bauten die Aussteller schon ab und plötzlich lag etwas im Weg - womit wir beim Bulldogreifen wären: 1,80 Meter Durchmesser, 250 Kilogramm schwer.

"Wie lustig es wäre, das Gummi-Ungetüm ein paar Meter mitzurollen", sagten sich die Hohenloher - und tatens. Spätestens beim Hallen-Ausgang ist Schluss mit lustig, dachten sie. Doch das Sicherheitspersonal grüßte nur freundlich, öffnete die Tür und die Rollstuhlverriegelung. Und damit war der Reifen endgültig ins Rollen gekommen.

Der Hunger trieb die Gruppe samt Reifen über eine sechsspurige Straße in ein Schnellrestaurant. Dort wollten sie ihren neuen Freund zurücklassen, doch der Filialleiter schrie: "Mitnehmen!" Also nahmen sie ihn mit, zurück über die Straße, zum Ausgangspunkt - so der Plan. Die Messehalle aber war verschlossen. "Dann lassen wir ihn davor liegen", sagten die "Baurebuewe" und ein Sicherheitsmann schrie: "Mitnehmen!"

Also: Übers Messegelände mit Rolltreppen und Laufbändern, in den Zug zum Hauptbahnhof. Was folgt, ist ein Zeugnis von der Hilfsbereitschaft des Deutschen an sich und des Zugbegleiters im Besonderen sowie von der Begeisterung der Menschen für einen Bulldogreifen.

Der Schaffner des ICE Richtung Würzburg nämlich schloss unseren Helden eigens das Behindertenklo auf. Dort durfte der Reifen ruhen. Wobei es mit der Ruhe bald vorbei war. Denn schnell bildete sich ein reger Bulldogreifen-Tourismus. Jeder wollte ihn sehen und sich mit ihm fotografieren lassen. So etwas hatte auch das messeerprobte Teil bestimmt noch nicht erlebt.

In Würzburg hieß es wieder umsteigen. Der Schaffner im Regionalexpress war so begeistert vom Gummi-Gast, dass er gleich den Zugführer holte - für ein Erinnerungsfoto. Auch ein beturbanter Inder und zwei bayerische Polizisten dürfen nun ein Bild von sich mit Bulldogreifen ihr eigen nennen.

Und unsere "Baurebuewe"? Hatten eine Mords-Gaudi und am nächsten Tag ein schlechtes Gewissen. Also luden sie den Reifen kurzerhand auf einen Anhänger und fuhren ihn zurück in den Norden. 24 Stunden nach dem Verschwinden lag er wieder an seinem Platz.

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