Kirchenchor St. Georg hat eine lange Tradition – und viele langjährige Mitglieder

Schon von draußen sind die Stimmen zu hören: vierstimmiger Gesang aus 40 Kehlen. Öffnet man die Tür des katholischen Gemeindesaals, in dem sich der Kirchenchor St. Georg zur wöchentlichen Chorprobe versammelt hat, taucht man ein in eine wahre Klangwelt.

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Alles hört auf das Kommando von Chorleiterin Maria Haberäcker. Foto: Christine Hofmann
Heute sind noch einige Sänger des Gesang- und Musikvereins zur Verstärkung dabei, denn in wenigen Wochen steht ein großes Konzert an, bei dem die Stimpfacher Chöre gemeinsam die „Capri-Fischer“ vortragen wollen.

Chorleiterin Maria Haberäcker schlägt die Anfangstöne auf dem Klavier an und gibt den Einsatz. „Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt und die bleiche Sichel des Mondes vom Himmel blinkt. . .“ Der Sopran ist stark gefordert, bis zum hohen E klettern die Frauenstimmen. „Jetzt mal nur die Männer“, sagt Haberäcker und die Frauen im Saal, die klar in der Überzahl sind, haben Pause. Still bleiben sie auf ihren Plätzen sitzen und lauschen, wie Tenor und Bass ihre Passagen üben. Einige Füße wippen im Takt mit.

„Den Alt möchte ich auch noch einmal alleine hören“, sagt die Chorleiterin und begleitet die tiefe Frauenstimme auf dem Klavier. Als schließlich alle vier Stimmen gemeinsam erklingen, fehlt nicht viel und der Pfarrsaal verwandelt sich in eine Hafenbar auf einer italienischen Insel im Golf von Neapel – mit allem, was dazu gehört: Sonnenuntergang, Mond und Fischerboote.

„Wenn wir ein Stück neu einüben dauert es immer eine Weile bis alles passt “, erklärt Maria Haberäcker. „Da muss man Geduld haben.“ Die hat die junge Dirigentin, die im letzten Jahr die Leitung des gemischten Chores übernommen hat. Ruhig gibt sie Anweisungen, hilft über schwierige Stellen hinweg und lobt, wenn sie mit dem Ergebnis zufrieden ist. Die 33 aktiven Sängerinnen und Sänger hören auf ihr Kommando.

„Mir gefällt die Mischung im Repertoire“, sagt Haberäcker und schon beim nächsten Stück wird klar, was sie damit meint. Nach dem sehnsuchtsvollen Schlager aus den 1940er-Jahren wechseln die Sänger zur Kirchenmusik. Kraftvoll ertönt der Kanon „Magnificat“. Sicher finden Frauen- wie Männerstimmen die Töne, jedes Wort wird mit Gefühl gefüllt. Dieses Stück singen sie nicht zum ersten Mal, kaum jemand schaut aufs Notenblatt. Zweimal durchsingen – fertig. „Sehr schön“, lobt die Chorleiterin.

„Mache uns zu Boten deiner Liebe“ heißt es in einer Textpassage des nächsten Stückes, das heute auf dem Probenplan steht. Das Lied wird mit so viel Inbrunst vorgetragen, dass es wie ein gesungenes Glaubensbekenntnis klingt. Die Hauptaufgabe des Kirchenchores ist schließlich die Mitgestaltung der Gottesdienste an besonderen kirchlichen Festtagen: Singen und Glauben gehören zusammen.

Bevor es zum gemütlichen Teil in der Wirtschaft übergeht, müssen noch zwei wichtige Dinge erledigt werden: Die Beerdigungs-Stücke werden kurz angesungen und die Geburtstagskinder bekommen ein Ständchen. Das hat Tradition: Viele Sänger sind seit 50, 60 oder 70 Jahren im Chor – bis heute mit Begeisterung.

 


 

Geschichte des Chors

 

Zur Gründung des Kirchenchores an St. Georg ist nichts Genaues bekannt. An Fronleichnam des Jahres 1624 gab es nachweislich bereits einen Chor. Es ist aber gut möglich, dass unter den „beywohnendten Personen“, die am Fronleichnamstag 1602 nach „Verrichtung des Gottesdienstes“ auf Kirchenkosten in eine Stimpfacher Wirtschaft einkehrten, bereits einige „Kürchen sünger“ dabei waren. Dann liegen die Anfänge wohl schon im16. Jahrhundert. Die Gründung des jetzigen gemischten Chores fand im Jahr 1921 statt.

Zu den Aufgaben gehört die Mitgestaltung der Gottesdienste an besonderen Festtagen, die Mitwirkung an Veranstaltungen der Kirchengemeinde und an Chorkonzerten in der Region. Neben geistlichem gehört auch weltliches Liedgut zum Repertoire.

Auftritte gibt es neben der Mitwirkung in Gottesdiensten bei Kirchenkonzerten. Auf Wunsch der Angehörigen singt der Chor bei Beerdigungen. Auch an Festen und Jubiläen der Gemeinde Stimpfach und befreundeter Vereine beteiligt sich der Kirchenchor.

Die Proben sind jeweils donnerstags von 19.30 bis 21 Uhr im katholischen Pfarrsaal St. Georg in Stimpfach. Neue Sänger sind stets willkommen.

HOF

 

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