Künstler sind jetzt Herr im Haus - Pachtvertrag unterzeichnet

Die Evangelische Heimstiftung und der Künstlerverein "Aufgeschlossen" haben jetzt einen Pachtvertrag über die Nutzung des Kirchberger Schlosses unterzeichnet, aus dem sich die Heimstiftung zurückgezogen hat.

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Vorsitzender Hermann Weingardt und Hauptgeschäftsführer Bernhard Schneider (vorne von links) unterzeichnen den Pachtvertrag; hinter ihnen von links die Vorstandsmitglieder Alfred Albrecht, Eberhard Hager und Hartmut Volk. Foto: Erwin Zoll

Die Evangelische Heimstiftung (EHS) hält auch nach der Unterzeichnung des Vertrags an ihrem Ziel fest, für das Kirchberger Schloss einen neuen Eigentümer zu finden. Nachdem der Betrieb des Alten- und Pflegeheims seit Anfang des Jahres im Langen Bau konzentriert ist, ist das Schloss mit dem Hauptbau, dem Marstall und dem Witwenbau, den die EHS zuletzt geräumt hat, "frei für eine weitere Entwicklung", wie EHS-Hauptgeschäftsführer Bernhard Schneider bei der Unterzeichnung betonte.

Der Pachtvertrag ist nicht befristet, kann jedoch mit einer Frist von drei Monaten von jeder der beiden Vertragsparteien gekündigt werden.

Mit der Unterzeichnung des Vertrags, der eine symbolische Pacht von zehn Euro pro Monat vorsieht, übernimmt jetzt der Verein "Aufgeschlossen" sämtliche Betriebskosten des Hauptbaus, die vor allem für die Heizung, aber auch für Strom, Wasser, Abwasser und Versicherungen anfallen. Auf 50 000 bis 60 000 Euro jährlich werden diese Kosten geschätzt.

Die Nutzung des Schlosses durch Künstler ist Teil eines Zukunftskonzepts, das vor einem knappen Jahr vorgestellt worden war und für dessen Verwirklichung sich nicht nur die Heimstiftung und die Künstler, sondern auch die Stadt Kirchberg, der Landkreis, die evangelische Kirchengemeinde und der Blaufeldener Dekan Siegfried Jahn als Vorsitzender des Schloss-Beirats einsetzen wollten. Schon damals hatte die EHS ihre Bereitschaft erklärt, dem Verein "Aufgeschlossen" den Hauptbau mietfrei zu überlassen, wenn dieser die laufenden Betriebskosten trägt.

Allerdings war es für den Künstlerverein bis zur Unterzeichnung des Pachtvertrags offensichtlich ein steiniger Weg. Jedenfalls haben Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit diesem Thema dazu geführt, dass bei der Hauptversammlung im vergangenen November der komplette Vorstand mit Dieter Rehberger an der Spitze zurückgetreten ist. Ein neuer Vorstand ist nach kurzer Zeit ebenfalls zurückgetreten.

Inzwischen hat der Verein "Aufgeschlossen" eine vollständig neue Führungsmannschaft. Vorsitzender ist der 46-jährige Landschaftsarchitekt Hermann Weingardt aus Rosengarten. Sein Stellvertreter ist der 50-jährige Diplom-Ingenieur Eberhard Hager aus Kirchberg. Im Vorstand sitzen außerdem der Kirchberger Fotograf Hartmut Volk (52) als Schriftführer und der Schlossführer Alfred Albrecht (69) als Schatzmeister. Als Geschäftsführer fungiert der 58-jährige Arzt Dr. Uwe Steinorth aus Bad Mergentheim.

"Wir gehen das Wagnis ein", meinte der neue Vereinsvorsitzende Hermann Weingardt bei der Vertragsunterzeichnung. Er würdigte zugleich dankbar die Verdienste seines Vorgängers Dieter Rehberger, der das Projekt "Künstlerschloss" vor Jahren auf den Weg gebracht habe. Rehberger habe "ganz erheblich dazu beigetragen, dass wir heute diesen Pachtvertrag unterzeichnen können", sagte Weingardt.

Weingardt will im Übrigen nicht auf Dauer Vorsitzender von "Aufgeschlossen" sein. "In zwei Jahren soll hier wieder ein Vollblutkünstler sitzen, sagte Weingardt.

Während im vergangenen Jahr noch rund 70 Künstler im Schloss aktiv waren, sind derzeit noch 45 Räume von Künstlern belegt - allesamt Mitglieder von "Aufgeschlossen". Viele Mieter, unter ihnen "Hobbykünstler", seien nicht bereit oder in der Lage gewesen, die höheren Kosten zu tragen, die sich jetzt aus der Umlage der Betriebskosten ergeben - so begründet der neue Vorstand diesen Schwund. "Die Spreu hat sich vom Weizen getrennt", meinte Vorstandsmitglied Hartmut Volk.

Derzeit sind im Hauptbau 28 Räume von 15 bis 30 Quadratmetern Größe frei, die als Ateliers für alle möglichen Zwecke genutzt werden können - gegen eine Beteiligung an den Betriebskosten. Erste Anfragen von Interessenten liegen nach Vereinsangaben bereits vor. "Wir suchen Mitglieder, die sich im Verein engagieren und nicht nur Mieter sind", sagte Hartmut Volk.

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