Künstler und Pharmazeut: Dieter Häussler aus Michelbach stirbt im Alter von 82 Jahren

Er war der Haller Brückenapotheker, und er war Künstler: Dieter Häussler. An Gründonnerstag ist der Mann, der zeitlebens den Spagat zwischen Pharmazie und Kunst meisterte, im Alter von 82 Jahren gestorben.

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Auch Jahre nachdem er die Brückenapotheke in Hall abgegeben hatte, hieß es hie und da in Hall voll Freude: "Da kommt der Apotheker." Und immer schon war Dieter Häussler auch leidenschaftlicher Künstler, eine Doppelbegabung und charakterstarke Persönlichkeit - mit Humor und zuweilen schier unbändiger Energie. Die letzte Zeit seines Lebens war zwar von Krankheit geprägt. 2002 hatte er seinen zweiten, schweren Schlaganfall erlitten, vor zwei Jahren bekam er eine Krebsdiagnose. Doch aus Häusslers Bildern sprechen Wärme und Lebensfreude. Auch seine vermeintlich düsteren Werke haben stets etwas Optimistisches. Bis vor einem Jahr sei er noch vor der Staffelei gestanden, erzählt seine Frau Christine Häussler. Dass er die Eröffnung der Ausstellung mit seinen Werken im Wintergarten des Hällisch-Fränkischen Museums im vergangenen Oktober - noch immer ist sie dort zu sehen -, miterleben konnte, hat den Maler sehr gefreut. Seine Kraft beeindruckte viele Menschen.

Doch sein Zustand verschlechterte sich, Häussler wurde schwächer. Die ersten schönen Tage des Jahres, die wärmenden Sonnenstrahlen habe er noch daheim auf der Terrasse im Garten genießen können, berichtet seine Frau. Am Abend des Gründonnerstags hatte die Leidenszeit von Dieter Häussler ein Ende.

Geboren wurde er am 25. April 1930 in Stuttgart. Die Familie lebte zunächst in Vaihingen und zog wenige Jahre später nach Maulbronn - "meine eigentliche Heimat", sagte Häussler einmal. Seine Tante führte dort die Klosterapotheke. Das Kloster bot ihm als Zwölfjährigem zahlreiche Motive, um zu zeichnen. Nach dem Abitur in Kirchheim/Teck schlug er die Apotheker-Laufbahn ein, studierte in Tübingen Pharmazie. Dort lernte er Peter Fischer-Appelt kennen. Mit dem Theologen und ehemaligen Präsidenten der Uni Hamburg verband ihn eine lebenslange Freundschaft.

Nach dem Staatsexamen 1956 promovierte Häussler in München, wo er zusehends in die Künstlerszene eintauchte. Er lebte in Schwabing, malte viel, stand bei einer Studentenbühne auf den Brettern, traf Peter Stein und Maxl Graf. Der Doktortitel interessierte ihn nicht mehr. Lieber fuhr er in sein Traumland Italien, wo er in einem Dorf südlich von Rom lebte und die Fischer und ihre Hütten zeichnete. Er reiste auch nach Griechenland - überhaupt hat er sich stets für andere Länder und Kulturen interessiert.

Zurück in München, verdiente Häussler Geld mit Pharmazievertretungen, in Künstler- und Theaterkreisen fühlte er sich zuhause. Bei den Kammerspielen begegnete er 1961 einer jungen Schauspielerin - seiner Frau Christine, die er 1962 in Maulbronn heiratete. Häussler entwickelte seine Malerei weiter. Als er für seine Familie - 1964 wurde Tochter Eva geboren - in Utting am Ammersee eine Wohnung fand, konnte er das erste richtige Atelier einrichten.

Später fand seine Frau in Tübingen Arbeit, und Dieter Häussler suchte eine Apotheke "möglichst in der Nähe". Er wollte eine eigene Apotheke führen, Unabhängigkeit war ihm stets wichtig. An der Rittersbrücke in Hall tat sich eine Möglichkeit auf. "Von der Stadt war ich schnell begeistert", erzählte Häussler einst. 1975 eröffnete er die Brückenapotheke, er engagierte sich in der SPD, und in Michelbach fand die Familie ein neues Zuhause. Im damaligen Aufbaugymnasium war Häussler Vorstand der Elternvertretung, setzte sich für die Jugendlichen ein. Auch durch die jahrelange Theaterarbeit seiner Frau an der Schule entstand eine enge Verbindung - bei den Häusslers wurde mit Schülern gefeiert und diskutiert, so entwickelten sich viele Freundschaften.

Bei einem Aufenthalt 1988 in der Toskana nahm Dieter Häussler seine künstlerische Arbeit wieder auf. Mit 65 Jahren verkaufte er 1994 die Apotheke und absolvierte eine Heilpraktikerausbildung. Kranken Menschen zu helfen, das hat ihn angetrieben - ebenso spürte er den Drang, zu malen. Häussler gehörte zur Haller Künstlerszene, erhielt immer wieder Möglichkeiten, seine Werke zu zeigen. Der Schlaganfall 2002 war ein tiefer Einschnitt in seinem Leben. Doch Häussler war auch stets ein Kämpfer. Gemeinsam mit seiner Frau Christine besuchte er Ausstellungen, Oper- und Theateraufführungen in Stuttgart und bei den Freilichtspielen Hall oder ging auf Reisen. Auch die Kunst half ihm, mit Leid und Krankheit klarzukommen. Er malte Orte, die ihn berührten - und damit berührte er die Menschen. Dieter Häussler wird als offener und ehrlicher Charakter, der auch mal aufbrausend sein konnte, in Erinnerung bleiben - vor allem aber als herzlicher Menschenfreund.

Info Der Trauergottesdienst für Dieter Häussler ist am Freitag, 5. April, um 13 Uhr in der Martinskirche in Michelbach an der Bilz.

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