Kein Geld für Asylbewerberkinder

Die Hilfe für Asylbewerber-Familien, wie sie im Ilshofener Wohnheim organisiert wird, kommt in Berlin gut an. Die Hallerin Wiltrud Wehrstein-Bayer präsentierte ihre Form der Elterbegleitung bei einem Kongress.

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Mit Kamera und Mikrofon: Ein Team des Bundesfamilienministeriums hält im Asylbewerberheim in Ilshofen fest, was die Elternbegleiter der evangelischen Familienbildungsstätte Schwäbisch Hall leisten. Archivfoto: Marc Weigert

"Der Bundeskongress in Berlin war sehr spannend" sagt Wiltrud Wehrstein-Bayer. In der vergangenen Woche hatte sie Gelegenheit, das Elternbegleiterprojekt der evangelischen Familienbildungsstätte Schwäbisch Hall beim Kongress des Bundesfamilienministeriums und der Ministerin Kristina Schröder vorzustellen.

"Nach der Einführungsrede von Kristina Schröder über Bildungschancen von Kindern und dafür notwendige Hilfestellungen für Eltern ging es direkt in die Podiumsdiskussion" berichtet die Hallerin. Vorgeführt wurden die Film- und Tonaufnahmen, die Anfang April bei ihrer Arbeit im Asylbewerberheim in Ilshofen entstanden sind. Wehrstein-Bayer ergänzte sie in der anschließenden Diskussionsrunde mit Wissenschaftlern, einem Moderator von Radio 1 Berlin und den Elternbegleitern aus Singen und Hannover, die ihr Projekt ebenfalls vorstellen durften.

Dabei übte sie scharfe Kritik an der Familienasylpolitik der Bundesregierung, da das Bildungspaket, das Unterstützung für Hartz-IV-Familien gewährt, nicht für Kinder von Asylbewerbern gilt. Ihre Familien bekämen auch kein Kindergeld. "An das Kindergeld sind jedoch sehr viele Leistungen der Kommunen geknüpft, wie auch der Landesfamilienpass zum kostenlosen Eintritt in Museen", bemängelt Wehrstein-Bayer. "Ich kritisiere auch die Tatsache, dass der dringend notwendige Deutschkurs für Eltern erst nach dem Asylverfahren und des Erteilens eines Status erfolgt. Bis dahin dauert es in der Regel zwei Jahre, manchmal sogar drei, wobei die Asylbewerber sämtliche Anträge für ihre Kinder wie Förderunterricht, Schulaufnahme, Zuschüsse zu Klassenfahrten oder Schullandheimen stellen müssen, obwohl sie die deutsche Sprache nicht beherrschen." All das kennt sie aus ihrer praktischen Arbeit im Asylbewerberheim des Landkreises Schwäbisch Hall in Ilshofen. "Mehrere Mitarbeiter von Ministerin Schröder kamen nach der Diskussion wegen dieser Kritik auf mich zu", berichtet die Elternbegleiterin. Sie hätten ihr aber nur bestätigen können, "dass die Kinder von Asylbewerbern de facto ausgeschlossen sind, wenn Frau Schröder von Bildungschancen von Kindern in Deutschland spricht".

In Ilshofen unterstützen Freundeskreis Asyl, Landratsamt, Arbeiterwohlfart und eben auch Wiltrud Wehrstein-Bayer durch ihre Funktion als Elternbegleiterin die asylsuchenden Familien. "Ob aber auch andernorts so gute Bedingungen für die Bildungschancen dieser Kinder geschaffen werden, bezweifle ich sehr."

Ihre Anregungen seien von den Mitarbeitern des Ministeriums aufmerksam notiert worden. Man habe sie gebeten, zu weiteren Gesprächen nach Berlin zu kommen. "Auch Frauke Schulz, Organisatorin des Bundeskongresses und direkte Mitarbeiterin von Kristina Schröder fragte nach, ob ich zeitlich verfügbar wäre, da der Kontakt zur praktischen Arbeit vor Ort und den Erkenntnissen daraus für sie sehr erfrischend und konstruktiv wären", so Wehrstein-Bayer, die durchaus stolz ist, beim Kongress "den Fokus auf die Problematik des Umgangs mit Asylbewerbern und ihrer Familien von Seiten der Bundesregierung" gelenkt zu haben.

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