Kein Parkplatz am Kirchberger Schlossberg

Die Stiftung „Haus der Bauern“, Eigentümerin des Kirchberger Schlosses, hat den Plan aufgegeben, am Fuß des Schlossbergs einen Parkplatz anzulegen.

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  • Anstoßen auf eine gute Zukunft im Schloss: Rudolf Bühler (rechts) mit Klaus und Nina Sohl, die nicht nur das Schlosscafé, sondern in der ehemaligen Waschküche auch eine Eismanufaktur betreiben werden. 1/2
    Anstoßen auf eine gute Zukunft im Schloss: Rudolf Bühler (rechts) mit Klaus und Nina Sohl, die nicht nur das Schlosscafé, sondern in der ehemaligen Waschküche auch eine Eismanufaktur betreiben werden. Foto: 
  • Im Erdgeschoss des Hauptbaus packen die Handwerker an. Derzeit wird dort ein Schlosscafé eingerichtet. 2/2
    Im Erdgeschoss des Hauptbaus packen die Handwerker an. Derzeit wird dort ein Schlosscafé eingerichtet. Foto: 
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Auf dem Gelände an der Hohenloher Straße wollte die Stiftung 40 Stellplätze anlegen, war damit jedoch auf heftigen Widerstand gestoßen. Der Museums- und Kulturverein Kirchberg wehrte sich gegen das Ansinnen und verwies darauf, dass das Areal unter Denkmal- schutz steht.

Wie Rudolf Bühler, der Vorsitzende der Stiftung, am Donnerstag bei einer Pressekonferenz erklärte, soll das Parkplatzproblem in der Kirchberger Altstadt, das bei Veranstaltungen im Schloss entsteht, auf andere Weise gelöst werden. Zum einen soll der Hirschbergweg auf der Nordseite des Schlossbergs instand gesetzt und damit eine Verbindung zu den Parkplätzen am Sportplatz geschaffen werden. Zum anderen soll die Himmelsleiter, eine historische Steintreppe auf der Südseite, saniert werden, damit die Fußgänger den Wanderparkpatz an der Hohenloher Straße erreichen können.

Weitere Zugeständnisse an die Stadt lehnt Bühler ab. „Es ist nicht unsere Ausgabe, für die Stadt Parkplätze zu bauen, das muss sie schon selber machen“, sagte Bühler. In dem ehemaligen Küchengarten, in dem der Parkplatz vorgesehen war, grast seit einiger Zeit eine Schafherde. „Die Wiese ist jetzt eine biodynamische Schafweide. Ich hoffe, es wird jetzt keine Bürgerinitiative gegen den Schaflärm geben“, sagte Bühler.

Bis Mitte 2017 vermietet

Ein Jahr nach der Übernahme des Schlosses durch die Stiftung zog Bühler jetzt in der Pressekonferenz Zwischenbilanz. Sein Fazit: „Wir haben das Schiff von der Sandbank gezogen und sind auf einem guten Weg in sichere Gewässer.“ Dabei hält der Landwirt, zugleich Chef der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall, an dem Ziel fest, das Schloss solle sich selbst finanzieren. „Bis Mitte 2017 wird das Schloss voll vermietet sein, dann trägt es sich aus eigener Kraft“, betonte er.

Abgeschlossen ist inzwischen die Sanierung des Witwenbaus und des Marstalls, die bekanntlich als Flüchtlingsunterkunft an den Landkreis vermietet sind. Als Integrationsbeauftragte steht hier die Pädagogin Christine Hofmann zur Verfügung. Sie arbeitet zugleich an einer Doktorarbeit zum Thema Integration und wird dabei von der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft gefördert.

Nach der Bauernschule Hohenlohe hat im Schloss, das zu einem Bildungszentrum für ökologische Land- und Ernährungswirtschaft ausgebaut werden soll, inzwischen auch die Akademie Schloss Kirchberg ihren Betrieb aufgenommen. Neben dem Geschäftsführer Dr. Daniel Pohl wirkt dort als Bereichsleiter für politische Ökologie Dr. Rudolf Buntzel, der von 1977 bis 2000 die Ländliche Heimvolkshochschule Hohebuch leitete. An dieser Akademie beginnt in Kürze ein Ausbildungsgang zur Biofachkraft mit IHK-Abschluss, bei dem Fachverkäufer für die Lebensmittelkette Edeka geschult werden.

Nina und Klaus Sohl, die sich im Schloss mit einer Filmproduktionsfirma niedergelassen haben, werden das Schlosscafé betreiben, das derzeit eingerichtet wird. Saniert werden gleichzeitig die Zimmer für Übernachtungsgäste; hier sollen künftig 35 Betten in Zimmern von einfacher bis gehobener Ausstattung zur Verfügung stehen. Ein Irish Pub, der im Keller auf der Südseite entsteht und zu dem ein Biergarten gehören wird, soll das gastronomische Angebot vervollständigen.

Zehn Plätze gibt es in einer therapeutischen Jugendeinrichtung, die die Sozialtherapeutin Jasmin Huvermann im Schloss betreibt.

Rudolf Bühler versteht seine Rolle im Schloss als Coach, und zwar ehrenamtlich – allerdings haftet er mit seinem persönlichen Vermögen. Der Ausbau des Schlosses solle ein Beitrag zur Entwicklung der Region sein, ein „Kraftplatz für eine nachhaltige Landwirtschaft“, wie er betonte.

Im Frühjahr 2017 soll das Schloss mit einer internationalen Tagung eröffnet werden, mit einem Kongress unter Beteiligung der UN, bei dem es um die Rechte der Kleinbauern und indigenen Völker gehen wird. Vom 7. bis 10. März erwartet die Stiftung „Haus der Bauern“ unter anderem Klaus Töpfer, den früheren Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, und Ernst Ulrich von Weizsäcker, den Präsidenten des Club of Rome.
 


Einzelheiten aus dem Kirchberger Bauernschloss

Die Bauernschule Hohenlohe, die im November 2015 von Weckelweiler in das Kirchberger Schloss zurückgekehrt ist, ist inzwischen als ländliche Heimvolkshochschule anerkannt und wird seit dem Januar vom Regierungspräsidium Stuttgart gefördert. Das hat Rudolf Bühler, der Vorsitzende der Stiftung „Haus der Bauern“, am Donnerstag in einer Pressekonferenz erklärt. Die nach 1945 von Fritz Strempfer gegründete Bildungseinrichtung für biologisch-dynamischen Landbau war in ihren Anfangsjahren im Kirchberger Schloss untergebracht. Vorsitzender der als eingetragener Verein firmierenden Bauernschule ist der Agraringenieur Hartmut Heilmann, Geschäftsführer seit Kurzem Hartmut Volk aus Kirchberg.

Alfred Albrecht wird auch in Zukunft Besucher durch das Schloss führen. Unter seiner Regie bleibt auch das Schlossmuseum erhalten und für die Teilnehmer der Führungen zugänglich. Wie bisher fließt der größte Teil der Eintrittsgelder, die Albrecht einnimmt, in die Sanierung des Schlosses.

Die Gesamtleitung des Betriebs im Schloss übernimmt am 1. Januar als Direktorin Dorothea Bohn, die bisher das Fürst-Ludwig-Haus der evangelischen Heimstiftung leitet und schon jetzt nebenamtlich im Schloss tätig ist.  erz

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