Kunst und Kesselfleisch

Um Geld für Notenbücher zu sammeln, kocht der Liederkranz Bühlertann am Sonntag, 12. Oktober, in der Bühlertalhalle eine Metzelsuppe. Auch ein Kunsthandwerkermarkt wird angeboten.

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"Filzen ist wie Meditieren", sagt die Hobbyfilzerin Maria Bay aus Bühlertann. Der Liederkranz Bühlertann organisiert zur Metzelsuppe am Sonntag erstmals einen Kunsthandwerkermarkt einheimischer Hobbykünstler. Acht Künstler werden Kleinkunstwerke aus Holz, Glas, Stoff, Stein, Papier und Filz ausstellen und zum Verkauf anbieten.  Foto: 

Was bedeutet Küche und Kunst? Gefilzte Radieschen, Zwiebel, Rettiche und Lauch auf einer Wäscheleine am Küchenfenster von Maria Bay (50) in der Bühlertanner Seestraße? Oder bezieht es sich auf die Entstehung dieser kleinen gefilzten Kunstschätze in Bays Filzwerkstatt - als Hobbykünstlerin in ihrer Küche? Oder ist die Kunst gar die Küche selbst? Ein Essen, das kunstvoll besungen während der Zubereitung zum Festmahl wird? Am Sonntag trifft alles zu. Da kocht ein ganzer Chor in der Küche der Bühlertalhalle Metzelsuppe, während im Foyer acht regionale Hobbykünstler ihr Kunsthandwerk ausstellen und zu erschwinglichen Preisen zum Verkauf anbieten.

Die Metzelsuppe vom Liederkranz Bühlertann gibt es seit 35 Jahren. Sie ist die Haupteinnahmequelle der drei Chöre, um Noten einzukaufen und die Chorleiter zu bezahlen. "Viele Chöre in der Region machen im Herbst eine Metzelsuppe", weiß Silke Schneider (43), Vorsitzende vom Bühlertanner Liederkranz. Die Kombination sei eine traditionell gewachsene Symbiose aus der guten alten Zeit. "Beide alt, aber nicht von gestern", lacht sie herzlich. Und erklärt: Die Gesangsvereine gehören zu den ersten Vereinen überhaupt. Der Liederkranz in Bühlertann wurde zum Beispiel schon 1856 gegründet, und ist damit älter als der Sportclub Bühlertann, das Fastnachtskomitee und sogar die Grundsteinlegung der heutigen Pfarrkirche Sankt Georg. Noch älter sei allerdings die Metzelsuppe. Die keine Suppe ist, sondern im Schwäbischen für das komplette Schlachtfest steht.

"Viele Ältere verbinden mit einem Schlachtfest Erinnerungen an die früheren Hausschlachtungen. Unweigerlich damit verbunden ist der Geschmack der ersten Wurstsuppe, der sogenannten Metzelsuppe, in der alle aufgeplatzten Blut- und Leberwürste schwimmen", weiß Karl Wagner (66), Basssänger im Liederkranz. Er war dabei, als diese Woche zwei Schweine geschlachtet wurden. Bei den Hausschlachtungen sei oft nur Brot zur Metzelsuppe gegessen worden. "Am Sonntag aber gibt's Kartoffel, Sauerkraut und für den Urschwaben Spätzle", zählt Wagner auf.

Neben dem Essen organisieren die Sänger einen neuen Kleinkunsthandwerkermarkt im Foyer der Bühlertalhalle. Acht heimische Hobbykünstler werden Kleinkunst aus Holz, Glas, Stoff, Stein, Papier und Filz zum Verkauf anbieten. Eine von ihnen ist die ehemalige Liederkranzsängerin Maria Bay aus Bühlertann. Die Bauzeichnerin filzt seit einem Jahr. Zart und originalgetreu hat sie Blumen, kleine Schnecken und eine Wäscheleine voller Gemüse gefilzt.

Info Der Liederkranz lädt am Sonntag, 12. Oktober, ab 11 Uhr in die Bühlertalhalle.

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