Kleine Hersteller bedroht

Viele Tierhalter geben ihren Tieren pflanzliche und homöopathische Arzneimittel, auch Landwirte. Das könnte sich ändern. Die EU plant nämlich, die Zulassung und den Verkauf von Tierarzneimitteln neu zu regeln.

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  • Auch bei der Schweinehaltung sind Landwirte bisweilen auf die Anwendung von Arzneimitteln angewiesen. Die neue Verordnung könnte den Einsatz komplizierter machen, so die Befürchtung. 1/2
    Auch bei der Schweinehaltung sind Landwirte bisweilen auf die Anwendung von Arzneimitteln angewiesen. Die neue Verordnung könnte den Einsatz komplizierter machen, so die Befürchtung. Foto: 
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Ein Ziel der neuen Verordnung ist unter anderem, den Einsatz von Antibiotika bei Tieren für die Lebensmittelproduktion einzuschränken. "Kein schlechter Ansatz, doch er schießt über das Ziel hinaus", meint Christian Duis aus Braunsbach, der für den Tierarzneimittelhersteller Saluvet arbeitet. Denn die Verordnung könnte den Zugang von Nutztierhaltern zu bisher frei verkäuflichen oder nur apothekenpflichtigen Präparaten erschweren. "Die Geschäftsführung war schon wegen der neuen Verordnung in Brüssel aktiv", berichtet er. Denn die Firma befürchtet, dass den pflanzlichen und homöopathischen Arzneimitteln, die sie für Haus- und Nutztiere anbietet, durch die neue Verordnung die rechtliche Grundlage entzogen wird.

"Unsere Pflanzenpräparate sind bisher frei einsetzbar in Nutztierbeständen, ohne Wartezeit und ohne Dokumentationspflicht", sagt Duis. Das ist ein Vorteil gegenüber vielen chemischen Arzneimitteln. Denn diese müssen in der Regel mindestens vier Wochen vor dem Schlachttermin abgesetzt werden, und über die Verabreichung muss der Landwirt genau Buch führen. "Für die Bauern sind unsere pflanzlichen Mittel günstig und effektiv, um ihre Nutztierbestände gesund zu halten. Das betrifft nicht nur die Bio-Bauern. 90 Prozent unserer Kunden sind konventionelle Landwirte. "Wenn solche Mittel nicht mehr legal einsetzbar sind, geht das auf Kosten der Tiergesundheit und wird unterm Strich für den Landwirt auch teurer", stellt Duis fest.

"Ein heißes Thema" ist die neue Verordnung auch für Christoph Zimmer von der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (Besh). Besh-Mitglieder dürfen ihren Tieren keine Antibiotika verabreichen. "Wenn die pflanzlichen Mittel an die Grenze kommen und ein Schwein Antibiotika braucht, darf das Fleisch nur als "normales" aus konventioneller Landwirtschaft verkauft werden", erklärt Zimmer und betont, das sei sehr selten nötig. Die neue Verordnung gehe völlig in die falsche Richtung, meint der Besh-Vorstand. "Ich habe den Eindruck, da wird versucht, über die Pharmaindustrie die Anwendung von natürlichen Arzneimitteln zu erschweren", sagt er. Er rechnet mit immensen Auswirkungen auf die landwirtschaftliche Tierhaltung, sowohl im ökologischen wie auch im konventionellen Bereich.

Tierarzt Josef Wesselmann aus Wallhausen betreut viele Tierbestände der Besh. Er ist ein Pionier auf dem Gebiet der alternativen Bestandsbetreuung, er behandelt also ganze Nutztierbestände mit homöopathischen Arzneimitteln, prophylaktisch und im Krankheitsfall. Ziel ist, den Antibiotikaeinsatz zu reduzieren. Er sieht homöopathische und pflanzliche Arzneimittel als zusätzliches Werkzeug neben der Schulmedizin. "Als Tierarzt habe ich keine Einschränkungen durch die neue Verordnung zu befürchten", sagt er.

Dagegen wäre Heidegret Mayer "in höchstem Masse eingeschränkt", wie die Tierheilpraktikerin aus Gerabronn einräumt. Sie behandelt seit über 30 Jahren Nutztiere homöopathisch und hält für Demeter, Bioland und über die Landwirtschaftsämter Seminare zur Homöopathie für Tiere.

Tierärzte dürfen etwa homöopathische Arzneimittel, die nicht für Tiere und schon gar nicht für Lebensmittel liefernde Tiere zugelassen sind, "umwidmen", das heißt für Schweine oder Rinder einsetzen. "Tierheilpraktiker dürfen das nicht. Sie haben bis dato diese Mittel einfach gekauft und eingesetzt", weiß Tierarzt Josef Wesselmann. Sie haben sie wie jeder andere Bürger, der homöopathische Mittel verwendet, einfach in der Apotheke besorgt. Sollten sie verschreibungspflichtig werden, sind sie für den Tierheilpraktiker tabu. Der Tierhalter müsste sich dann ein Rezept beim Tierarzt holen.

Wenn Tierarzneimittel künftig für einzelne Tierarten zugelassen werden müssen, wäre das für kleinere Tierarzneimittelhersteller vermutlich das Ende, weil das Verfahren sehr teuer ist.

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