Kein Fleisch, keine Eier, keine Milch: Ein Veganer aus Langenburg im Interview

Ruben Müller aus Langenburg (26) arbeitet seit acht Jahren als selbstständiger 3-D-Grafik-Designer. Seit vier Jahren lebt er vegan, fühlt sich bestens und gibt allen Tipps, die ihre Ernährung umstellen wollen.

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Ruben Müller lebt seit vier Jahren vegan - und das gerne. Privatfoto

HOHENLOHER TAGBLATT: Ist veganes Essen gesünder?

RUBEN MÜLLER: Ja, deutlich gesünder als die durchschnittliche Ernährung. Wer sich aber von veganem Kuchen und Eis ernährt, lebt natürlich auch nicht gesund! Aber wer vegan lebt, isst fast immer bewusster und geht ungesunden Fertiggerichten aus dem Weg - und damit auch den ganzen Skandalen rund um tierische Produkte. Außerdem kann das Risiko von Wohlstandskrankheiten mit einer pflanzlichen Ernährung zum Teil sogar erheblich reduziert werden, da sie zum Beispiel sehr reich an Vitaminen und Mineralstoffen und frei von Cholesterin ist. Schon ein Tag pro Woche bewusst ohne Tierprodukte nutzt.

Was ist der Unterschied zwischen vegan und vegetarisch?

MÜLLER: Kurz gesagt nutzen Vegetarier nichts vom toten Tier - also kein Fleisch, keinen Fisch, kein Leder und keine Gelatine. Veganer verwenden zusätzlich nichts vom lebenden Tier - also Sachen wie Eier, Honig, Milchprodukte oder Wolle. Essen kann man aber die ganze Palette der pflanzlichen Produkte: Gemüse und Obst, Getreide, Hülsenfrüchte, Nüsse, Öle und natürlich alles, was sich daraus herstellen lässt. Die meisten Menschen, die vegan werden, entdecken ganz viele neue Lebensmittel, so dass der Umstieg oft sogar als Bereicherung, nicht als Verzicht empfunden wird.

Vegan ist derzeit ein richtiger Trend. Warum?

MÜLLER: Menschen sind durchs Internet heute aufgeklärter als früher, und vielen wird klar, dass wir so nicht mehr weitermachen können, was den Verbrauch der Ressourcen, aber auch was den Umgang mit den Tieren anbelangt. Ich denke, es findet in den jüngeren Generationen ein Umdenken statt. Zur Zeit werden darüber hinaus viele Promis vegan, weil sie merken, dass ihnen das guttut. Manche werden auch vegan, weil sie einfach länger leben möchten, wie etwa Bill Clinton. Zusätzlich sorgen die Lebensmittelskandale für eine grundlegende Verunsicherung, gerade in Bezug auf Tierprodukte.

Wie kamen Sie dazu, vegan zu leben?

MÜLLER: Als ich vor etwas mehr als vier Jahren meine jetzige Freundin kennenlernte - sie lebte damals schon vegan -, habe ich mich zum ersten Mal mit meiner Ernährung auseinandergesetzt. Als ich mir dann angesehen habe, was ich da eigentlich esse, war es sehr einfach, meine Ernährung umzustellen. Dazu muss ich sagen, dass es mir auch deswegen leichtfiel, weil mir meine Freundin viele Tipps gab! Das Gleiche bietet unsere Gruppe durch die Veggie-Starthilfe allen an, die auf einen vegetarischen oder veganen Lebensstil umsteigen wollen: Wir kaufen auf Wunsch mit euch ein, kochen mit euch und geben Tipps für den Alltag. Viel steht auf der Seite www.veggietag-hall.de.

Ihre Lieblingsspeise früher und jetzt?

MÜLLER: Das ist einfach: Pizza und Pizza! Aber weil ich mittlerweile so viel mehr Gemüsesorten kenne, habe ich deutlich mehr Variation beim Belegen.

Vermissen Sie ein Steak?

MÜLLER: Nein, gar nicht - ich bin mir einfach zu sehr bewusst, was dahintersteckt.

Was sind Ihre Erfahrungen mit dieser Art der Ernährung?

MÜLLER: Wenn man mal vegane Rezepte für die Lieblingsgerichte parat hat und die Gewohnheiten beim Einkaufen umgestellt hat, gibts im Alltag keinen Unterschied.

Hat die veränderte Ernährung bei Ihnen etwas verändert?

MÜLLER: Ich bin viel fitter als früher, sowohl im Kopf als auch körperlich.

Was ist "Schwäbisch Hall Vegan"?

MÜLLER: Wir sind etwa fünf bis zehn mehr oder weniger Aktive aus der Gegend, die sich für vegane Lebensweise einsetzen. Die meisten sind Mitte 20 bis Anfang 30. Aber offen ist die Gruppe wirklich für jeden! Demnächst werden wir einen Verein gründen, der die zukünftigen Projekte tragen wird.

Was macht diese Gruppe?

MÜLLER: Wir wollen den Menschen zeigen, wie einfach und lecker veganes Essen sein kann. Das machen wir zum Beispiel mit Essensständen in der Haller Innenstadt, die immer ganz toll ankommen. Dort bieten wir Süßes oder Deftiges zum Probieren an. Als ganz großes aktuelles Projekt bringen wir den Veggietag in Hall voran.

Kann man mitmachen?

MÜLLER: Absolut, sehr sehr gerne! Wir treffen uns regelmäßig, jeder kann dazukommen. Seit Neuestem gibt es auch einen Mitmach-Brunch. Die Termine und weitere Infos gibts auf www.sha-vegan.de.

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Kommentare

14.03.2013 15:33 Uhr

Go vegan !!!

Vegan ist eine hauptsächlich ethisch begründete Lebens- und Ernährungsweise, die es ermöglicht, möglichst wenig Tierleid zu verursachen. In der Praxis sieht es so aus, dass der Veganer und die Veganerin sich rein pflanzlich ernähren und tierliche Produkte meiden.
Die Produktion von vegetarischen, tierlichen Produkten, Eier, Milch, Wolle, Seide, Daunenfeder, ist in der heutigen üblichen Praxis mit erheblichem Tierleid verbunden.

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08.03.2013 09:10 Uhr

Antwort auf „Fitter?”

Hund streicheln, Kuh essen. Kognitive Dissonanz nennt man das, kann auch leicht mit Schizophrenie verwechselt werden. Aber Sie kennen das ja vielleicht?

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08.03.2013 09:05 Uhr

Herr Fetscher...

... scheint Experte in Geisteskrankheiten zu sein.

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07.03.2013 17:58 Uhr

Fitter?

Sorry, aber fitter im Kopf sind Sie bestimmt nicht.

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