Kerbel weist auf Dünger hin

Zum Schutz ökologisch wertvoller Flachlandmähwiesen ist die Mitarbeit der Landwirte gefragt. Judith Riehle vom Landschaftserhaltungsverband (LEV) erklärt in Bühlertann, was dabei zu beachten ist.

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In leuchtendem Gelb blüht der Bocksbart auf dieser Wiese. Auf mageren Flachlandmähwiesen wachsen daneben noch zahlreiche weitere Blumen und Gräser. Diese Wiesen gelten wegen ihrer Artenvielfalt als ökologisch wertvoll. Foto: Ufuk Arslan

Einigen Landwirte aus Bühlertann und Umgebung gehören sogenannte FFH-Flächen, die wegen ihres ökologischen Werts erhalten werden müssen. Etliche Bauern nuzen die Gelegenheit, Informationen aus erster Hand zu bekommen. So können sie zugleich auf die Probleme hinweisen, die ihnen die Maßnahmen zum Schutz der Flächen bereiten. "Was uns die Experten vom Schreibtisch aus vorschlagen, funktioniert in der Praxis oft nicht", bemängelt ein Landwirt aus dem Fischachtal. Das Argument bekommt die Mitarbeiterin vom Haller LEV, der für die Umsetzung der EU-Richtlinie im Landkreis zuständig ist, oft zu hören. Riehle weist darauf hin, dass die Untersuchung, welche Pflanzen- und Tierarten vorkommen, selbstverständlich nicht vom Büro aus durchführbar ist.

Hintergrund ist, dass Landwirte, deren Wiesen und Äcker als schutzwürdig eingestuft sind, den Zustand erhalten müssen. Mancher Landwirt würde gern auf solche Flächen verzichten, die er nur extensiv bewirtschaften darf.

Bauer Markus Schirle wundert sich, dass Teile seiner Wiesen als Flachlandmähwiese gelten. "Solche Blumen habe ich auf meinen Wiesen noch nicht gesehen", bemerkt er erstaunt, als Riehle die typischen Pflanzen einer Flachlandmähwiese zeigt. Trotzdem muss der Landwirt dafür sorgen, dass seine als Flachlandmähwiese kartierte Wiese eine solche bleibt. Ein anderer Landwirt, der seine Flachlandmähwiese vorschriftsmäßig extensiv bewirtschaftet hat, ist irritiert über einen amtlichen Brief. Ein Teil seiner FFH-Fläche habe sich verschlechtert, heißt es dort. Er wisse nicht, woran das liegt, ist er über den Vorwurf verärgert. Judith Riehle schaut sich die fragliche Fläche an. Die Einstufung sei grenzwertig, meint sie. Ihrer Ansicht nach könne sie noch als Flachlandmähwiese durchgehen. Sie müsse das aber bei Tageslicht noch genauer begutachten.

Zweck der Begehung ist, den Landwirten zu zeigen, woran sie eine Flachlandmähwiese erkennen. Eine Fläche mit optimaler Ausprägung A findet Riehle bei Bühlertann nicht. Aber immerhin gibt es Wiesen im Zustand B und C. Selbst die C-Wiese wirkt auf den Laien ziemlich bunt - und das nach vielen Tagen Regen. Artenreichtum ist eines der Kriterien für diesen Lebensraum. Riehle identifiziert zehn verschiedene Gräser, unter anderen den für diese Wiesen typischen Glatthafer. Bei der Bestimmung der Blumen fallen die Margerite und der Wiesenpippau ins Auge. Insgesamt kommt die Pflanzenexpertin auf 22 Arten - genug für eine Flachlandmähwiese.

Ein weiteres Kriterium, das dort erfüllt ist: Pflanzen, die magere Standorte anzeigen, müssen mehr als zehn Prozent der Fläche bedecken. Das sind etwa Hornklee, Margerite und Flaumhafer. Auch die weiteren vier Bedingungen erfüllt der Standort. Unweit befindet sich sogar eine Flachlandmähwiese der Note B mit noch größerer Artenvielfalt.

Im Gegensatz dazu stellt Riehle eine Fläche vor, die sich durch zuviel Dünger von der Flachlandmähwiese weg entwickelt hat. Erkennbar ist das etwa am Wiesenkerbel, der massiv auftritt. Um den gewünschten Zustand wiederherzustellen, sollte die Fläche nicht mit Stickstoff versorgt werden, empfiehlt Riehle dem Besitzer.

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