Kochendorfer Todesmarsch fordert 213 Opfer

Vor 20 Jahren gründete sich in Mainhardt das Bürgerforum Brennessel um Tilman Schoch und Harald Huber. Es will Erinnerungen an den so genannten Kochendorfer Todesmarsch dokumentieren und festhalten.

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Ein Gedenkstein auf dem Hüttener Friedhof erinnert an die Opfer.  Foto: 

Mit verschiedenen Veranstaltungen wurde 1995 des Todesmarsches gedacht und auf dem Hüttener Friedhof ein Gedenkstein für die Opfer gesetzt. Heuer jährt sich der Todesmarsch zum 70. Mal.

Im September 1944 entstand das KZ Kochendorf, weil dort eine Untertageverlagerung der Rüstungsindustrie in eine Saline möglich war und Arbeitskräfte gebraucht wurden. Ende März 1945 wurde das KZ vor den heranrückenden alliierten Truppen geräumt; die Häftlinge sollten ins KZ Dachau verlegt werden. 400 Häftlinge wurden in Güterwaggons abtransportiert, die anderen sollten zu Fuß ins rund 270 Kilometer entfernte Dachau. Am 29. März (Karfreitag) begaben sich die Männer auf den Todesmarsch, der über Neckarsulm, Weinsberg, Löwenstein und Ammertsweiler führte. Am 31. März erreichten die erschöpften und unterernährten Häftlinge ein Waldstück bei Hütten.

In einem im Haller Kreisarchiv aufbewahrten Schriftstück vom 12. August 1945 heißt es: "Am 31. März wurden etwa 1500 Insassen eines ehemaligen Konzentrationslagers von Geißelhardt her durch Hütten transportiert. Die vielen Menschen waren einige Tage lang im Wald ostwärts Hütten, hart auf der Markungsgrenze Bubenorbis/Hütten untergebracht. Sie wurden von SS-Mannschaften bewacht. Die Bevölkerung durfte nur an die Grenzen des Waldlagers herankommen, um den halbverhungerten Menschen Nahrungsmittel und Getränke zu bringen. Als das Lager aufgehoben und der Marsch fortgesetzt worden war, wurden in der Nähe des Lagers 47 Leichen in mehreren Massengräbern aufgefunden. Die Leichen wurden auf Anordnung des Ersten Beigeordneten in einem Sammelgrab auf dem Friedhof in Hütten beigesetzt. Die meisten werden an Krankheiten und an Unterernährung beziehungsweise Erschöpfung gestorben sein. Eine Leiche wies Verletzungen auf, die auf Totschlag schließen lassen." Zeitzeugen berichteten, dass der Erste Beigeordnete Hans Wieland nicht nur Lebensmittel für die Häftlinge heranschaffen ließ, sondern auch beim Lagerkommandanten durchsetzen konnte, dass die 200 schwächsten Häftlinge auf vier Lastwagen ins KZ Hessental gebracht wurden. Die anderen Häftlinge setzten am 3. April den Todesmarsch in Richtung Fichtenberg fort.

Abends um 18 Uhr wurden dann die 47 Leichen aufgefunden und auf dem Hüttener Friedhof beigesetzt. Nach der Umbettung ruhen die sterblichen Überreste heute in der Gedenkstätte Amorbach. Auf dem Todesmarsch starben 213 Häftlinge.

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