Kleinode glänzen wieder

In einer Arbeitsgemeinschaft unter der Regie von Ludwig Horn werden in der Oberlin-Schule in Unterdeufstetten historische Schilder restauriert.

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Einsatz für historische Baudenkmale: In der Oberlin-Schule werden alte Schilder und Wegweiser restauriert.  Foto: 

Wer auf den Hauptverbindungsstraßen unterwegs ist oder an ehemaligen Grenzen im Landkreis Schwäbisch Hall vorbeikommt, dem sind sie sicherlich schon öfters aufgefallen – die Rede ist von den historischen Wegweisern und Schildern mit altdeutscher Schrift. Dass diese Schilder heutzutage überhaupt noch in einem solch frischen Glanz erstrahlen – das ist Ludwig Horn aus Ilshofen zu verdanken.

Die Idee begann mit zwei Wegweisern zwischen Großaltdorf und Steinbach, auf die der 72-Jährige aufmerksam wurde: „Sie sahen etwas heruntergekommen aus, deshalb habe ich mich darüber informiert, aus welcher Zeit sie stammen und wie sie früher ausgesehen haben.“ In Zusammenarbeit mit den Baubetriebshöfen und Gemeinden bekam Ludwig Horn die Genehmigungen, die Tafeln und Pfosten zu restaurieren. Dafür wurde sogar nach dem originalen Farbton der Tafeln recherchiert, um die Objekte mit der richtigen Ölfarbe bemalen zu können.

Seit dem Jahr 2001 bietet Ludwig Horn diese Arbeit auch in den Arbeitsgemeinschaften für Schüler der Hermann-Merz-Schule in Ilshofen und der Oberlin-Schule in Unterdeufstetten an. In letzterer Schule war der pensionierte Pädagoge bis vor ein paar Jahren auch selbst als Lehrkraft tätig.

Rund 60 Schüler sind derzeit an der Oberlin-Schule in Fich­tenau auf einem guten Weg, ihren Hauptschulabschluss zu absolvieren. Die sonderpädagogische Einrichtung konzentriert sich auf den Schwerpunkt sozial-emotionale Entwicklung und Erziehungshilfe. Unter den Kindern und Jugendlichen sind neben schwer erziehbaren Schülern auch Autisten und ADHS-Betroffene. Viele von ihnen wohnen im Sankt-RaphaelKinderheim nebenan. Wenn die Lehrkräfte bemerken, dass es im regulären Unterricht so nicht mehr weitergeht und es an Aufmerksamkeit mangelt, dann werden die Schüler zu Ludwig Horn in die Werkstatt geschickt.

„Für viele Jugendliche bin ich hier auch eine Art Bezugsperson, und sie kommen jede Woche vorbei“, sagt der Pädagoge. Das handwerkliche Arbeiten wirke auf die Schüler wie eine Therapie und ist auch eine Abwechslung vom teils stressigen Schulalltag.

Jeden Donnerstag wird in den leer stehenden Räumen der angrenzenden Hauptschule, die momentan nicht mehr genutzt wird, fleißig an den Schildern, Tafeln und Pfosten gearbeitet. Alle bearbeiteten Objekte stammen aus der Zeit des Königreichs und der Republik Württemberg und haben somit alle einen historischen Hintergrund aufzuweisen.

Zuerst müssen die Tafeln vorsichtig mit kleinen Bürsten gesäubert werden. Bei den langen Pfosten übernimmt das Abstrahlen mit Wasser das Betonbauunternehmen Waschek aus Fichtenau, das hierzu ein spezielles Gerät besitzt. Danach könne man die Schilder mit der speziellen Farbe und Pinsel bemalen. Manch ein Schüler könne sich dabei gut auf kleine Details konzentrieren, ein anderer wiederum könne sich beim Ausmalen von großen Flächen austoben. „Hier gibt es für jeden Schüler eine passende Aufgabe“, betont Horn.

Preisgekröntes Projekt

Nachdem die Schilder und Pfosten restauriert wurden und wieder in frischem Glanz erstrahlen, werden sie zurück an ihren Ursprungsort gebracht und aufgestellt. Wo sich dieser befindet, das wird im Voraus von Ludwig Horn ausfindig gemacht, der mittlerweile ein Experte für diese historischen Objekte ist.

Das Arbeiten macht nicht nur dem Pensionär Spaß, sondern begeistert auch seine ehemaligen Schüler. Zusammen mit den Jugendlichen wurde Ludwig Horn sogar bereits zum zweiten Mal der Kleindenkmalpreis des Schwäbischen Heimatbundes für die vorbildliche Sanierung historischer Bausubstanz verliehen.

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