Kein Zweifel an Peer Steinbrück

Der Kanzlerkandidat der SPD, Peer Steinbrück, hat den Auftakt seiner Kandidatur verstolpert. Darin sind sich bundesweit fast alle Kommentatoren einig. Dennoch: In Hohenlohe hat Steinbrück starke Unterstützer.

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Bei zwei Auftritten in der Bausparkasse Schwäbisch Hall im Oktober 2010 und im April 2011 war Peer Steinbrück heftig beklatscht worden - obwohl er sich für Regulierungen des Bankensektors ausgesprochen hatte. Seine Kompetenz als Finanzexperte fand Anerkennung, die klare Sprache kam beim Publikum an. Auch beim Auftritt in Kirchberg mit dem SPD-Abgeordneten Nikolaos Sakellariou im Landtagswahlkampf im April 2011 war er überzeugend. Da war Steinbrück aber noch nicht der Kanzlerkandidat der SPD für die Bundestagswahl im September.

Seit der Nominierung scheint Steinbrück viel von seinem Glanz und seiner Fortune verloren zu haben. Erst die nicht enden wollende Diskussionen um hohe Honorare für seine Vorträge, dann die Äußerung über billigen Wein, der er nicht trinken würde, und dann die Feststellung, dass ein Bundeskanzler zu wenig Geld verdiene. Dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" ist das in dieser Woche die Titelgeschichte unter dem Slogan "Um Kopf und Kanzleramt" wert.

Das aber ficht die Hohenloher Sozialdemokraten nicht an. Sie stehen fest hinter Steinbrück, wie eine Umfrage unter SPD-Funktionsträgern zeigt. Keiner will, dass der Kanzlerkandidat zurücktritt. Kritik wird allenfalls ganz verhalten geäußert.

"Ich kenne Steinbrück aus dem Bundestag. Sie müssten mal das Mienenspiel von Angela Merkel sehen, wenn er ihr in Debatten Paroli bietet", sagt die SPD-Bundestagsabgeordnete Annette Sawade aus Hall. "Er zeigt Kante, sein Auftritt ist sicher." Zur Basis gebe es auch keine erkennbare Kluft. Beim jüngsten Frühstück der Gewerkschaft Verdi, an dem sie teilgenommen hat, habe niemand den Rücktritt des Kandidaten gefordert. Sawade nimmt Steinbrück auch hinsichtlich seiner jüngsten Aussagen in Schutz: "Man muss sich genau ansehen, was er gesagt hat." Steinbrück sei ein spontaner Mensch, der gerade heraus rede. Oft würden seine Zitate aber aus dem Zusammenhang gerissen. Die Medien hätten sich schon auf Steinbrück eingeschossen. Sawade ist überzeugt, dass Rot-Grün bei der Niedersachsenwahl am 20. Februar erfolgreich abschneidet und dann ein Ruck durch die Partei geht. "Das gibt Schub für die Bundestagswahl", meint Sawade.

"Er ist in der Auseinandersetzung mit der Bundeskanzlerin genau der richtige Kandidat", antwortet SPD-Landtagsmitglied und SPD-Kreisvorsitzender Nikolaos Sakellariou. Steinbrück sei in der Lage zuzuspitzen und Alternativen herauszuarbeiten. "Zwischen der SPD-Basis und dem Kanzlerkandidaten besteht keine Kluft - höchstens ein Leiden darüber, dass seine Äußerungen, die ja unstreitig nicht ,falsch waren - so eine Aufregung verursacht haben. Ich glaube, dass die Basis gerne jemanden unterstützt, der Klartext redet statt jedem nach dem Munde zu reden. Nicht umsonst ist Helmut Schmidt noch heute in der Bevölkerung so beliebt."

Ebenso sieht es der Haller SPD-Stadtverbandsvorsitzende Ernst-Michael Wanner. Steinbrück stehe für den sozialdemokratischen Grundwert der Gerechtigkeit, er sei kompetent und immer geradlinig. "Von einer Kluft zwischen Parteibasis und dem Kanzlerkandidaten zu sprechen, trifft die Stimmung in der SPD in keiner Weise. Durch die völlige Offenlegung seiner Nebeneinkünfte hat Steinbrück für Transparenz gesorgt. Die Koalition in Berlin verhindert, dass dies, wie er fordert, zur Norm für alle Parlamentarier wird. Er hat in jeder Hinsicht das Zeug zum Kanzler."

Der Gaildorfer SPD-Stadtverbandsvorsitzende Karl Eichele hätte sich auch Frank-Walter Steinmeier als Kandidat vorstellen können. Der habe aber nicht zur Wahl gestanden. Er stehe hinter Steinbrück. Um die Basis im Wahlkampf zu mobilisieren, müsse die soziale Gerechtigkeit in Europa und die Auseinandersetzung mit der Kanzlerin in den Mittelpunkt gestellt werden.

"Wegen eines unüberlegten Spruchs, der unbestritten ein Fehler war, werde ich meine Meinung nicht ändern. Ich wähle den Kandidaten Steinbrück", so der Crailsheimer SPD-Stadtverbandsvorsitzende Gernot Mitsch. Dem "extrem erfolgreichen Finanzminister" traut er zu, endlich die Finanzmärkte zu regulieren und die Banken in Haftung zu nehmen. Eine Kluft zwischen Kandidat und Basis nehme er nicht wahr. Es gebe aber Medienvertreter, die diese herbeischreiben wollten.

"Selbstverständlich würde ich, so ich dem entsprechenden Gremium angehörte, für Peer Steinbrück als Kanzlerkandidaten stimmen: Seine Sachkompetenz und seine Fähigkeiten aufzurütteln, sind unstreitig", schreibt der SPD-Kreistagsfraktionsvorsitzende Hans Zipperer. Ein Riss zwischen Partei und Kandidat werde von der konservativen Presse zum Nutzen von CDU und CSU herbeigesehnt. Die SPD werde im Wahlkampf klare, einheitliche Positionen entwickeln und vertreten. Zipperer geht von einem guten Wahlergebnis aus.

"Ja!", antwortet der Crailsheimer SPD-Oberbürgermeister Rudolf Michl auf die Frage, ob Steinbrück der richtige Kandidat ist. Steinbrück stehe auf einem stabilen Fundament auf dem er sich mit sicherem Tritt und dem nötigen Spielraum bewegen könne. "Steinbrück spricht Themen offen und direkt an. Dies wird von der Politik gefordert. Ich hoffe, dass er dies weiterhin tut und den alten Grundsatz beherzigt, dass es darauf ankommt, wie die Zuhörer seine Worte verstehen."

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