Knapp 100 Ilshofener schauen Film über Kriegsende in ihrem Heimatdorf

Ilshofen gedenkt des Kriegendes und der eigenen Zerstörung mit einer Ausstellung im Kulturm und einem Film, in dem Zeitzeugen zu Wort kommen. "Echt bewegend", sagen die Zuschauer.

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Der sehenswerte Film, in dem Schüler vor 20 Jahren Zeitzeugen zum Kriegsende in Ilshofen befragt haben, stößt bei seinen Aufführungen stets auf großes Interesse. Viele, die darin vorkommen, leben heute nicht mehr.  Foto: 

Liesel Aigner kann sich noch gut an den Schüler erinnern, der sie vor 20 Jahren befragte. "Eigentlich wollte ich ja nicht so in der Öffentlichkeit stehen", sagt sie. Dann ließ sie sich doch breitschlagen und wirkte an einem ganz besonderen Projekt mit.

Worum handelt es sich? Um einem Videofilm, den Schüler der neunten Realschulklasse vor zwei Jahrzehnten in Ilshofen gedreht haben. Der Anlass damals: 50 Jahre Kriegsende. Der Initiator: Hobbyfilmer und Geschichtslehrer Erwin Siegler. Er hat den Film nun digitalisiert und kürzlich noch einmal vorgeführt.

Das Interesse war riesig: Knapp 100 Ilshofener saßen dicht an dicht im Ratssaal und erlebten, wie der Film vor allem Zeitzeugen zu Wort kommen ließ - von denen heute viele nicht mehr leben. "Deshalb könnte der Film heute so nicht mehr gemacht werden", sagt Siegler. "Dabei ist Geschichte mehr als Fakten im Geschichtsbuch. Geschichte ist erlebt und erlitten." Dazu habe er sich auch selbst weitergebildet. "Ich habe mich mit ,oral history' auseinandergesetzt." Damit also, wie geschichtliche Zusammenhänge in frei erzählten Zeitzeugenberichten dargestellt werden können.

So ist uns heute ein Dokument erhalten, in dem aus erster Hand berichtet wird, wie Ilshofen zerstört wurde. "Ein Flammenmeer" sei das Dorf gewesen, erinnerte sich etwa Franz Berger. Angst habe man gehabt, sagte Hubert Ländle. Die Bilder zum Beispiel der toten Soldaten hätten sich in die Augen und Seelen gebrannt, sagte Liesel Aigner.

Um sich ein Bild zu machen, besuchten die jungen Filmemacher damals den tiefen Brauereikeller, in dem sich die Ilshofener vor dem Beschuss der Amerikaner flüchteten. Sie begleiteten Zeitzeugen in den Buchwald, in dem sich die deutschen und amerikanischen Soldaten gegenüberstanden, und betrachteten die Stellen, an der die Gefallenen beerdigt wurden.

Hedwig Kraft sprach im Film das Schlusswort: "Krieg ist das Schlimmste, was es gibt." So etwas dürfe nie wieder geschehen.

Während der 45 Minuten Film war es ganz still im Ratssaal. Und auch danach saßen die Zuschauer erst einmal stumm da. "Echt bewegend", so die einhellige Meinung.

Info Der Film läuft auch in der aktuellen Ausstellung zum Kriegsende im Kulturm in Ilshofen. Die Schau ist bis zum 24. Mai immer sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

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