Kritik an Diak-Finanzgeschäften

Gaildorfer ärgern sich übers Haller Diak. Eine Bürgerinitiative fordert: Das Krankenhaus vor Ort soll nicht dicht gemacht werden. Zudem wird Kritik am Millionenverlust durch Finanzgeschäfte am Haller Diak laut.

|
Sieht keine Zusammenhänge zwischen der Klinikschließung in Gaildorf und den verlustreichen Diak-Finanzgeschäften: Diak-Aufsichtsratsvorsitzender Ehrhard Steffen. Foto: Marc Weigert

Das Diakoniewerk Hall (Diak) macht vor einem Monat Millionenverluste durch Finanzgeschäfte öffentlich (das HT berichtete) - und es schließt in zwei Monaten sein Krankenhaus in Gaildorf. Zwei Ereignisse, die von einer Gaildorfer Bürgerinitiative in Zusammenhang gebracht werden.

"Nein", ruft Diakoniewerk-Aufsichtsratsvorsitzender Ehrhard Steffen entschieden in den Telefonhörer, als er auf den Zusammenhang angesprochen wird. Selbst wenn das Diak nicht mit dem Minus aus Finanzgeschäften früherer Jahre belastet wäre, müsste das Krankenhaus in Gaildorf schließen. "Jedes Jahr mal 900 000 Euro, mal eine Million als Minus zu tragen, geht nicht", sagt Steffen. So hoch seien die Verluste in Gaildorf. Daran sei auch nicht zu rütteln. Es sei viel zu teuer, einen 24-Stunden-Dienst in der kleinen Klinik aufrechtzuerhalten. Man könne sich ausrechnen, wie lange ein Unternehmen dieses Minus aushält.

Wären die damaligen Rücklagen des Diaks noch da, würden sie für Investitionen wie den geplanten Klinikneubau in Hall verwendet. Steffen: "Es stimmt auch nicht, dass wir nie versucht hätten, das Krankenhaus in Gaildorf aufrechtzuerhalten." So lautet einer der Vorwürfe der Bürgerinitiative.

Mindestens 1,6 Millionen Euro Verlust hat das Diakoniewerk in den Jahren 2004 und 2005 mit Finanzgeschäften gemacht. Die Rücklagen von 15 Millionen Euro wurden damals in Unternehmensanleihen, Bankenanleihen und Fonds angelegt. Die Titel werden nun verkauft.

Parallel dazu geht die Aufklärung weiter: Liegt schuldhaftes Verhalten vor? Wer war dafür verantwortlich? Zahlt eventuell eine Versicherung? "Da sind wir im Augenblick dabei, das machen wir sorgfältig", sagt Steffen. "Natürlich haben wir Kontakt zu den Verantwortlichen von damals. Keiner blockiert."

Dieser Tage wurden der Mitgliederversammlung die Vorgänge erläutert. "Es ist normal, dass dort diskutiert wird", berichtet Steffen von der nicht öffentlichen Sitzung. Die Mitglieder seien für die Aufklärung der Vorgänge. Externe Juristen prüfen den Vorgang von damals. Erst wenn deren Bericht vorliege, werde entschieden, welche Konsequenzen es gebe, so Steffen.

"Wir hoffen natürlich, dass man jemanden zur Verantwortung ziehen kann", sagt Michael Bechtle, Leiter der Diak-Mitarbeitervertretung. Als die Angestellten von den Finanzgeschäften erfuhren, seien sie "erstaunt und entrüstet" gewesen. Es habe einen Aufschrei gegeben. Die Frage wurde gestellt: "Darf die Diakonie das machen?" Andererseits hat Bechtle einige Mitarbeiter getroffen, die Verständnis zeigen. "Bei einem erwarteten Zinssatz von vier Prozent kann man nicht von hochspekulativen Geschäften sprechen. Bei der Finanzkrise ist das leider in die Hose gegangen."

In der Altenhilfe, wo es jüngst um Lohneinschnitte ging, hätten einige aber die Frage gestellt: Wäre das Geld dort nicht besser angelegt gewesen als in verlustträchtigen Finanztiteln?

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Land arbeitet an Neukonzeption des Radwegenetzes

Landtagsabgeordneter Bullinger bekommt Auskunft vom Land zur Lage der Radwege im Landkreis. weiter lesen